Deutlich mehr Touristen als im Vorjahr in der Stadt Schlechtes Wetter ist gut für Bremen

Bremen. 17 Grad, grauer Himmel, Nieselregen und noch ein paar kräftige Windböen - so könnte für Bremen der Sommer weitergehen. Das meint jedenfalls die Tourismusbranche. Denn: So richtig mieses Wetter bringt mehr Touristen in die Stadt.
28.07.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Mona Stephan

Bremen. 17 Grad, grauer Himmel, Nieselregen und noch ein paar kräftige Windböen - so könnte für Bremen der Sommer weitergehen. Das meint jedenfalls die Tourismusbranche. Denn: So richtig mieses Wetter bringt mehr Touristen in die Stadt und damit auch mehr Geld in die Kassen. Und in diesem Sommer funktioniert das offenbar besonders gut.

"Das stimmt. Wir haben in diesem Sommer besonders viele Touristen. Es kommen sehr viele Anfragen, vor allem nach Stadtführungen und Freizeitangeboten", bestätigt Maike Lucas von der Bremer Touristik-Zentrale (BTZ). Sie hält es weiter mit Regen und Sturm - zumindest aus beruflicher Sicht. "Ist das Wetter schön, zieht es die Touristen an die Küste. Ist das Wetter aber schlecht - so wie in den vergangenen Wochen -, unternehmen sie lieber etwas in Städten wie Bremen." Dort, wo es Dächer gibt. Konkrete Zahlen zum gefühlten Besucherplus kann die Sprecherin zwar noch nicht nennen; allerdings ist sie überzeugt davon, dass Regen und Wind den Freizeitanbietern unterm Strich ein kräftiges Plus bringen.

Zum Beispiel der Botanika. Waren im vergangenen Jahr rund 3370 Besucher in den Sommermonaten Juni und Juli in der überdachten Botanika zu Gast, sind es in diesem Jahr schon jetzt mehr als doppelt so viele, nämlich 6800 Besucher. Und damit noch längst nicht genug: "Wir erwarten sogar, dass wir unsere Gästezahlen vom vergangenen Jahr zum Ende des Monats um das Dreifache steigern können", rechnet Sprecherin Janina Heyn vor. Der unterkühlte Sommer bringt aber nicht nur viele Gäste aus Bremen und dem Umland in die Botanika, auch deutlich mehr Touristen aus dem Ausland finden den Weg nach Horn. "Neulich hatten wir eine große Besuchergruppe aus Ungarn. Vorhin waren gerade Gäste aus London da", erzählt sie.

Auch Museen profitieren

In Museen kennt man den Schlechtwettertrend bereits: Wenn es regnet, werden besonders viele Eintrittskarten verkauft. Cerstin Wille vom Überseemuseum bestätigt das. "Sind es draußen 30 Grad, ist es bei uns leer. Dabei sind unsere Ausstellungsräume klimatisiert - das weiß aber offenbar niemand", vermutet die Marketingleiterin.

Die Tendenz für diesen Sommer fällt ihrer Einschätzung nach schon jetzt positiv aus: "Wir haben rund 60 Prozent mehr Besucher als im vergangenen Jahr." Vor allem an den Wochenenden herrsche Hochbetrieb, aber auch unter der Woche gebe es keinen Grund zum Klagen. Dem Regen sei Dank. "Vergangenen Sonntag hatten wir zum Beispiel rund 1000 Gäste. Das war ein sehr guter Tag für das Überseemuseum."

Der besondere Mix aus Ferienzeit und miesem Wetter kommt auch dem Universum nicht ungelegen. Zwar ist das Wissenschaftscenter in Uni-Nähe in der Urlaubszeit immer gut besucht, zurzeit registrieren die Betreiber aber ein besonders dickes Plus: "Ja, wir spüren das schlechte Wetter sehr deutlich. Es kommen zum Beispiel noch mehr Familien mit Kindern als sonst zu uns", bestätigt Sprecherin Kathrin Roth. Darunter seien auch viele aus dem Ausland.

Viele Tagesbesucher

"Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben wir auch mehr Besucher aus dem nahen Umland", sagt die Universum-Sprecherin. Woher die Gäste genau kommen - ob aus Spanien oder Schwanewede - verrät die Auswertung der Postleitzahlen beim Ticketkauf. Viele Besucher kommen demnach häufig nur für einen Tag nach Bremen.

Dieser Überzeugung ist auch Geschäftsführer Marco Nussbaum vom "Prizeotel" in Bremen. Regen und herbstliche Temperaturen sorgen in dem Hotel an der Bürgerweide nicht für zusätzliche Übernachtungsgäste: "Die Belegungsraten sind bei uns im Vergleich zu 2010 auf hohem Niveau konstant". Der Geschäftsführer verweist auf die Buchungsportale der Bremer Hotels. Demnach seien täglich mehr als 80 Prozent der Bremer Hotels verfügbar. Nussbaum: "Das schlechte Wetter kann die insgesamt negative Entwicklung der Bremer Hotels nicht auffangen."

Ob allerdings derzeit mehr Gäste per Flugzeug in die Hansestadt reisen, das kann Alice Hossain vom Airport Bremen nicht mit Zahlen belegen. Eines weiß die Flughafen-Sprecherin aber ganz sicher: "Seitdem das Wetter schlecht ist, wurde unsere Airport-App besonders oft heruntergeladen."

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