Geplante Klärschlammverbrennungsanlage

Verbaler Schlagabtausch in Halle 7

Kann die Bürgerinitiative Oslebshausen und umzu den Bau der Klärschlammverbrennungsanlage am Industriehafen womöglich doch noch verhindern? Beim Erörterungstermin gaben die Anlagen-Kritiker noch einmal alles.
16.07.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Verbaler Schlagabtausch in Halle 7
Von Anne Gerling
Verbaler Schlagabtausch in Halle 7

Bevor die Mitglieder der Bürgerinitiative Oslebshausen zum Mikrofon griffen, machten sie vor der Messehalle ihren Standpunkt mit Protestbannern klar. Sie befürchten unter anderem „Müll-Tourismus“ in Richtung Oslebshausen.

Roland Scheitz

Mit Protestbannern waren am Mittwoch etwa 35 Oslebshauser und Nordbremer zur Halle 7 auf Bremens Messegelände gekommen. Auf der Tribüne nahmen außerdem weitere 40 Zuhörer Platz, als dort an diesem Tag mit dem öffentlichen Erörterungstermin im Rahmen des Genehmigungsverfahrens die Beteiligung der Öffentlichkeit zu der am Industriehafen geplanten Klärschlammverbrennungsanlage ihren Höhepunkt erreichte.

Insgesamt 25 Themen wie zum Beispiel Sicherheit, Lärm, CO2-Ausstoß oder Geruchsbelästigung umfasste die Liste, die Hartmut Teutsch, Leiter der Bremer Gewerbeaufsicht, im Rahmen der Veranstaltung abarbeiten wollte. Dabei konnten sich alle diejenigen Anwohner und Bürger noch einmal persönlich zu Wort melden, die im Vorfeld bis zum 25. Juni ihre Einwendungen schriftlich bei der Gewerbeaufsicht eingereicht hatten. 18 Einwendungen waren Teutsch zufolge rechtzeitig eingegangen, drei weitere erreichten sein Amt nach Fristabauf.

Das Ziel des Erörterungstermins sei nicht, zu einem Einvernehmen zu kommen, so Teutsch: „Es geht darum, zu prüfen, ob wir etwas übersehen haben und ob vielleicht weitere Aspekte zu berücksichtigen sind.“ Dies könne zu weiteren Auflagen für das Betreiber-Konsortium Kenow GmbH & Co. KG („Klärschlammentsorgung in Nordwestdeutschland“) führen – im Extremfall sogar dazu, dass die Genehmigung nicht erteilt werde. Gleichzeitig wolle er mit der Veranstaltung aber auch die Sorgen der Nachbarn und Missverständnisse aufheben, die ihm in den eingegangenen Einwendungen aufgefallen seien, so Teutsch.

Von verschiedenen „Ungereimtheiten und Widersprüchen“ in den Kenow-Unterlagen hatten im Vorfeld des Erörterungstermins wiederum Gegner der geplanten Anlage gesprochen, die sich in der Bürgerinitiative Oslebshausen und umzu engagieren. Sie hatten sich für den Termin Unterstützung durch einen Rechtsanwalt und einen auf Klärschlammverbrennungsanlagen spezialisierten Gutachter als Sachbeistand geholt. Ein weiterer Anwalt vertrat das Diako und das Diakonissenmutterhaus. Zu Wort meldete sich am Rednerpult außerdem auch Sander-Center-Juniorchef Henrik Sander.

Was die Gegner des Vorhabens unter anderem befürchten: Die geplante Anlage könnte zu groß und am Ende nicht ausgelastet sein, während derzeit mit dem Bau weiterer Anlagen in Deutschland Überkapazitäten entstünden. Das Ergebnis: Noch mehr „Müll-Tourismus“ in Richtung Oslebshausen. „Für die Anlage gelten die schärfsten Umweltgesetze und -vorschriften, die wir alle einhalten. Mit der Monoverbrennungsanlage gewährleisten wir den ökologischsten und ökonomischsten Verwertungsweg und garantieren die höchste Entsorgungssicherheit für die Region“, betont wiederum Hansewasser-Sprecher Oliver Ladeur, der auch die Kenow vertritt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+