Bremen/Berlin

Schöner schenken

Mit der richtigen Geschäftsidee und etwas Glück lässt sich ein Vermögen verdienen. Davon ist Laura Aßmann noch weit entfernt – unter die Jungunternehmer ist sie dennoch gegangen. Mit anderen Studierenden der Freien Universität (FU) Berlin will sie nackte Flaschen schöner machen.
08.06.2014, 00:00
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Von Stefan Lakeband
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Die Bremerin Laura Aßmann (rechts) hat für einen Wettbewerb der FU Berlin mit zwei anderen Studentinnen und einem Studenten ein Unternehmen gegründet. Innerhalb von acht Wochen und mit fünf Euro Startkapital müssen sie ein kleines Start-up aufbauen.

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Mit der richtigen Geschäftsidee und etwas Glück lässt sich ein Vermögen verdienen. Davon ist Laura Aßmann noch weit entfernt – unter die Jungunternehmer ist sie dennoch gegangen. Mit anderen Studierenden der Freien Universität (FU) Berlin will sie nackte Flaschen schöner machen.

Acht Wochen Zeit und fünf Euro Startkapital: Nicht die besten Voraussetzungen, um erfolgreich ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Trotzdem opfert Laura Aßmann gemeinsam mit drei anderen Studenten der FU Berlin ihre Freizeit für ein besonderes Projekt.

Eigentlich studiert die 21-Jährige, die am Gymnasium Hamburger Straße ihr Abitur gemacht und bis vergangenen Oktober noch im Peterswerder gewohnt hat, Sozial- und Kulturanthropologie, Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Nicht wirklich Fächer, in denen man sich mit Firmengründung, Marketing und Zielgruppen beschäftigt. „Ich hatte aber Lust, einfach mal in die Betriebswirtschaftslehre reinzuschnuppern“, sagt Laura Aßmann.

Statt der Theorie hat sie den praktischen Weg gewählt. Beim sogenannten Funpreneur-Wettbewerb ihrer Uni geht es darum, dass Studenten innerhalb von acht Wochen und mit einem Startkapital von fünf Euro eine kleine Firma gründen.

In einem Viererteam arbeitet Laura Aßmann deswegen seit dem 22. April in ihrer freien Zeit daran, das gemeinsame Produkt auf den Markt zu bringen: „Around the Bottle“, also um die Flasche herum, heißt die Manschette, die Wein- und Sektflaschen verschönern soll. „Häufig verschenkt man solche Flaschen, „aber die sehen immer etwas nackt aus“, erklärt die Bremerin das Problem. Mit ihren Manschetten soll das nicht mehr so sein. Wiederverwendbar und aus schönen Stoffen genäht, sollen sie Flaschen zum Hingucker machen. Die Materialien bekommen die drei Studentinnen und ihr Kommilitone von Berliner Opern- und Theaterhäusern. „Das klingt zwar banal“, erzählt Laura Aßmann. „Aber es war schon eine Überwindung, dort anzurufen und um etwas zu bitten. Mit fünf Euro Kapital konnten wir ja nichts anbieten.“

Zu ihrer Überraschung verliefen viele Gespräche gut. Mittlerweile ist das studentische Start-up in der Produktionsphase angekommen. Unter anderem lassen die vier die Manschetten in zwei Werkstätten für Menschen mit Behinderung schneidern. Das Schnittmuster haben die Studenten geliefert – doch das ist nur als grobe Orientierung gedacht. „Jedes Produkt soll einzigartig sein“, sagt Aßmann. „Deswegen lassen wir unseren Partnern viele Freiheiten.“

Verkaufen wollen die Studenten ihr „Around the Bottle“ im Internet und in Vinotheken – also da, wo sie ihre potenzielle Kundschaft vermuten. Eine Zielvorgabe, wie viel sie verkaufen wollen, haben sich die vier nicht gegeben. Allerdings müssen sie mindestens einen Flaschenmantel an den Mann bringen, damit sie die Richtlinien des Wettbewerbs einhalten, der von „Profund“, der Gründungsförderung der FU Berlin schon seit mehreren Jahren veranstaltet wird. Mit ihrer Hilfe haben sich schon zahlreiche Studenten nach dem Abschluss selbstständig gemacht.

Ob Laura Aßmann diesen Schritt auch gehen will, weiß sie noch nicht. Ihre Eltern, die das Bekleidungsgeschäft „no. five“ im Viertel betreiben, hätten ihr zwar die vielen positiven Seiten der Selbstständigkeit vorgelebt, sagt sie, dennoch könne sie sich auch vorstellen, für eine Organisation wie Amnesty International zu arbeiten. „Auch dafür“, sagt die 21-Jährige, „habe ich viel durch den Wettbewerb gelernt.“

Mehr Informationen zu „Around the Bottle“ gibt es auf aroundthebottle.blogspot.de

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