Förderverein fehlt die Perspektive

Schlechte Chancen für Kämmerei-Museum?

Seit Jahren engagiert sich der Blumenthaler Detlef Gorn für ein Kämmereimuseum auf dem Gelände der ehemaligen Woll-Kämmerei. Mit dem Aus für das Spicarium in Vegesack sieht er seine Chancen schwinden.
12.01.2016, 00:00
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Von Ulrike Schumacher

Seit Jahren engagiert sich der Blumenthaler Detlef Gorn für ein Kämmereimuseum auf dem Gelände der ehemaligen Woll-Kämmerei. Mit dem Aus für das Spicarium in Vegesack sieht er seine Chancen schwinden.

Als für das Spicarium in Vegesack das Aus beschlossen war, verließ Detlef Gorn der Mut. Seit Jahren engagiert sich der Blumenthaler für ein Kämmereimuseum auf dem Gelände der ehemaligen Bremer Woll-Kämmerei (BWK). Mit dem Ende des Spicariums sieht der Vorsitzende des Fördervereins Kämmereimuseum dieses Ziel „in weite Ferne gerückt, wenn nicht gar gänzlich auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben“.

Wie berichtet, hat Detlef Gorn dies in der vergangenen Woche den Mitgliedern des Blumenthaler Beirats geschrieben. Und auch, dass das für dieses Jahr geplante Ausstellungsprojekt „Das soziale Gesicht der BWK“, bei dem es einen Vergleich zu Mercedes in Sebaldsbrück geben sollte, nun gestrichen sei.

„Nach der Schließung des Spicariums käme keine behördliche Institution auf die Idee, in Blumenthal ein neues Museum zu errichten und zu finanzieren.“ Ein privater Investor sei zudem weit und breit nicht in Sicht. „Das war für uns bereits erkennbar, nachdem der Beiratsbeschluss, im Sortiergebäude ein Kulturzentrum zu errichten, nicht weiter verfolgt und eingefordert wurde“, heißt es in Gorns Schreiben an die Beiratsmitglieder. Das Sortiergebäude können Gorn und seine Mitstreiter allenfalls als Lagerraum nutzen.

„Wir dürfen da keine Öffentlichkeit herstellen“, berichtet der Blumenthaler auf Nachfrage. Sprich: Für Besucher, die gern einen Blick auf all die alten Schätze der Bremer Woll-Kämmerei werfen würden, bleiben die Türen verschlossen. Wegen mangelnden Brandschutzes und weil der zweite Fluchtweg fehlt, hat die Eigentümerin des Gebäudes, die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB), die Nutzung auf eine Lagerung beschränkt. „Da fragt man sich, was das Ganze dann noch soll“, sagt Detlef Gorn resigniert.

Einen Tag später mögen dem Vereinsvorsitzenden die eigenen Worte vielleicht zu drastisch vorgekommen sein. Er schickt einen weiteren Brief an Beirat und Ortsamtsleiter hinterher. Von Rückzug sei nicht die Rede, sagt Detlef Gorn im Gespräch mit der NORDDEUTSCHEN. Aber er wolle schon zum Ausdruck bringen, dass der Förderverein unter der Situation leide. „Je länger der Zustand andauert, umso unbefriedigender ist es für mich, die Mitarbeiter und den Vorstand.“ Der Verein dürfe die Räume nicht einmal für Besprechungen nutzen. Immer habe er die WFB im Nacken und die Furcht, aus dem Gebäude hinausgeworfen zu werden, erzählt Detlef Gorn. Dabei habe es schon Zeiten gegeben, in denen „die Besucherströme nicht abrissen“.

Das war am Tag des offenen Denkmals. Letztmalig hatte das Bauamt Bremen-Nord den Vereinsmitgliedern im vergangenen Jahr erlaubt, Besuchern in den Räumen des Sortiergebäudes all die historischen Aufnahmen, Jubiläumsschriften, Lohntüten und was sonst noch alles vorhanden ist aus der 120-jährigen BWK-Geschichte zu präsentieren. Aber wenn der Verein für seine Arbeit keine Öffentlichkeit nutzen dürfe, fehle ihm die fühlbare Perspektive, klagt Detlef Gorn. Er fragt sich, warum es jetzt nicht wieder so sein kann wie vor vier Jahren. 2012 hatte der Förderverein Kämmereimuseum über die sogenannte Zwischen-Zeit-Zentrale die Möglichkeit erhalten, die Räume zu nutzen. Detlef Gorn kann sich vorstellen – ähnlich wie die Kaisen-Scheune in Borgfeld – einmal im Monat für Besucher zu öffnen. Seine beiden Briefe habe er auch geschrieben, weil „ich wissen möchte, ob die Ortspolitik hinter uns steht“.

Von Peter Nowack weiß er es jetzt. Der Blumenthaler Ortsamtsleiter hat zurückgeschrieben und seine Unterstützung signalisiert. „Wir brauchen den Förderverein weiterhin“, sagt der Sozialdemokrat und lobt dessen „gute Arbeit“. Gerade die themenbezogenen Veranstaltungen hätten sehr zum hervorragenden Ruf des Fördervereins beigetragen und ihm die Anerkennung von leitender Stelle des Focke-Museums und des Staatsarchivs eingebracht.

Die Sonderausstellungen würden zeigen, dass die Arbeit des Fördervereins eine Qualität habe. Wenn man das jetzt alles hinschmeiße, sagt Peter Nowack, „dann war die ganze Arbeit für die Katz“. Nicht zuletzt habe der gute Ruf dazu beitragen, dass der ehemalige Bürgermeister Jens Böhrnsen und der Prokurist der Wirtschaftsförderung „sich intensiv dafür eingesetzt haben, dass die BWK-Ausstellung einen festen Platz im Sortiergebäude bekommen sollte“, schreibt der Ortsamtsleiter.

Die WFB verfolge nach wie vor die Entwicklung des Sortiergebäudes und somit auch „perspektivisch eine Option für das Museum“, weiß Nowack. „Das BWK-Gelände entwickelt sich zügig.“ Eine Elektrofirma habe sich angesiedelt, das Unternehmen Marinetech baue dort, und die anderen Parzellen würden in guten Verhandlungen stehen. „Die Stadt wird es sich also nicht leisten können, das Sortiergebäude verfallen zu lassen“, heißt es in Nowacks Antwort an Detlef Gorn. „Deshalb arbeiten wir weiter an dem Plan und werden sehen, wie das Geld im Haushalt eingebaut ist.“ Erste Gespräche mit dem Kulturressort, das das BWK-Museum „unter seine Fittiche nehmen und finanziell und personell unterstützen“ müsse, habe es gegeben. In der März-Sitzung des Blumenthaler Beirats soll das Kämmereimuseum Thema sein. Detlef Gorn ist dazu eingeladen.

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