Trinitatis-Gemeinde gibt Standort auf / Letzte Predigt und Gemeindefest mit emotionalen Momenten Schmerzlicher Abschied von Ellener Brok

Ellenerbrok-Schevemoor. Nun ist offiziell Schluss mit dem Gemeindezentrum Ellener Brok der Trinitatis-Gemeinde. Am Sonntag wurden die Räume an der Graubündener Straße mit einem Gemeindefest entwidmet.
04.06.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Ina Schulze

Nun ist offiziell Schluss mit dem Gemeindezentrum Ellener Brok der Trinitatis-Gemeinde. Am Sonntag wurden die Räume an der Graubündener Straße mit einem Gemeindefest entwidmet. Der Gemeindesaal ist bis in die hinteren Reihen gefüllt als der Schriftfrüher der Bremischen Evangelischen Kirche, Pastor Renke Brahms, die letzte Predigt in der Kirche hält.

„Dieser Petrus fasziniert mich immer wieder, wie er da voller Selbstvertrauen und Mut, und voller Gottvertrauen losgeht und einen Schritt ins Ungewisse macht“, sagt Renke Brahms. Er selbst sei eher vorsichtig und zurückhaltend, erklärt er der Gemeinde. Und ja vermutlich seien die Gemüter in der Gemeinde auch unterschiedlich gestimmt. „Vielleicht gehen die wenigsten einfach so los, lassen das Gemeindezentrum Ellener Brok hinter sich und wagen das Neue“, sagt Brahms. Einige würden wohl immer noch ungläubig den Kopf schütteln oder seien vielleicht sogar zornig über die Schließung ihrer Gemeinde. Wahrlich sei der Abschied schmerzhaft, nicht nur für die Mitglieder, sondern auch für die gesamte Landeskirche und den Kirchenausschuss.

Trinitatis zählt 6600 Mitglieder

Renke Brahms Recherche zufolge haben 1980 noch 19 290 Mitglieder zu den drei Gemeinden Blockdiek, Ellener Brok und Tenever gehört. Aktuell seien es gerade einmal 6646. Selbst wenn es durch die Zahlen vernünftig erscheine, einen Standort zu schließen, verstehe er sehr gut, dass diese vernünftigen Zahlen nicht die Herzen erreichten. „Manchemal geht es über unsere Vorstellungskraft, was da auf uns zukommen kann. Dass da auch etwas Neues, Gutes, wenn auch Verändertes, auf uns wartet“, betont Brahms. Es sei auch gut, die Kräfte zu bündeln. Die Botschaft vom Aufrichten der Menschen, der helfenden Hand Jesu, des Trostes für Menschen, die in Angst sind, sei der Kern des Kirchenseins. „Und das geht über jedes Gebäude hinaus und hat überall Raum“, sagt Brahms.

Cornelia Mansholt aus der Neuen Vahr muss den Gottesdienst früher verlassen. Zu emotional sei die Veranstaltung. „Diese Kirche hat was Schönes an sich, das kann man nicht beschreiben“, sagt Mansholt. Seit drei Jahren ist sie nicht nur Mitglied in dieser Gemeinde, sondern auch ehrenamtlich tätig. Ihre Tochter wurde dort getauft und konfirmiert. Viele emotionale Erinnerungen hängen an diesem Ort. Sie erzählt von dem Moment, als man den Kindern etwas zur Taufe wünschen sollte. „Das ging unter die Haut. Man zehrt davon und von der besonderen Atmosphäre der Kirche“, sagt Cornelia Mansholt.

Auch die 13-jährige Lisa, die 14-jährigen Arne und Moritz, die 16-jährige Annika und der 28-jährige Martin Bryan bedauern die Schließung ihrer Gemeinde. „Die alten Räume sind mit vielen Erinnerungen verbunden“, sagt Arne. „Außerdem haben wir hier viel Platz für die Jugendarbeit“, ergänzt Annika. Die 16-Jährige ist seit ihrem fünften Lebensjahr in der Gemeinde verwurzelt und inzwischen auch ehrenamtlich tätig, wie bei diesem Fest. Gemeinsam mit ihren Kollegen verkaufte sie Coupons für das bargeldlose Essen und Trinken. Martin Bryan verfolgt die Entwicklung und den Umbruch der Gemeinde bereits seit 1998. Dies sei der zentrale Punkt von allen drei Standorten. Ohne die Gemeinde Ellener Brok würde einfach etwas im Stadtteil fehlen. „Wir werden viele Leute verlieren“, davon ist Bryan überzeugt.

Erika Habekost ist selbstverständlich auch zum Familien-Gottestdienst gekommen. Natürlich sei sie traurig über die Schließung und es sei bestimmt für die Mitglieder ein schmerzlicher Abschied vom Gotteshaus, da viele hier getauft worden seien oder geheiratet hätten. Aber man müsse die Situation auch realistisch betrachten. „Wenn die Kirche besser besucht gewesen wäre, dann hätte es diesen Anlass nicht gegeben“, sagt Habekost. Zumindest bedeutet die Schließung nicht einen gänzlichen Umbruch, da der Pastor und die Mitarbeiter die gleichen bleiben. Außerdem ist ein Wandel notwendig, wenn Neues wachsen soll. „Man muss Hoffnung haben“, sagt Erika Habekost.

Aykut Tasan, Quartiersmanager des Schweizer Viertels, hält ebenfalls eine kleine Ansprache im Gemeindezentrum Ellener Brok, mit etwas zittriger Stimme, wie er selbst zugibt. „Ich war schweren Mutes“, sagt Aykut Tasan. Immerhin sei die Gemeinde in den sechs Jahren, in dem das Schweizer Viertel und Ellenerbrok Schevemoor zum Soziale Stadt Gebiet gehörten, immer ein wichtiger Kooperationspartner und Akteur in der Quartiersarbeit gewesen. Gemeinsam habe man in den Arbeitskreisen Ältere Menschen, Kinder und Schweizer Viertel die Bedürfnisse und Problemlagen diskutiert und ein gut funktionierendes, produktives Netzwerk aufgebaut. „Mit der Schließung der Gemeinde verliert das Quartier eine wichtige Anlaufstelle und einen wichtigen Partner, der sich für die Belange der Bewohner stark gemacht und keine Mühe gescheut hat. Das bedauere ich sehr“, sagt Aykut Tasan.

Er hätte sich gewünscht, dass die Schließung viel früher im Stadtteil hätte diskutiert werden können. „So waren wir plötzlich mit vollendeten Tatsachen konfrontiert“, betont Tasan. Aber wo ein Ende sei, sei auch ein Anfang, dem er mit Optimismus entgegenblicke. Er wünscht sich, dass man nun über die Quartiersgrenzen hinweg weiter zusammenarbeitet. Außerdem soll am gleichen Standort ein Quartierszentrum entstehen. „Wir brauchen einen Standort für Familien auch religionsübergreifend“, sagt der Quartiersmanager.

Stefan Sarod ist Pastor in der Gemeinde des Guten Hirten in Sebaldsbrück. Seine erste Predigt hat der gebürtige Osterholzer allerdings in der Gemeinde Ellener Brok gehalten. „Ich bin hier groß geworden“, erzählt Sarod. Dass das Zentrum der drei Standorte der Trinititaisgemeinde aufgegeben wird, ist aus seiner Sicht ganz klar ein Fehler. „Das große Grundstück ist für Kinder ideal“, betont Stefan Sarod. Einem möglichen Abriss sehe er außerdem schon mit Spannung entgegen, das Gebäude sei extrem massiv.

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