Hitzeschäden auf Autobahnbrücke

Schon wieder Hitzeschäden auf der Autobahnbrücke

Der heiße Dienstag hat seine Spuren hinterlassen. Oder besser gesagt: Spurrinnen. Auf der Weserbrücke der A1 wurden mehr als 100 Grad gemessen, die Schäden sollen in der Nacht auf Sonnabend beseitigt werden.
27.06.2019, 19:46
Lesedauer: 3 Min
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Schon wieder Hitzeschäden auf der Autobahnbrücke
Von Frank Hethey

Schon wieder Hitzeschäden auf der Weserbrücke der A1: Erst vor knapp einem Jahr musste die Brücke in Fahrtrichtung Osnabrück zweimal teilweise gesperrt werden, nun wiederholt sich das Szenario.

Durch die hohen Temperaturen am Dienstag ist der Asphalt geschmolzen, bei mehr als 100 Grad auf der Straßenoberfläche haben schwere Fahrzeuge tiefe Spurrinnen hinterlassen. Bereits am Donnerstagnachmittag wurde eine Fahrspur gesperrt, in der Nacht von Freitag auf Sonnabend soll der Schaden behoben werden. Von 22 bis etwa 5 Uhr wird der Verkehr laut Martin Stellmann, Sprecher des Amts für Straßen und Verkehr (ASV), auf nur noch einer Spur an der Baustelle vorbeigeführt.

Am frühen Donnerstagmorgen hatten Mitarbeiter des ASV die hitzebedingten Schäden auf der Autobahnbrücke vermessen. Bei der Auswertung ergab sich sofortiger Handlungsbedarf. „Es geht allein um die Verkehrssicherheit“, betont Stellmann, die Tragfähigkeit der Brücke sei nicht eingeschränkt. Für Autos oder Lastwagen seien die Spurrinnen weitgehend unproblematisch. „Aber wir dürfen die Motorradfahrer nicht vergessen, die Brücke muss für alle Verkehrsteilnehmer sicher sein.“

Eine kurzfristig engagierte Straßenbaufirma wird die entstandenen Wülste wegfräsen, die übliche Vorgehensweise bei der Beseitigung von Spurrinnen. „Wenn das erfolgreich ist, war's das erst mal“, sagt Stellmann. Gleichwohl müsse man ehrlich sein, bei neuerlichen Rekordtemperaturen will Stellmann weitere Schäden nicht ausschließen. „Es gibt eine Wahrscheinlichkeit, dass wir noch mal ran müssen.“ Und dann sei mit einem größeren Umfang der Arbeiten zu rechnen. So wie im vergangenen Jahr, als die Asphaltdecke erneuert werden musste.

Skeptisch sieht der Bremer ADAC den Fall. „Theoretisch sollte es heutzutage nicht mehr passieren, dass irgendwas verbaut wird, was nach einem Jahr nicht mehr funktioniert“, sagt ADAC-Pressesprecher Nils Linge. Zwar gebe es Schäden, die sich nicht vermeiden ließen. Doch eigentlich müsse eine frisch sanierte Autobahn die Hitze aushalten. Treten dennoch Probleme auf, könne das auch an dem verbauten Material liegen. „Das ist eine Frage der Qualität, der Stand der Technik ist sicher so weit.“ Vernachlässigte Pflegearbeiten verschärfen laut Linge die Situation. „Viele Autobahnbrücken sind marode, weil über viele Jahre verpasst wurde, regelmäßig daran zu arbeiten.“

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Einen direkten Zusammenhang mit der Erderwärmung konstatiert die FDP. „Wir fordern, dass bei der Planung und Sanierung von Verkehrswegen der Klimawandel und steigende Temperaturen besser berücksichtigt werden“, sagt der Bürgerschaftsabgeordnete Magnus Buhlert. „Die Konsequenzen tragen jetzt die zahlreichen Pendler, die auf funktionierende Straßen angewiesen sind.“ Leichte Ungeduld ist auch bei der CDU herauszuhören. „Ich hoffe, dass sie irgendwann mal den Dreh hinkriegen“, sagt ihr verkehrspolitischer Sprecher Heiko Strohmann. Heiße Sommer seien auch in Zukunft öfter zu erwarten.

Den häufig erhobenen Einwand, in südlichen Ländern gebe es doch auch keine Hitzeschäden auf den Straßen, will Stellmann nicht gelten lassen. „Dort kann man auch anders bauen als in Deutschland, da gibt es keinen Winter, damit auch keinen Frost und kein Tauwetter.“ Eine besondere Problematik gebe es bei Brückenasphalt. Um zu verhindern, dass Tausalz in die tragende Brückenkonstruktion eindringt, müsse Gussasphalt verwendet werden. Ein ausreichend stabiler Baustoff ist laut Stellmann aber bis jetzt nicht gefunden worden. „Wir experimentieren noch mit mehreren Mixturen.“

Über die Autobahnbrücke rollen pro Tag 110 000 Kraftfahrzeuge, davon sind 20 Prozent Lastwagen. „Von der Verkehrsbelastung her ist nichts vergleichbar mit dieser Brücke“, sagt Stellmann. Unterdessen meldet Niedersachsen zwei Hitzeschäden auf Autobahnen, einer betrifft den Standstreifen der A 29 bei Sandkrug in Richtung Oldenburg.

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