Handwerker nutzen Sommerferien

Schulsanierungen in Bremen bis zum letzten Ferientag

Die Sommerferien hat Immobilien Bremen dazu genutzt, um an mehreren Schulen Bau- und Sanierungsarbeiten abzuschließen. Vor allem solche, die den laufenden Betrieb der Bildungseinrichtungen sonst stören würden.
23.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Karina Skwirblies
Schulsanierungen in Bremen bis zum letzten Ferientag

Noch sind die Handwerker im Hermann-Böse-Gymnasiums, ab Donnerstag kann hier dann wieder unterrichtet werden.

Frank Thomas Koch

In einem Kunstraum des Hermann-Böse-Gymnasiums ist Wasser aus einem Hahn ausgelaufen. Im Juni plätscherte es dort ein Wochenende lang vor sich hin. Erst am Montag darauf entdeckte der Hausmeister der Schule den Schaden. Bei einer Ortsbegehung sagt Peter Schulz von Immobilien Bremen nun: „Das Wasser ist bis ins Erdgeschoss durchgelaufen.“

Immobilien Bremen betreut und verwaltet die öffentlichen Gebäude in Bremen. Die Sommerferien hat das Unternehmen dazu genutzt, um an mehreren Schulen Bau- und Sanierungsarbeiten abzuschließen. Vor allem solche, die den laufenden Betrieb der Bildungseinrichtungen sonst stören würden, beispielsweise weil der Strom für die Arbeiten abgeschaltet werden muss, die Gebäude von Grund auf gereinigt oder Schadstoffproben entnommen werden müssen. Auch lärm- und schmutzintensive Arbeiten fallen häufig auf die Ferienzeit. Wie das Finanzressort nun mitteilte, gehören in diesem Jahr die Blumenthaler Oberschule, die Oberschule an der Koblenzer Straße, die Gesamtschule Bremen-Ost und die Schule Am Mönchshof zu den Einrichtungen, in denen in den vergangenen sechs Wochen gewerkelt wurde. Und eben das Hermann-Böse-Gymnasium.

Keine Versicherung gegen Wasserschäden

Zurück zur Baustelle. Einen Wasserrohrbruch kann Peter Schulz hier ausschließen. Unklar sei, ob jemand den Wasserhahn böswillig aufgedreht habe, oder ob es eine andere Ursache gebe. „Die Polizei war da und wir haben Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.“ Die Kosten für die Sanierung des Wasserschadens liegen bislang bei 100.000 Euro. Die Malerarbeiten sind da noch nicht miteingerechnet. Da die Bremer Schulen nur gegen Brand-, aber nicht gegen Wasserschäden versichert sind, bleibt die Stadt auf den Kosten sitzen. Eine Versicherung gegen Wasserschäden sei unverhältnismäßig teuer, sagt Schulz.

Noch sind die Handwerker im Hermann-Böse-­Gymnasium aktiv. Decken werden abgehängt, Böden verlegt, Kabel gezogen. Durch den Wasserschaden muss die ganze Elektrik erneuert werden. Außerdem entstehen neue Klassenräume. Insgesamt investiert Bremen hier 388 000 Euro. Alles werde zeitgerecht zum Schulanfang am Donnerstag fertig sein, sagt Projektleiter Jürgen Figna von Immobilien Bremen. Lediglich einige Malerarbeiten stünden dann noch an.

Das hat sich in den Ferien an den Schulen getan am Beispiel des Hermann-Böse-Gymnasiums

Bremen investiert 388.000 Euro in das Hermann-Böse-­Gymnasium.

Foto: Frank Thomas Koch

In Bremen steigt die Zahl der Schüler kontinuierlich und die Schulen platzen aus allen Nähten. Im vergangenen Schuljahr waren zahlreiche Klassen in der Stadt in 36 Container-Mobilbauten untergebracht, teilt die Bildungsbehörde mit. Und es werden noch mehr Container benötigt, weil Schulen zu klein geworden sind. „Für die schulische Nutzung sind derzeit 17 weitere Mobilbauten vorgesehen“, sagt Stephanie Dehne, Persönliche Referentin von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD).

Der Schulbau kann mit den wachsenden Schülerzahlen kaum Schritt halten. Die Behörde geht im Grundschulbereich von einem Anstieg der Zahlen um 18,8 Prozent bis 2025 (seit 2018) aus, im Bereich der Oberschulen und Gymnasien werden 18,5 Prozent mehr Schüler erwartet. Während es in einigen Stadtteilen noch moderat zugeht, soll die Steigerung im Bremer Westen in diesen sieben Jahren in etwa 30 Prozent betragen.

Neun neue Schulen sollen gebaut werden

Dieser Entwicklung setzt die Bildungssenatorin ihr Schulstandort-Programm „Bremen baut Bildung“ entgegen. Neun neue Schulen entstehen, andere werden ausgebaut oder für den Ganztagsbetrieb und die inklusive Beschulung angepasst. Insgesamt will die Bildungsbehörde bis 2025 dafür 545 Millionen Euro in die Hand nehmen. Wie viel davon allein in diesem Jahr investiert wird, lässt sich laut Dehne derzeit noch nicht beziffern.

Etwa konkreter ist die Auskunft von Peter Schulz. Gegenwärtig werde an 80 Schulen gebaut, sagt er. Für die Bau- und Sanierungsmaßnahmen stünden 172,8 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Summe bezieht sich ebenfalls nicht auf 2020, sondern auf die Maßnahmen, die sich über mehrere Jahre erstrecken können.

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An der neuen Oberschule Ohlenhof gehen die Bauarbeiten plangemäß voran. Der Rohbau ist fast fertig, Fenster stehen bereit zum Einbau und Teile der großen Lüftungsanlage sind auch schon installiert. Ende kommenden Jahres soll das dreigeschossige Gebäude in Gröpelingen fertig sein und gut 540 Schülern Platz bieten, die bislang in Mobilbauten unterrichtet werden. Das Gebäude in Passivbauweise arbeitet mit Wärmerückgewinnung, das Oberflächenwasser wird nicht in den Kanal eingespeist, sondern über eine naturnahe Versickerungsfläche hinter dem Gebäude direkt ins Grundwasser geleitet. „Dort soll eine Kinderwildnis entstehen“, sagt Edgar Melzer, ebenfalls von Immobilien Bremen, bei einem Rundgang über die Baustelle. Die Baukosten für solche Passivhäuser seien zunächst zwar höher, aber auf lange Sicht spare man an den Energiekosten.

Mehrkosten beim Bau der Oberschule Ohlenhof

28,5 Millionen Euro waren zu Baubeginn für die Oberschule Ohlenhof eingeplant. Einer der größten Posten im Programm. Die Behörde musste in Lauf der Bauarbeiten nachlegen. „Es wurden 1.240.000 Euro nachbewilligt“, sagt Melzer. Sechs Prozent der Mehrkosten resultierten allein durch die übliche Baupreissteigerung, eine weitere halbe Million habe die Entfernung von Altlasten gekostet, die auf dem Gelände gefunden wurden.

Insgesamt soll die Oberschule Ohlenhof am Ende ein heller, freundlicher Bau werden. Bei dem Rundgang weist Melzer auf die beiden Innenhöfe hin, die Licht ins Innere leiten. Die neue, große Turnhalle ist ebenfalls eine Besonderheit: „Sie erfüllt die Maße der Wettkampfrichtlinien und kann auch von Sportvereinen genutzt werden“, sagt Melzer. Dafür habe Bremen 1,75 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung erhalten.

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Zur Sache

Das Programm „Bremen baut Bildung“

In sieben Jahren, von 2018 bis 2025, investiert die Bildungsbehörde 545 Millionen Euro in die Sanierung und den Neubau von Bremer Schulen. Dies geht aus dem Schulstandortprogramm „Bremen baut Bildung“ hervor, das die Bildungssenatorin im November 2018 vorgelegt hat. 268 Millionen Euro sind für die Platzerweiterung vorgesehen, 71 Millionen Euro werden in Sporthallen investiert, 151 Millionen Euro kommen dem Ausbau von Ganztagsschulen zu Gute und 55 Millionen Euro gibt Bremen für Baumaßnahmen für den inklusiven Unterricht aus. 96 von insgesamt 125 Schulstandorten in Bremen werden ausgebaut. Damit sind in fünf Jahren 401 neue Klassenverbände möglich, neun Schulen sollen neu gegründet werden.

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