Wie der Vegesacker Markt funktioniert / Heute: André Schönberg und seine mobile Fundgrube für besondere Haushaltswaren

Schon als Kind von Pötten und Pannen umgeben

Vegesack. Schönbergs Holz- und Bürstenparadies: Herbstmarktbesucher erkennen diesen Schriftzug schon von Weitem. Direkt daneben: Schönbergs Pötte und Pannen.
30.08.2013, 00:00
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Von IMKE MOLKEWEHRUM
Schon als Kind von Pötten und Pannen umgeben

André Schönberg braucht zwei Tage, um seine Waren für den Vegesacker Markt zu ordnen und auf Hochglanz zu bringen. Er hat das Geschäft vor 31 Jahren von seinem Onkel übernommen.FOTO: KOSAK

Christian Kosak

Vegesack. Schönbergs Holz- und Bürstenparadies: Herbstmarktbesucher erkennen diesen Schriftzug schon von Weitem. Direkt daneben: Schönbergs Pötte und Pannen. Wo sonst Autos herumkurven, ziehen ab heute (nach offizieller Markteröffnung um 16.45 Uhr) Bürsten, Bretter, Messer, Töpfe und Pfannen all jene Kunden an, die sich für außergewöhnliche Haushaltswaren begeistern. Auf einer Standlänge von 28 Metern präsentiert André Schönberg in der gesperrten Georg-Gleistein-Straße auch in diesem Jahr seine Produktpalette. Und viele Stammkunden warten schon auf ihn. „Einige Leute kommen sogar mit Einkaufszetteln zu mir“, freut sich Schönberg.

Was auf den ersten Blick ein wenig antiquiert anmutet, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Fundgrube für jeden Küchenfreund. Da gibt es Spezialbürsten aus Rosshaar mit Baumwollkopf für Weinkaraffen, Wasserkessel aus Emaille, die auch für Induktionsherde geeignet sind und scharfe Messer mit unterschiedlichsten Klingen. Die Spezialbürsten lässt André Schönberg in Westfalen anfertigen , die Emaillewaren werden in Rumänien produziert.

„Ich kaufe aber auch Restposten von deutschen Firmen, die leider aufgeben mussten“, sagt der gebürtige Bremerhavener, der inzwischen in Lemwerder wohnt. Zumindest an 90 Tagen lebt er dort. Von April bis Dezember ist er nämlich auf den traditionsreichen Märkten in Norddeutschland unterwegs. „Und hier bin ich der einzige, der noch Haushaltswaren verkauft“, sagt er und ordnet nebenbei die Ziegenhaarbürsten, die im Wagen unter der Decke hängen.

Mit zwei Sattelschleppern ist der 49-jährige Markthändler vor drei Tagen direkt vom Brokser Heiratsmarkt aus Bruchhausen-Vilsen nach Vegesack gekommen und musste erst mal tüchtig putzen. „In Bruchhausen-Vilsen war ganz feiner Sand, der wirkt wie Schmirgelpapier“, erklärt André Schönberg und streicht mit dem Finger demonstrativ über einen eingestaubten Topf. „Der Standort hier ist dagegen allererste Sahne“, fügt er mit einem Blick auf die asphaltierte Straße hinzu. Für den Aufbau, zum Nachfüllen und Putzen benötigt er stets zwei Tage.

Während der Fahrt von einem Markt zum nächsten werden die Töpfe in den Sattelaufliegern mit mobilen Wänden gesichert. „Die Edelstahltöpfe packen wir ein, die verkratzen sonst“, sagt Schönberg. Ob er auch auch gerne mal selbst kocht, ist die Frage. „Klar, ich koche sehr gern selbst – von Spaghetti bis Grünkohl“, versichert der Markthändler und strahlt.

Vor 31 Jahren hat er das Geschäft von seinem Onkel übernommen und dies nie bereut. „Ich mache das mit Liebe. Seit meinem sechsten Lebensjahr habe ich hier mitgemacht. Damals konnte ich gerade mal einen Topf schleppen.“ Mittlerweile hat André Schönberg die Firma vergrößert und drei feste Mitarbeiter. „Heutzutage muss man alles haben, vom Zahnstocher bis zum Riesenkochlöffel.“

Die Ware ordert er unter anderem auf einer Messe in Frankfurt. Angeliefert werden die Artikel dann auf Paletten bei ihm zu Hause. „Da habe ich eine 350 Quadratmeter große Halle.“ Beladen wird er seine Wagen auch in diesem Jahr zum letzten Mal für den Bremer Weihnachtsmarkt. Danach ist Winterpause.

Der Vegesacker Markt startet heute. Um 16 Uhr beginnt der Umzug, danach eröffnet der Innensenator den Marktbetrieb offiziell

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