Schmierereien und Hass Attacken auf St.-Martini-Pastor

Drei Mal zerkratzten Unbekannte sein Auto, nun besprühten sie Schilder vor der Kirche: Der wegen seiner Äußerungen umstrittene Bremer Pastor Olaf Latzel wird seit mehreren Wochen angefeindet.
08.04.2020, 08:00
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Attacken auf St.-Martini-Pastor
Von Carolin Henkenberens

Das Auto zerkratzt, Schmierereien an Schildern vor der Kirche, Kondome und ein Dildo auf dem Kirchengelände: Der evangelische Pastor Olaf Latzel von der Bremer St.-Martini-Gemeinde berichtet von gehäuften Angriffen auf seine Person und die Kirchengemeinde in den vergangenen Wochen. Er hat mittlerweile Strafanzeige bei der Polizei gestellt.

Am Wochenende etwa haben Unbekannte an der Martini-Kirche Anarchie-Zeichen hinterlassen, teilt die Polizei mit. Der Staatsschutz ermittele. Latzel berichtet, die Täter seien am Abend des 4. April gegen halb zehn gekommen und hätten sein Parkplatzschild, auf dem „Hauptpastor“ zu lesen ist, und den Schriftzug „Christus ist auferstanden“ auf einem Schild mit schwarzer Farbe durchgestrichen, auch eine Schautafel sei beschmiert worden. Das Schild mit dem Schriftzug musste in den vergangenen Jahren schon drei Mal ausgetauscht und einbetoniert werden, weil es immer wieder Ziel von Anschlägen geworden sei, erzählt Latzel.

Täter aus dem linken Milieu?

Latzel geht von Tätern aus dem linken Milieu aus, die beispielsweise etwas dagegen hätten, dass er sich für das „Recht auf Leben“ ausspreche. Der Pastor, der als Gegner von Abtreibungen und Homosexualität gilt, ist seit einigen Jahren bundesweit bekannt – und umstritten. Nach einer Predigt im Jahr 2015 geriet er in die Schlagzeilen, weil er gesagt hatte, dass es nur einen wahren Gott gebe, gemeinsame Gottesdienste von Pfarrern, Imamen und Katholiken seien eine „Sünde“. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, sah die Äußerungen aber als von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Die St.-Martini-Kirche, die zur Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) gehört, werde seit Jahren immer wieder angegangen, sagt Latzel. Mal werde die Kirchentür beschmiert, manchmal gehe es weiter. Anfang März zum Beispiel hätten etwa 40 Personen Spalier vor der Kirche gestanden und die Gläubigen aufgefordert, aus der Kirche auszutreten. „Das sind Dinge, die dürfen nicht sein“, beklagt Latzel. „Das richtet sich gegen uns alle.“ Es gebe auch Angriffe gegen ihn persönlich. So habe kürzlich jemand ein Auto auf seinen Namen bestellt. Er habe es erfahren, als das Autohaus anrief und Details zur Ausstattung wissen wollte. Der Polizei Bremen zufolge sind solche Sachverhalte als Betrug zu werten.

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Die BEK kritisiert die Sachbeschädigungen und Schmierereien. „Insbesondere bei Schmierereien an Kirchen, Moscheen und ­Synagogen handelt sich um eine inakzeptable Form der Meinungsäußerung“, erklärt eine Sprecherin. Meinungsäußerungen sollten „ausnahmslos gewaltfrei und respektvoll erfolgen“. Diese Haltung gelte unabhängig von etwaigen Differenzen mit einzelnen Personen in Sachfragen.

Livestream gehackt

FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Birgit Bergmann ist erschüttert von den Attacken gegen die Kirchengemeinde und den Pastor. „Wer Christinnen und Christen angreift, der greift uns alle an. Christen, Gläubige, Menschen“, sagt Bergmann. Besonders perfide sei, dass Alte und Isolierte, die in Zeiten von Corona über das Internet die Gottesdienste mitverfolgen wollten, den Eindruck gewinnen könnten, nirgends mehr sicher zu sein. Die Täter hätten nämlich einen Livestream gehackt und darüber Hass und Pornografie verbreitet.

„Sachbeschädigungen sind immer zu verurteilen“, erklärt Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). „Sie sind Straftaten und kein legitimes Mittel, um sich mit Positionen auseinanderzusetzen, die man nicht teilt“. Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Björn Fecker, verurteilt die Angriffe ebenso. Auch wenn die Positionen von Pastor Latzel „höchst umstritten“ und mit Blick auf Menschen, die beispielsweise nicht heterosexuell sind, „schlicht menschenverachtend“ seien, gehöre sich Vandalismus als Mittel der politischen Auseinandersetzung nicht.

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