2019 gibt es die ersten Abiturprüfungen

Schüler am Gymnasium Horn lernen Chinesisch

Die chinesische Sprache gilt vielen als kaum erlernbar. Am Gymnasium Horn steht das Fach aber nun auf dem Lehrplan - ab 2019 gibt es die ersten Abiturprüfungen. Ist Chinesisch die Sprache der Zukunft?
26.08.2017, 17:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Christine Leitner
Schüler am Gymnasium Horn lernen Chinesisch

Was steht da bloß? Die Chinesisch-Lehrer des Konfuzius-Instituts, Yan Hecker, Yuan Fei und Xuan Dong (von links).

Was früher als exotisches Fach galt, ist ein jetzt ein Trend: Chinesisch wird als Unterrichtsfach immer beliebter. 880 Millionen Menschen sprechen Chinesisch. In Deutschland lockt die Sprache vor allem durch die engen Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und China Lernwillige an. Ist Chinesisch also die Sprache der Zukunft?

„Das kann man fast so sagen“, bestätigt Christel Kelm, Schulleiterin des Gymnasiums Horn in Bremen. „Viele Schüler, darunter auch einige, die hier das Baccalauréat (das französische Abitur; Anm. d. Red.) machen, belegen Chinesisch als Unterrichtsfach“, so die Schulleiterin. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Schule wurde in Zusammenarbeit mit dem Konfuzius-Institut Bremen am Freitag das Konfuzius-Klassenzimmer eröffnet. Zudem wird die bereits seit drei Jahren bestehende Chinesisch-AG zu einem Abiturprüfungsfach ausgebaut. Der Schwerpunkt liegt im Bereich Wirtschaft und soll die Schüler auf berufliche Tätigkeiten im Bereich der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und China vorbereiten. 2019 werden Schüler des Gymnasiums erstmals eine Abiturprüfung im Fach Chinesisch ablegen können.

Chinesisch-Prüfungen nur mündlich

Nach Angaben der Bildungsbehörde ist dies eine Ausnahme. „Im Abitur kann jedes Fach schriftlich oder mündlich geprüft werden. Das Fach Chinesisch bildet eine Ausnahme, weil die Prüfung nur mündlich abgelegt werden kann“, erklärt die Sprecherin Annette Kemp. Chinesisch gilt vor allem durch die vielen Schriftzeichen, aber auch wegen seiner Aussprache als schwierige Sprache.

Tergite Zeqiri allerdings kann das nicht schrecken. Die 18-jährige Schülerin freut sich auf den Grundkurs und ist begeistert von dem bisherigen Unterricht. „Es ist kein Frontalunterricht. Der Unterricht ist vielfältig, wir sprechen sehr viel. Ich hätte nie gedacht, dass Chinesisch so cool ist“, erzählt sie begeistert. Neben der Sprache lernen die Schüler auch, chinesische Gerichte zu kochen. Einige konnten die Gäste am Freitag probieren.

Völkerverständigung steht im Mittelpunkt

Solch ein Interesse beruht aber offenbar auf Gegenseitigkeit. Denn auch in China sei das Interesse an der deutschen Sprache groß, sagt Maja Linnemann, Diplom-Wirtschaftssinologin und Geschäftsführerin des Konfuzius-Instituts Bremen. „Seit 2007 gibt es dort das Pasch-Projekt der Bundesregierung zur Förderung der deutschen Sprache“, erklärt sie. In Deutschland gibt es bisher vier Konfuzius-Klassenzimmer. Das Gymnasium Horn hat nun das fünfte eröffnet. Im Mittelpunkt steht neben der Vermittlung der chinesischen Sprache und Kultur auch die chinesisch-deutsche Völkerverständigung.

„Ein großer Glücksfall für alle China-Interessierten“, findet Liu Lixin, Gesandter der chinesischen Botschaft. Dass das Konfuzius-Klassenzimmer gerade zum 50-jährigen Bestehen des Gymnasiums eröffnet wird, zeige die enge Verbundenheit zwischen China und Bremen, sagt Liu bei der Eröffnung und lobt den florierenden Austausch auf wirtschaftlicher, kultureller, gesellschaftlicher und bildungspolitischer Ebene.

100 chinesische Firmen in Bremen

Der Kontakt zustande bekommen war 2013, als das Konfuzius-Institut eine Anfrage an alle Bremer Schulen stellte. „Meine Tochter war zu der Zeit in China, wo ich sie besucht habe. Mich hat das sehr interessiert, deshalb haben wir die Anfrage auch angenommen“, erinnert sich Hartmund Riggers vom Gymnasium Horn. Zusammen mit den Schülern habe er dann in der AG die Sprache gelernt und die Leitung des Projekts übernommen. „So ist das quasi mein Kind, und ich bin froh, dass es jetzt geboren wird“, sagt Riggers stolz.

Ab 2018 können die Schüler in den Osterferien an einer zweiwöchigen Bildungsreise teilnehmen. Bis vor einem Jahr gab es das sogenannte Sommercamp noch bundesweit. Jetzt nehmen nur noch Schüler aus Bremen, Oldenburg und Bremerhaven daran teil. Auf der Reise gibt es ein Kulturprogramm in Peking. Ziel sei es jedoch auch, den Schülern die chinesische Sprache näher zu bringen. Dafür besuchen die Schüler unter anderem den Schulunterricht. Im Anschluss werden sie Zeit in Gastfamilien verbringen.

Allein in Bremen gibt es 100 chinesische Firmen. Da der Chinesisch-Kurs auf den Bereich Wirtschaft ausgerichtet ist, werden die Schüler ein Praktikum in einem chinesischen Unternehmen absolvieren. Jedem Schüler soll eine „Partnerfirma“ zugeordnet werden. „Die Schüler können ihr Praktikum natürlich in jedem Land absolvieren. Viele waren beispielsweise schon in Südamerika. Durch die Partnerfirmen besteht aber auch die Chance, sein Praktikum in China zu machen“, erklärt er. Aber sind die Schüler nach zwei Jahren Chinesisch schon so weit, in einem Unternehmen in China ein Praktikum zu absolvieren? Es gibt noch einen Weg, sagt Riggers: „Mit Englisch kommt man immer weiter.“

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