Im Schönebecker Schloss trifft sich regelmäßig eine Gruppe von Mineralien- und Fossilienfreunden

Schönheiten in Glasvitrinen

Mineralien und Fossilien sind stumme Zeugen der Erdgeschichte. Sie fasziniert die Mitglieder einer kleinen Gruppe, die sich seit einigen Jahren einmal monatlich in der Schönebecker Schlosskate trifft. Sie eint nicht nur die Spurensuche, sondern auch die Faszination von Edelsteinen.
17.07.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Ulf Buschmann
Schönheiten in Glasvitrinen

Alfred Schäfer, Gabriele Grau und Rudolf Klubsch im Keller des Schloss Schönebeck.FOTOS: KOSAK

Mineralien und Fossilien sind stumme Zeugen der Erdgeschichte. Sie fasziniert die Mitglieder einer kleinen Gruppe, die sich seit einigen Jahren einmal monatlich in der Schönebecker Schlosskate trifft. Sie eint nicht nur die Spurensuche, sondern auch die Faszination von Edelsteinen.

Schönebeck. Mineralien, Fossilien, Edelsteine: Sie erzählen Geschichte. Erdgeschichte – und das über Millionen von Jahren. Zu finden sind sie vielfach nicht allzu weit weg, so etwa auf dem Ritzenbütteler Sand in Lemwerder, auf der Flussinsel Harriersand oder in Eggestedt. Die Zeugnisse der Erdgeschichte holen die Mitglieder des Freundeskreises der Mineralien- und Fossiliensammler im wahrsten Sinne des Wortes ans Tageslicht.

Ihn gibt es schon seit 1982. Ins Leben gerufen hat ihn der kürzlich verstorbene Hans-Jürgen Scheuß. Seitdem treffen sich die Sammler und Experten einmal monatlich in der Schönebecker Schlosskate. Es ist ein kleiner Kreis, der da seinem gemeinsamen Hobby nachgeht. Die Leute arbeiten im Stillen. Einige Vitrinen im Schönebecker Schloss zeugen von ihrer akribischen Arbeit, die Einblicke in die Erd-Evolution gibt. Einmal im Jahr jedoch zeigen die Mitglieder des Freundeskreises, was sie tun: Jeweils im Oktober zeigen sie ihre Exponate in einer Ausstellung in der Schlosskate. In diesem Jahr sind es der 12. und 13. Oktober.

Die Ästhetik von Kristallen

Dann glitzert es vielfach, wie zum Beispiel bei Karl-Heinz Haacke. Er sammelt hauptsächlich Achate, eine Art von Quarz, und versteinertes Holz. Dieses tut er wegen der "faszinierenden Schönheit und der Ästhetik von Kristallen", wie Haacke sagt. Achate, so der Experte, entstünden durch Gasblasen in der Lava von Vulkanen. Sie kühlen sich ab und werden im Laufe der Erdgeschichte bunt. Zu den Achaten gehört laut Haacke zum Beispiel der Amethyst. Er bildet sich an Bergwänden und wird zu Schmuck verarbeitet.

"Wo etwas zu finden ist, steht in der einschlägigen Literatur", sagt Sammler Haacke. Dort fahren er beziehungsweise seine Sammlerfreunde hin, um die Schätze für die Nachwelt zu erhalten oder zu veredeln. Oder die Mitglieder der Mineralienfreunde besuchen Großveranstaltungen wie in München oder Hamburg. Dort kommen sie mit Gleichgesinnten zusammen, tauschen oder kaufen ihre Schätze. Wie Haacke hat jedes Gruppenmitglied sein Spezialgebiet. Rudolf Klubsch sammelt jedoch fast alles.

Gabriele Grau findet das was sie sucht eher in der Region. Sie hat sich auf Geschiebe wie Kieselsteine und Fossilien aus der Kreidezeit spezialisiert. Die Hinterlassenschaften aus der Phase der Erdentwicklung, die vor 145 Millionen Jahren begann und bis etwa vor 65 Millionen Jahren angedauert hat, bearbeitet Grau und macht daraus schöne Stücke, die am Ende oftmals schöner als ein Achat sind. Die Grundlage dafür findet die Sammlerin zum Beispiel bei Thedinghausen, wo auch schon einmal die Zähne von Haien an die Oberfläche kommen, oder in Misburg bei Hannover. Dort waren es laut Fachfrau Grau sogenannte Donnerkeile, das Innenleben von Tintenfischen.

Nicht ganz so weit fahren müssen Peter Kehrenbach und Ludwig Kopp. Sie haben sich innerhalb der Gruppe auf Bernstein oder auch Fossilien spezialisiert. Und dass es Bernstein insbesondere an der Ostsee gibt, ist eine Mär. Er findet sich auch in Eggestedt – wenn natürlich längst nicht in so großer Zahl wie an der Nord- und Ostsee.

Indes: Bernstein ist nicht gleich Bernstein, wie Alfred Schäfer zeigt. Zu seiner Sammlung gehören fluoreszierende Stücke aus der Dominikanischen Republik und leuchtend blaue aus Burma und Bernstein aus den Schweizer Bergen. Aus dem amerikanischen Bundesstaat Illinois kommen die Pyritsonnen.

Zu den Schätzen von Monika und Alfred Schäfer gehören jedoch nicht nur Bernsteine, sondern auch Opale. Das, was die breite Öffentlichkeit als bunte, glitzernde und nicht zuletzt wertvolle Edelsteine kennt, sei im Original unscheinbar, wie Alfred Schäfer am Beispiel seiner Steine aus Australien und Äthiopien deutlich macht. So ist es bei Andamoka-Opalen erst das Kochen in Zuckerwasser, das Aussäuern und das anschließende Polieren, das die Steine zu dem macht, was sie am Ende sind.

Als Hobby fertigen sie aus den Mineralien und Fossilien Schmuck, BoloTies, Armbanduhren und vieles mehr. Alfred Schäfer führt übrigens die Gruppe für Scheuß weiter.

Mineralien, Fossilien und Edelsteine erzählen Geschichten – oder es gibt zu fast jedem Stück eine. So etwa bei Werner Augustin, an dessen Finger ein Ring prangt, der mit einem Tansanit geschmückt ist. Er kommt in Tansania vor und basiert auf Kupfer und Zinkmineralien. Tansanite, weiß Augustin, sind ebenso selten und wertvoll.

Allein schon aus diesem Grunde vergisst der Sammler nie die Geschichte zu einem seiner Exponate: Während eines Aufenthaltes lernten Augustin und seine Frau einen tansanischen Geschäftsmann kennen. Er schenkte der Frau des Nordbremers Tansanite. Doch nach Sitte des Landes übergab der Mann das Geschenk nicht direkt der Besucherin aus Europa, sondern vielmehr ihrem Gatten – und wünschte beiden viel Glück.

Der Freundeskreises der Mineralien- und Fossiliensammler trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat um 17 Uhr in der Schlosskate des Schönebecker Schlosses. Willkommen sind alle Interessierten an Edelsteinen, Mineralien und Fossilien. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.alfs-mineralien.de.tl/Home.htm, unter der E-Mail-Adresse sammlergr_hb_nord@gmx.de oder bei Alfred Schäfer unter 65 51 84.

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