75 Jahre WESER-KURIER

Die Schlagzeilen einer Ära

In den vergangenen 75 Jahren ist einiges in Bremen passiert. Pleiten, Skandale, Katastrophen - es wurden aber auch politische Meilensteine gesetzt. Eine Auswahl zeigt die Schlagzeilen, die Bremen bewegt haben.
15.09.2020, 16:19
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Die Schlagzeilen einer Ära
Von Jean-Pierre Fellmer
Die Schlagzeilen einer Ära
Anke Dambrowski

1949: Das Grundgesetz tritt in Kraft

„24. Mai 1949: ‚Bundesrepublik ­Deutschland‘“

Heute ist die Schlagzeile der Titelgeschichte vom 24. Mai 1949 für uns eine Selbstverständlichkeit. Als jedoch das Grundgesetz an diesem historischen Dienstag in Kraft trat, war ein neuer Staat geboren. Der damals noch ganz junge WESER-KURIER berichtete von der feierlichen Sitzung am Vortag in Bonn, bei der CDU-Politiker Konrad Adenauer die Rechtsverbindlichkeit der Verfassung verkündete. Noch war Adenauer Präsident des Parlamentarischen Rates, später wurde er Deutschlands erster Bundeskanzler. Neben dem Artikel war auf der Titelseite ein Foto des Bremer Rathauses zu sehen, an dem neben der Bremer Speckflagge Schwarz-Rot-Gold wehte. „Zum ersten Male seit über 16 Jahren“, schrieb der WESER-KURIER.

1951: Attentate mit Sprengstoff

„Dr. A. Wolfard heimtückisch ­ermordet“

Die Sprengstoffattentate vom 29. November 1951 haben nicht nur Bremen, sondern die ganze Republik in Alarmbereitschaft gesetzt. Mehrere Paketbomben waren in Bremen und Umgebung im Umlauf, eine davon war an den Chefredakteur der Bremer Nachrichten, Adolf Wolfard, adressiert. Er öffnete das Paket in seinem Büro, die Explosion überlebte er nicht. Auf der Titelseite drückte WESER-KURIER-Verleger Hans Hackmack neben der Todesmeldung seine Erschütterung und sein Beileid aus.

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1962: Sturmflut verwüstet Bremen

„Orkan – Sturmflut – ­Deiche gebrochen“

„Der Sturm hielt die Bremer Bevölkerung zum Narren. Es war eine Katastrophe mit Spätzündung“, hieß im WESER-KURIER vom 17. Februar 1962 zur Sturmflut, die die Stadt verwüstete. In vielen Teilen der Stadt riss der Wind die Dächer von den Häusern, Bäume stürzten auf die Straßen und in der Gartenstadt Vahr zerstörte der Sturm Starkstromleitungen. Auch in den Tagen nach dem Unwetter ließen die Meldungen zum Hochwasser nicht nach.

1968: Bremer Straßenbahnunruhen

„Sitzstreik legte Straßenbahn lahm“

Am Dienstag war in der Zeitung noch von sanfter Gewalt die Rede, am Donnerstag ordnete der Polizeipräsident dann „Draufhauen! Draufhauen! Nachsetzen!“ an. Hintergrund waren die Bremer Straßenunruhen im Januar 1968. Eine Erhöhung der Fahrpreise für die Bremer Straßenbahn von 60 auf 70 Pfennig war Anlass der Proteste. Rund 50 Schüler, Lehrlinge und Junggewerkschaftler setzten sich am 15. Januar an der Domsheide und am Bahnhof aufs Gleis. Der Bahn- und Busverkehr brach an dem Tag komplett zusammen. Es folgten weitere „Sit-ins“. Zu Beginn der Proteste ging die Polizei laut WESER-KURIER noch behutsam mit den jungen Bremern um. Am 18. Januar befahl der damalige Polizeipräsident Erich von Bock und Polach, den Widerstand mit dem „rücksichtslosen Einsatz des Gummiknüppels“ zu beenden, wie es in der Zeitung am Tag darauf hieß. Wasserwerfer wurden gegen die Demonstrierenden eingesetzt, die wiederum in großer Zahl Busse und Bahnen demolierten. Die Protestierenden forderten die Suspendierung des Polizeipräsidenten oder dessen Rücktritt – ohne Erfolg. Ein Untersuchungsausschuss stellte später fest, dass der Einsatz der Gewalt der Polizei unverhältnismäßig war, politische Konsequenzen gab es keine.

1973: Streit um Osttangente

„Mozarttrasse wirdnicht mehr gebaut“

Eine Verbindung des Remberti-Rings mit dem Buntentor in der Neustadt – die Mozarttrasse sollte eine der Hauptverkehrsachsen der Stadt werden. Die geplante Straße sollte allerdings durch das Viertel führen. Etliche Häuser und Straßenzüge hätten abgerissen werden müssen. Gegen diese erheblichen städtebaulichen Veränderungen erhob sich heftiger Proteste der Anwohner. Nachdem am 5. Dezember 1973 die Abgeordneten mit knapper Mehrheit für den Bau der Straße stimmten, revidierten sie einen Tag später die Entscheidung – die damalige finanzielle Situation der Stadt wurde als Argument genannt.

1979: Unglück am Holzhafen

„Rolandmühle explodiert: Viele Opfer“

„Wie nach einem Bombenangriff“ heißt es in der Unterzeile zur Mehlstaubexplosion in der Bremer Rolandmühle im WESER-KURIER vom 7. Februar 1979. Das Unglück ereignete sich am Vorabend um 21.24 Uhr am Holzhafen. Vermutlich hatte ein Kabelbrand eine Kettenreaktion in Gang gesetzt und das Gemisch aus Mehlstaub und Sauerstoff im Mehlspeicher entzündet. Die Druckwelle der Explosion konnten die Bremer laut Bericht bis in die Innenstadt wahrnehmen. Polizei und Feuerwehr lösten Großalarm aus und waren die ganze Nacht mit ihrem Rettungseinsatz beschäftigt. Bei dem Unfall kamen 14 Menschen ums Leben, 17 wurden zum Teil schwer verletzt.

1983: Werft muss schließen

„Das Aus für AG Weser beantragt“

Unspektakulär klingt diese Überschrift, dabei verbirgt sich dahinter ein langer, harter Kampf um den Erhalt der Werft AG Weser, der am Ende doch vergeblich war. Die Werftvorstände entschieden am 15. September 1983 die Schließung der Werft in Gröpelingen, durch die rund 2000 Arbeitsplätze verloren gingen. Wochen vorher hatte die Belegschaft um den Erhalt gekämpft. Proteste vor dem Rathaus, Demonstrationen und eine Besetzung der Werft halfen jedoch nicht – Ende des Jahres 1983 musste die Schiffsschmiede schließen.

1997: Letzte Schicht mit Trauerfeier

„Fünf nach zwölf auf der Vulkan-Werft“

„Für fast 1300 Kollegen beginnt heute ein neuer Lebensabschnitt. Wir werden arbeitslos. Wir müssen damit fertig werden, dass ­Ältere keine Möglichkeit haben, jemals wieder in Arbeit zu gelangen.“ So zitierte der ­WESER-KURIER Vulkan-Betriebsrat Klaus Prange, nachdem die letzte Schicht auf der Vulkan-Werft in Bremen am 15. August 1997 um kurz nach 12 Uhr endete. Die Großwerft war in den Jahren zuvor in finanzielle Schieflage geraten, rund 2000 Werftarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz in Bremen.

2019: Bürgerschaftswahlen in Bremen

„Historische Niederlagefür die SPD“

In 73 von 75 Jahren war die SPD die stärkste Kraft des Landes Bremen – bis zum 26. Mai 2019. An diesem Wahlsonntag entschieden die Bremer sich häufiger für die CDU als für die SPD. Ein spannender Wahlkampf, bei dem die beiden Kandidaten Carsten Meyer-Heder (CDU) und der damals regierende Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) gegeneinander antraten. Nach der Wahl gingen die Christdemokraten in die Opposition. Sieling trat von seinem Amt zurück und übergab es an Andreas Bovenschulte (SPD). Meyer-Heders Wahlplakat mit dem Spruch „Auf ins Rathaus“ hängt noch heute an der CDU-Zentrale.

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Dieser Artikel ist Teil der Sonderveröffentlichung zum 75. Geburtstag des WESER-KURIER. Am 19. September 1945 erschien die erste Ausgabe unserer Zeitung. Anlässlich des Jubiläums blicken wir zurück auf die vergangenen Jahrzehnte: Erinnern uns an die Anfänge unserer Zeitung und auch an die ein oder andere Panne. Und wir schauen nach vorn: Wie werden Künstliche Intelligenz und der Einsatz von Algorithmen den Journalismus verändern? Natürlich denken wir auch an Sie, unsere Leser und Nutzer. Wer folgt unseren Social-Media-Kanälen, wer liest unsere Zeitung? Was ist aus den Menschen geworden, über die wir in den vergangenen Jahren berichtet haben? Und wie läuft er eigentlich ab, so ein Tag beim WESER-KURIER?

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