Grundschule an der Stader Straße

Schullandheim trotzt der Ungewissheit

Die Pandemie macht auch den Schullandheimen zu schaffen. Durch die Einschränkungen fallen ihenen Einnahmen weg. Der Förderverein des Schullandheims, das zur Grundschule Stader Straße gehört, gibt nicht auf.
26.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Holthaus
Schullandheim trotzt der Ungewissheit

Das Schullandheim am Weißen Berg in Cluvenhagen gehört zur Grundschule an der Stader Straße.

Bund der Eltern und Freunde des Schullandheims am Weißen Berge e.V

Auch die Schullandheime sehen sich durch die Pandemie vor große Herausforderungen gestellt: „Durch die Corona-Einschränkungen sind sämtliche Einnahmen, insbesondere von Schulübernachtungen und anderen Gruppen, von jetzt auf gleich weggefallen“, sagt Andreas Bull, der im Vorstand des Vereins Bund der Eltern und Freunde des Schullandheims am Weißen Berge tätig ist. Der Förderverein engagiert sich für das Schullandheim Cluvenhagen, das zur Grundschule an der Stader Straße gehört.

Im Jahr 2019 konnte das zwischen Achim und Langwedel gelegene Schullandheim 6500 Übernachtungen verbuchen, im Jahr 2020 waren es bisher 100. „Der Verein war damit konfrontiert, wie man mit der Situation umgeht“, sagt Bull. Und so sind die insgesamt sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Minijobbern bis Vollzeittätigen seit März in Kurzarbeit oder bauen Überstunden ab. Zudem habe die Schulbehörde die Stornokosten von Klassenfahrten, die ab- und untersagt wurden übernommen: „Das ist unser Glück, damit kommen wir bis Jahresende über die Runden.“

Zu Beginn der Krise habe sich die Situation nicht gerade einfach gestaltet, berichtet Bull, Schullandheimvereine seien durch alle Raster gefallen, für das erste Förderprogramm kamen sie nicht in Frage. Nicht in Frage komme auch eine teilweise Belegung des Hauses mit seinen 60 Betten: „Wir könnten das Landheim zu einem Drittel belegen, doch dann könnte man solch ein Haus nicht wirtschaftlich betreiben“, sagt er. Derzeit versuche der Verein daher, über andere Kanäle an Geld zu gelangen: „Beim Bundesministerium für Familie gibt es Sonderprogramme für Schullandheime, dort versuchen wir, Mittel zu erhalten, um Lücken zu schließen.“ Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat Ende August ein Programm mit einem Volumen von 100 Millionen Euro gestartet, um „gemeinnützige Einrichtungen der Kinder- und Jugendbildung und der Kinder- und Jugendarbeit, die aufgrund von Einnahmeausfällen durch die Corona-Pandemie wirtschaftlich bedroht sind“, zu unterstützen, heißt es seitens des Ministeriums.

Hoffen auf Bremen-Fonds

Neben diesen Mitteln gebe es von den Eltern der Kinder der Grundschule an der Stader Straße eine hohe Spendenbereitschaft; mehr als 5000 Euro seien da zusammengekommen. Große Dankbarkeit herrsche da natürlich vor, sagt Bull, „doch wir würden uns über weitere Spenden freuen, denn die Situation ist angespannt.“ Die Hoffnung liege auch auf dem Bremen-Fonds, um sich bis auf Weiteres halten zu können: „Denn am Ende weiß niemand, wann es wieder losgehen kann. Am Ende des Tages braucht das Heim auch Belegung, alleine durch Förderung und Spenden wird es nicht zu halten sein.“

Da in Vereinen keine Profite erwirtschaftet werden, gebe es auch keine Rücklagen, erklärt Bull eine weitere Schwierigkeit: „Es müssen ja auch Reparaturen vorgenommen werden, zum Beispiel die Heizung. Corona ist dabei aber nicht gerade förderlich.“

Nahezu 100 Jahre existiert das Schullandheim bereits und der Verein hoffe, noch deutlich länger da zu sein. Eine starke Verbindung gebe es zur Grundschule Stader Straße, sagt er: „Viele Menschen haben einen Bezug dazu und haben ein Interesse daran, dass das Heim weiter besteht.“

Das Schullandheim in Cluvenhagen ist aber nur eines von insgesamt zehn Bremer Schullandheimen. Sie alle sehen sich in ihrer Existenz bedroht. „Der Einnahmeausfall durch abgesagte Klassenfahrten und die Stornierungen anderer Gruppen können von uns nicht aufgefangen werden und drohen die Gesamtheit unserer Häuser in die Insolvenz zu treiben“, heißt es in einer Erklärung des Vereins Arbeitsgemeinschaft Bremer Schullandheime: „Entgegen weit verbreiteter Ansichten sind wir keine Staatsbetriebe des Landes Bremen, sondern eigenständige, gemeinnützige Vereine.“ Zwar könnten pro Saison zwei bis drei ausgefallene Klassenfahrten durch einen eigenen Ausfallfonds kompensiert werden, doch „für die nun bestehende Lage reichen unsere Eigenmittel bei Weitem nicht.“

Brief an die Bildungsbehörde

Holger Schröder ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Bremer Schullandheime und sagt, sein Verein habe die Brisanz bereits vor dem Lockdown Mitte März erkannt. „Bereits am 12. März haben wir in einem Brief an die Bildungsbehörde gesagt, dass wir Unterstützung benötigen.“ Die zehn Heime seien quasi geschlossen gewesen, erst am 25. Mai konnten die Häuser wieder kleine Gruppen wie Pfadfinder oder Sportvereine aufnehmen. Auf mehr als 85 Prozent beziffert Holger Schröder die Verluste, die insgesamt 56 Mitarbeitenden der Heime seien in Kurzarbeit geschickt worden. Pro Jahr erhalte die Arbeitsgemeinschaft 95 000 Euro Fördermittel von der Bildungsbehörde, erzählt Schröder, „und dieses Geld ist auch unbedingt nötig. Um die 10 000 Euro pro Heim, da kann man keine Bäume ausreißen, doch die Gelder sind nötig, um Maßnahmen wie etwa Brandschutz umzusetzen.“

Auch Schröder sieht die Hilfe der Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) als großes Glück an: „Dadurch, dass die Bildungsbehörde die Stornokosten übernommen hat, gibt es noch keine Pleite. Das hat uns bis heute gerettet“, sagt er, „eine großzügige Geste, weil die Behörde eigentlich nicht zuständig war. Wir danken ihr, dass sie uns nicht hat hängen lassen.“ Nun halte der Verein den Kontakt zur Senatorin, um weitere Hilfen zu erhalten: „Denn das Problem wird das kommende Jahr sein. Die diesjährige Fahrtensaison ist zu Ende, das Kerngeschäft ist zwischen den Oster- und Herbstferien.“ Das sei die größte Sorge: das auch die Saison 2021 entfallen werde. „Die Entwicklung ist nicht absehbar, keiner weiß, was nächstes Jahr ist.“ Zwar habe die Arbeitsgemeinschaft eine Zusage von der Bildungsbehörde, dass sie eine niedrige sechsstellige Summe für weitere Maßnahmen sowie für ein kleines Polster erhalten werde, „doch wir wollen wieder Geld verdienen und nicht als Bittsteller auftreten.“ Beklemmend sei die Situation, meint er: „Wir werden den Winter überleben, doch zu alten Belegungszahlen werden wir erst 2022 zurückkehren können.“

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