Uwe Hübner und Rony im Kuba Schlagerhochburg für ei nen Abend

Vegesack. „Bremen ist doch die Hochburg des deutschen Schlagers – oder?“ Die Reaktion auf Uwe Hübners Vermutung könnte ein Quäntchen euphorischer ausfallen. Dabei hat der langjährige Moderator der ZDF-Hitparade extra den Karnevalssonnabend in seiner Heimatstadt Köln sausen lassen, um die „Schlagerfox-Nacht“ im Vegesacker Kulturbahnhof zu moderieren.
08.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von ALEXANDER BÖSCH Vegesack.

„Bremen ist doch die Hochburg des deutschen Schlagers – oder?“ Die Reaktion auf Uwe Hübners Vermutung könnte ein Quäntchen euphorischer ausfallen. Dabei hat der langjährige Moderator der ZDF-Hitparade extra den Karnevalssonnabend in seiner Heimatstadt Köln sausen lassen, um die „Schlagerfox-Nacht“ im Vegesacker Kulturbahnhof zu moderieren.

Zusammen mit seinem Freund Andreas Hoppe alias DJ Andy hat Uwe Hühnken die Veranstaltung organisiert. „Ich bin Schlagerfan und habe mir gedacht, wenn wir so was machen, soll auch was Gutes dabei herausspringen“, sagt er. Zwei Euro von jeder Eintrittskarte gehen an die Krebshilfe, überdies fand vor dem eigentlichen Event ein Schlagernachmittag für körperlich und geistig Behinderte statt.

Über eine Künstleragentur ist Hühnken an Uwe Hübner geraten. Der 54-Jährige moderierte im vergangenen Herbst bereits eine ähnliche Veranstaltung in der Farger Schützenhalle und hat vorsorglich den von ihm betreuten Sänger Steffen Jürgens mitgebracht.

Sänger Jürgens umarmt bereits den ganzen Abend die Damenwelt und posiert geduldig für Selfies. Ein Fanclub aus Bad Zwischenahn-Edewecht hat sich angekündigt und verlangt nach entsprechender Tuchfühlung. Der Greifswalder, der sich bis vor kurzem Bernd Berger nannte, weiß, worauf es ankommt im hart umkämpften Schlagerbusiness: „Bodenständig, liebevoll und ehrlich muss man sein!“ Auf die großen Namen der Schlagerbranche warten die Fans aus Vegesack an diesem Abend mit moderaten Preisen vergeblich. Claus Marcus statt Jürgen Marcus – etwas anderes wäre wegen der Gagenforderungen der etablierten Stars utopisch. „Den einen oder anderen werden Sie nicht so gut kennen“, berichtet Hübner eingangs den bis zu 220 Gästen, die sich auf der schlauchartigen Tanzfläche ein wenig verlieren. Alle, die die Bühne im Kuba betreten, hätten es aber verdient, so Hübner weiter, bekannter zu werden.

Zunächst kommt Rony. Statt Kostproben aus ihrem „in Arbeit befindlichen“ Album zu geben, hat sich die blondierte Frau aus dem Ruhrpott auf Coverversionen zum Halbplayback kapriziert. „Vielleicht hat die nichts eigenes“, mutmaßt eine Besucherin und lässt sich von ihrem Begleiter willig zur Discofox-Drehung verführen. In Ermangelung männlicher Tanzpartner schwoft auch manch ein Frauengespann miteinander.

Anette Biedermann ist mit fünf Freundinnen gekommen. Mit Schlagerstars hat die Vegesackerin so ihre Erfahrungen gemacht. „Der Jürgen Drews ist total menschlich, der redet jedes Mal mit einem nach den Auftritten. Chris Roberts ist dafür total hochtrabend, der hat nicht mal einem Fan die Schallplatte signiert im Hansezelt!“ Ein wenig missmutig und im wahrsten Sinne des Wortes „mitgenommen“ sitzen zwei Ehemänner neben der gut gelaunten Mittfünfziger-Frauenclique.

Auf Nachfrage gestehen beide, privat dann doch lieber Musik von Rammstein und AC/DC zu hören: „Jeder hat bei uns sein eigenes Zimmer, da geht man sich nicht auf den Wecker.“ Tanzen wollen beide trotzdem später. Indra Groß hat die Tickets von ihrem Bruder Reent bekommen. „Ich stehe total auf Schlager, da versteht man wenigstens alles“, schwärmt sie.

Auf der Bühne lässt inzwischen Claus Marcus seinen unwiderstehlichen Schmäh wirken. Der „sympathische Österreicher“ (laut Pressemitteilung) hat vor 16 Jahren DJ Ötzi entdeckt und bereits ein Album in Diepholz aufgenommen. „Mit dir wird meine weiße Weste bunter“, verspricht der Barde vollmundig und hat manch eine Lebensweisheit zu verkünden. „Wenn eine Beziehung auseinander geht, hat das seinen Sinn, es war noch nicht der Richtige!“, weiß er.

An diesem Abend macht Marcus aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Das geht mir ganz tief rein! Wenn ich euch so seh, mich haut‘s gleich um“, beteuert er und geht vor den Damen in der ersten Reihe in die Knie. Das kommt an. Wie eine eingeschworene Gemeinschaft haben elf Frauen eine Kette gebildet und schmachten den Interpreten an. „I bin halt wie I bin“, sagt der Österreicher und verdrückt gerührt eine Träne.

Zumindest textlich geht Newcomer Frank Lukas die überwiegend weiblichen Zuhörer da weitaus härter an. „Ich kann dich nicht mehr ertragen!“ und „Heul doch, interessiert mich nicht!“, ätzt der 34-jährige Bottroper mit den stahlblauen Augen gegen eine allzu anhängliche Verflossene. Zu stampfenden Modern Talking-Rhythmen jaulen dazu genreuntypische Gitarrenriffs auf.

In den Pausen legt DJ Andy Musik auf: Andrea Berg, Wolfgang Petry und immer wieder Michelle. „Wären wir eine Stadt, dann wären wir zwei Paris!“, singt die Interpretin mit der charakteristischen Heliumstimme. Bei den Gästen kommt das an. Denn die Hauptstadt des deutschen Schlagers heißt an diesem Abend eben doch Vegesack.

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