Oberschule Koblenzer Straße startet am Montag ihre interkulturelle Woche auf dem Marktplatz Schüler arbeiten an besserem Miteinander

Tenever. Wenn Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen zusammenleben, herrscht nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Diese Erfahrung mussten auch die Schüler der Oberschule Koblenzer Straße (OSK) machen. Daher beginnt für sie am Montag eine interkulturelle Woche, bei der sie sich in Workshops mit den unterschiedlichen Lebenswelten und Gebräuchen der Völker auseinandersetzen. Eine zentrale Rolle spielt das Kunstprojekt "Engel der Kulturen" von Carmen Dietrich und Gregor Merten aus Burscheid.
03.06.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von MELANIE ÖHLENBACH

Tenever. Wenn Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen zusammenleben, herrscht nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Diese Erfahrung mussten auch die Schüler der Oberschule Koblenzer Straße (OSK) machen. Daher beginnt für sie am Montag eine interkulturelle Woche, bei der sie sich in Workshops mit den unterschiedlichen Lebenswelten und Gebräuchen der Völker auseinandersetzen. Eine zentrale Rolle spielt das Kunstprojekt "Engel der Kulturen" von Carmen Dietrich und Gregor Merten aus Burscheid.

Hos geldiniz, bienvenue, welcome - was "Willkommen" in anderen Sprachen heißt, wissen Michael, Necla, Veronika und Melisa schon ganz genau. Seit April bereiten die vier Jugendlichen gemeinsam mit ihren Mitschülern den Start der interkulturellen Woche in ihrer Schule vor.

Am Montag werden sie in einer zweistündigen Kunstaktion den Engel der Kulturen auf den Marktplatz rollen - einen großen Stahlring, in den die Symbole von Judentum, Christentum und Islam eingelassen sind. Sie alle berufen sich auf Abraham als religiösen Stammvater.

"Im Kreis sind alle drei Religionen gleichwertig, niemand dominiert den anderen. Gleichzeitig agieren sie in die Welt hinein und prägen den Kulturraum", erklärt Gregor Merten, der vor drei Jahren mit seiner Kollegin das Kunstwerk entwickelt hat. Sie wollten der Einigkeit, die sie auf diversen Veranstaltungen zwischen den Religionen und Kulturen erlebt haben, einen symbolischen Charakter geben.

Dass dabei eine abstrakte Engelsfigur herausgekommen ist, sei Zufall gewesen, betonen die Künstler. "Wir waren total erschrocken, als wir entdeckten, dass die Symbole in dieser Kombination einen Engel ergeben", sagt Carmen Dietrich, "das wollten wir erst gar nicht."

Doch dann haben sich die beiden Künstler mit der Figur angefreundet. Schließlich kennen auch alle drei Religionen diese Boten, die als Mittler oder auch als Friedensengel auftreten. "Drolliger geht es nicht mehr", findet Merten.

Nicht ganz so amüsant ist allerdings die Geschichte, wie die Schüler der OSK auf das Projekt gestoßen sind, das inzwischen in über 25 Städten in Deutschland zu Gast war: Im Islamkundeunterricht habe eine Schülern "die Christen diskriminiert", erzählt Melisa (13). "Und das fanden wir alle blöd."

Daher hätten sich die Schüler mehr mit den drei abrahamschen Weltvorstellungen beschäftigt. Das Ergebnis fasst Michael zusammen: "Es lohnt sich nicht zu streiten, weil es so viele Gemeinsamkeiten gibt", sagt der Elfjährige aus Tenever.

Für die interkulturelle Woche haben die Schüler den Kreis der Kulturen erweitert. In Projekten wollen sie unter anderem Umfragen im Stadtteil machen, ein Religionsquiz und eine Weltkarte erstellen, auf der sie die Herkunft und Religion der Schüler festhalten. Ferner ist ein Besuch in der Botanika geplant, bei dem sich die Schüler intensiver mit dem Buddhismus auseinandersetzen und Gebetsmühlen bauen wollen.

Begleitet werden diese Aktionen von Studenten des Instituts für Religionswissenschaft/-pädagogik der Universität Bremen. Finanziell unterstützt wird die interkulturelle Woche vom Theaterschiff Bremen mit 400 Euro.Außerdem sollen mit den Künstlern Carmen Dietrich und Gregor Merten zwei Stelen aus Stahl gestaltet werden, in denen die Jugendlichen ihre Assoziationen zum Engel der Kulturen im wahrsten Sinne des Wortes einbrennen können. Sie sollen gemeinsam mit einer Intarsie des Engels am Freitag auf dem neuen Schulhof mit einem kleinen Fest eingeweiht werden.

Bei der Auftaktveranstaltung am Montag wollen die Schüler die Vielfalt der Kulturen auf dem Marktplatz in einer Performance nachstellen. Diese haben sie gemeinsam mit Svea M. Auerbach von der Shakespeare Company erarbeitet: Als Vogelschwarm werden sie über die Erde fliegen und verschiedene Völker und ihre Kultur besuchen.

Außerdem soll ein Sandbild des Engels auf dem Marktplatz geformt werden. Begleitet wird die Aktion, die um 10 Uhr beginnt, von Musikgruppen und Vertretern der Religionsgemeinschaften.

Mehr Informationen zu dem Projekt Engel der Kulturen stehen im Internet auf der Seite www.engel-der-kulturen.de.

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