Oberschule Ronzelenstraße

Schüler mit großem Hunger

Ein Zelt ergänzt die viel zu kleine Mensa an der Oberschule Ronzelenstraße. Doch die Zwischenlösung soll keine Dauerlösung sein.
05.01.2019, 19:04
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter
Schüler mit großem Hunger

In den Mittagspausen herrscht Hochbetrieb in der viel zu kleinen Mensa der Oberschule an der Ronzelenstraße.

PETRA STUBBE

Ein Drittel der Ronzelen-Schüler, die regelmäßig mittags in der Mensa essen, wäre nach den Sommerferien um Haaresbreite leer ausgegangen. Die Mensa war zum Ende des vergangenen Schuljahres hoffnungslos überfüllt, gegessen wurde, wie berichtet, im Fünf-Schicht-System. Ein Zustand, den Eltern und Schulverein nicht länger dulden wollten. Sie hatten angekündigt, die Anzahl der Mittagessen von rund 600 auf 400 herunterzufahren, solange keine Interimslösung bis zum Mensa-Neubau präsentiert werde.

Eine vom Ressort zunächst geplante Container-Mensa wäre nicht vor März 2019 realisierbar gewesen. Deshalb sah es zunächst so aus, als sei die Reduktion nach den Sommerferien unumgänglich. Eine Zwischenlösung ergab sich dann unerwartet kurz nach den Sommerferien: eine Zeltmensa auf dem Parkplatz vor der Schule. „Dort werden jetzt alle neunten und zehnten Klassen und die Schüler der Oberstufe von einem externen Caterer versorgt“, berichtet Christiane Henkel, beim Schulverein zuständig für die Mensaverwaltung. „Das läuft sehr gut.“ Das Zelt sei witterungsbeständig und der Caterer sehr kooperativ. Der Schulverein frage sich allerdings, wie es um die Perspektive für den Mensa-Neubau bestellt sei. „Dazu haben wir bislang keine Informationen bekommen. Wir fragen uns, wie es weiter geht“, sagt Henkel.

Kritik der Eltern

Auch aus den Reihen der Eltern wird zunehmend Kritik laut. „Zunächst einmal sind wir zufrieden, dass es mit der Zwischenlösung doch noch relativ schnell geklappt hat“, erklärt Elternsprecher Andreas Stelter. „Statt eines Zeltes hätten wir zwar lieber eine Containerlösung gehabt, aber auch das Zelt hilft auf jeden Fall erst einmal, die bislang chaotischen Zustände zu mildern.“ Der Caterer gebe sich viel Mühe, auf die Wünsche der Schüler und Schülerinnen einzugehen. Bezüglich der Planungen zur neuen Mensa und der damit einhergehenden Schulerweiterung seien die Eltern allerdings überhaupt nicht zufrieden. „Seit die Phase Null abgeschlossen wurde, regt sich seitens der zuständigen Behörde überhaupt nichts“, kritisiert Stelter. „Es gibt keine Zwischenstandsmeldungen, keine Zeitschiene oder irgendwelche Anhaltspunkte, wie und vor allem wann es weitergehen soll.“

Dabei sehe die aktuelle Schulstandortplanung der Behörde vor, dass die vierzügige Schule bis zum Jahr 2025 sechszügig werden zu lassen. „Vor diesem Hintergrund wäre eigentlich Eile geboten“, betont der Elternsprecher. Deshalb sei ein Brief an die zuständigen Behördenvertreter und die Senatorin rausgegangen, „damit wir Antworten auf unsere Fragen bekommen“. Denn eines sei klar: das Zelt könne nur eine Zwischenlösung sein. „Der mit der Phase Null eingeleitete Prozess muss zügig weitergehen“, betont Stelter. „Und da lassen wir Eltern uns nicht mit warmen Worten vertrösten, sondern werden im Falle eines Falles weitere Protestaktionen in die Wege leiten.“ Bereits im vergangenen Juni hatten die Schüler der Oberschule Ronzelenstraße mit einer Protestaktion auf dem Pausenhof auf die schleppende Umsetzung der zugesagten Interims-Mensa aufmerksam gemacht.

Gigantisches Vorhaben

Bildungsressortsprecherin Annette Kemp bestätigt auf Nachfrage, dass an der Ronzelenstraße ein Ausbau zu einer sechszügigen Oberschule vorgesehen sei. „Aber nicht sofort“, betont sie. Im Zuge des Kapazitätsausbaus, des Ganztages und der W+E-Beschulung müssten insgesamt 96 der 125 Schulstandorte in Bremen ausgebaut werden, einige davon komplett neu. „Neun Schulen werden neu geschaffen“, sagt Kemp. Das sei „ein gigantisches Vorhaben“. Das alles könne freilich nicht auf einmal geschehen, deshalb seien Interimslösungen vorgesehen. „Was die Schulstandorte betrifft, werden jetzt zunächst Maßnahmen nach Dringlichkeit in eine Reihenfolge gebracht und in verschiedene Abschnitte sortiert. So entstehen Maßnahmenbündel.“ Gleichzeitig werde an weiteren Interimsmaßnahmen gearbeitet. Für das kommende Schuljahr sei die Oberschule an der Ronzelenstraße weiterhin vierzügig geplant.

Auch im Bildungsausschuss des Beirats Horn-Lehe ist die sportbetonte Oberschule ein regelmäßiges Thema. Neben einer neuen Mensa benötige man dort auch mehr Hallenkapazitäten für den Leistungssport, „weil wir nicht wissen, wie lange die Unisporthallen noch zur Verfügung stehen“, erklärt Ausschuss-Sprecherin Catharina Hanke (SPD). Besonders wichtig sei zudem ein Sportinternat, in dem die auswärtigen Schüler vom Kadersport aus ganz Deutschland leben können. Im Ausschuss hoffe man, auf der nächsten Sitzung Anfang Februar erste Prüfungsergebnisse einer entsprechenden Machbarkeitsstudie vorliegen zu haben. „Der Ausbau der Oberschule Ronzelenstraße sollte jetzt oberste Priorität im Nordosten haben“, betont Hanke.

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