Blaumeier-Ausstellung in der DKV-Residenz

Schön ist so ein Ringelspiel

"Neues Spiel, altes Glück" ist der Titel der Ausstellung des Blaumeier-Ateliers, die bis Sonntag, 26. August in der DKV-Residenz am Wandrahm zu sehen ist. Zu sehen sind verschiedene Spielarten.
06.07.2018, 17:26
Lesedauer: 3 Min
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Schön ist so ein Ringelspiel
Von Sigrid Schuer
Schön ist so ein Ringelspiel

Karolin Oesker vom Blaumeier-Atelier vor einem expressiven Gemälde von Willi Fliedl (links) und Projektleiterin Wiebke Emmerich vor Werken von Sohivash Malek. Titel der Schau, die noch bis 26. August in der DKV-Residenz am Wandrahm zu sehen ist: "Neues Spiel, altes Glück".

Roland Scheitz

Der große Max Reinhardt, Mitbegründer der Salzburger Festspiele, hat einmal gesagt, dass sich die Schauspieler ihre Kindheit in die Tasche gesteckt hätten. Ähnlich verhält sich das auch bei den 20 Künstlerinnen und Künstlern des Blaumeier-Ateliers, deren Werke noch bis Sonntag, 26. August, in der DKV-Residenz in der Contrescarpe, Am Wandrahm 40-43 gezeigt werden. Der beziehungsreiche Name der Ausstellung ist Programm: "Neues Spiel, altes Glück". Schon in einer Ausstellung in der Kassenärztlichen Vereinigung waren erste Werke zu sehen. Nun sind die Ausstellungskarten sozusagen neu gemischt worden.

Inspirieren lassen haben sich die Mitglieder des Malateliers von Exkursionen ins Spielemuseum nach Soltau und in die historische Spielkartenfabrik in Stralsund. Der Clou daran: Anstatt eines Ausstellungskatalogs haben sie in Workshops Spiele entworfen, etwa ein Memoryspiel oder auch ein Kartenspiel. Die Rückseiten dieses Kartenspieles hat Lia Anders gestaltet, die sie auf ihren Bildern in immer wieder neuen Farbkombinationen zeigt. "Das Spiel ist aus" lautet der beziehungsreiche Titel eines Werkes. Auf blauem Wellengrund wird da beispielsweise mit Kontrastfarben gearbeitet. Martina Beneke hat sich darüber hinaus in ihren Werken auch sonst mit Spielkarten-Figuren auseinandersetzt und etwa den Buben und die Königin einander gegenüberstellt, als ob sie miteinander kommunizieren würden. Einmal in Bleistiftgrau, dann in knalligen Farben wie den König Karo und die Pik-Dame.

Willi Fliedl etwa will so gar nicht einsehen, dass Spiele nur den Kindern vorbehalten bleiben sollen, und hat sich gemäß dem Diktum Max Reinhardts sehr wohl seine Kindheit in die Tasche gesteckt. "Er hat die Farben großflächig auf der Leinwand verteilt, die er dann auf den Kopf gestellt hat und die so ineinander fließen", erzählt Projektleiterin Wiebke Emmerich aus dem Viertel. Und so kommt eine expressive Farbkomposition zustande, in der Lila- und Violett-Töne mit kräftigem Orange verschmelzen. Die Projektleiterin hat sich in ihren Bildern an alte und immer neue Spieltechniken erinnert, in denen die Kinder mit wenigen Mitteln und Aufwand viel selbst kreieren konnten: Gummi-Twist und Seilspringen. Sie zeigt, wie sich die Kinder dabei verbiegen, aber auch die Verbissenheit in ihren Gesichtern, die von dem unbedingten Willen, gewinnen zu wollen, erzählt. Die Ausstellung spielt mit vielen, verschiedenen Facetten: Das Spielen mit Gedanken, mit dem Feuer und mit Gefühlen. Poppige Farben hat auch Colette Boberz für ihre Werke verwendet. Ein echter Hingucker ist das Trio unter dem Titel "Wir fahren Karussell", aber auch die Barbie von Kristine Ahrens mit ihrer blonden Mähne und den rosaroten Highheels.

In einem alten Wiener Lied heißt es: "Schön ist so ein Ringelspiel", ein Vergnügen, das sich auch der kleine Mann leisten kann. So, wie auf den Wimmelbildern von Peter Völker und Sascha Wegener, auf denen Kinder Ringelreihen spielen. Aber auf Wegeners farbenfrohen Linoldrucken finden sich auch Träume von den schönsten Kinderzimmern, in denen Spielzeug-Eisenbahnen kurven. Produktive Erfahrungen haben die Mitglieder des Mal-Ateliers aber auch in der für sie neuen Technik der Lithografie in einem Workshop mit Klaus Zwick gemacht. Beeindruckend auch die Werke von Sohivash Malek, ihre filigranen, schwarzen Kinderfiguren muten vor giftgrünem Gegenlicht wie Scherenschnitte an. In den grünen Himmel lässt sie bunte Luftballons als Symbol der unendlichen Leichtigkeit von Wünschen schweben.

Aber auch die dunkle, einsame Seite des Spiels ist auf den Bildern zu sehen, etwa bei den grauen, gesichtslosen Kindern von Parivash Hoppe oder bei Wendla Pahnke, auf deren leicht verfremdeten Porträts die eher melancholischen Kindergesichter zwischen Selbstständigkeit und Hilfsbedürftigkeit schwanken. Eingefangen hat sie den Moment, in dem aus Spiel und Spaß eben auch bitterer Ernst werden kann. Übrigens sollen die Einnahmen des diesjährigen Sommerfestes in der DKV-Residenz am 11. August, bei dem auch die "Süßen Frauen" zugegen sein werden, dem Blaumeier-Atelier zugute kommen.

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