Dreimaster liegt in Bremerhaven an der Seebäderkaje und kommt bislang noch nicht zur Werft

Schulschiff muss weiter warten

Das „Schulschiff Deutschland“ liegt immer noch an der Seebäderkaje in Bremerhaven. Etwa zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel ist die Reise zur Werft vorerst zu Ende. Kurzfristig musste die zweite Etappe der Verholung am Freitagmorgen abgeblasen werden. Die Schlepper waren schon vor Ort und einige Leinen gelöst, als der Wind stärker wurde. Inzwischen ist ein Großteil der ehrenamtlichen Mannschaft von Bord gegangen. Auf der Fahrt nach Bremerhaven hat Die NORDDEUTSCHE das Schulschiff am Donnerstag begleitet.
25.10.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Imke Molkewehrum
Schulschiff muss weiter warten

Weil das „Schulschiff Deutschland“ nicht mehr alleine fahren kann, müssen zwei Schlepper es nach Bremerhaven ziehen.

Volker Kölling coast communication

Das „Schulschiff Deutschland“ liegt immer noch an der Seebäderkaje in Bremerhaven. Etwa zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel ist die Reise zur Werft vorerst zu Ende. Kurzfristig musste die zweite Etappe der Verholung am Freitagmorgen abgeblasen werden. Die Schlepper waren schon vor Ort und einige Leinen gelöst, als der Wind stärker wurde. Inzwischen ist ein Großteil der ehrenamtlichen Mannschaft von Bord gegangen. Auf der Fahrt nach Bremerhaven hat Die NORDDEUTSCHE das Schulschiff am Donnerstag begleitet.

Der Liegeplatz an der Lesummündung in Vegesack ist seit Donnerstag verwaist. Mancher wird sich inzwischen die Augen gerieben haben: Wo ist denn das „Schulschiff Deutschland“ hin? Die Antwort: Es liegt immer noch an der Seebäderkaje in Bremerhaven.

Nur 500 Meter sind es von hier bis zur Schleuse an der Einfahrt in den Fischereihafen. Und von dort etwa 1500 Meter bis zu den im Süden liegenden Docks. Aber das Wetter hat dem Team erneut einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Die Windstärken liegen bei fünf, in Böen bei sieben“, sagte Schiffsingenieur Ingo Müller-Fellmett am Freitagmittag nach einer Besprechung. „Die Schlepper waren da, wir hatten schon fast losgemacht, da wurde es böig.“ Das sei höhere Gewalt, man müsse jetzt bis Montag warten, bedauert Müller-Fellmett.

Ein Großteil der freiwilligen Mannschaft werde von Bord gehen. Ihm selbst bleibe nichts anderes übrig, als das Schulschiff zu sichern und zu bewachen. Der nächste Verhol-Versuch ist für Montag geplant und wird mit Mitarbeitern der Werft BVT und der Vertäugesellschaft Festma in Angriff genommen.

Dabei ist bis dato alles so gut gelaufen. Einige Impressionen von der vierstündigen Reise des Schiffs am Donnerstag nach Bremerhaven: Bei guten Wetterbedingungen wuchtet die freiwillige 17-köpfige Crew unter dem Kommando von Schiffsingenieur Ingo Müller-Fellmett die Versorgungsleitungen für Strom, Wasser und Abwasser an Land. An Deck brummt schon der mithilfe eines Krans herauf gehievte Generator, der die landseitige Stromversorgung ersetzt. Wasser für die Toiletten steht in Eimern und Kanistern parat.

Schaulustige beobachten die Aktivitäten an Bord, filmen und fotografieren. Auch drei professionelle Ableger stehen an der Pier. Sie warten auf ihren Einsatz. Das Ablege-Manöver bereitet dem Schulschiff-Team Kopfzerbrechen. Zu Recht, wie sich später zeigt.

Ein Frachter aus Split zieht auf der Weser vorbei und grüßt mit Signaltönen aus dem Typhon. „Eigentlich grüßen die keine fest liegenden Schiffe, aber vielleicht weiß der über die Lotsen, dass wir heute verholen“, vermutet Claus Jäger, Vorsitzender des Schulschiff-Vereins.

Kaum ist der Frachter vorbeigezogen, gehen die Schlepper Grohn und Blumenthal vor und hinter dem Schulschiff in Position. „Alle Mann nach vorne“, ruft Müller-Fellmett gegen 13.15 Uhr, und seine Mannschaft setzt sich in Bewegung. Die Vorleine wird losgemacht. „Die letzte Leine los“, ruft der Schiffsingenieur und dann: „Auf Wiedersehen“. Die Mannschaft grüßt von Bord mit einer fröhlichen „Ola“.

Grohn läuft auf Grund

Aber der hintere Schlepper „Grohn“ ist gerade mit dem Heck auf Grund gelaufen. „Wird Zeit, dass hier ausgebaggert wird“, stöhnt Müller-Fellmett und verkündet: „Ich marschier mal nach achtern.“ Das Schulschiff bewegt sich einige Zentimeter. Aber der hintere Schlepper kann es nicht stabilisieren. Der Brassbaum verhakt sich hinter dem Steuerbord-Dalben. Es kracht, und ein Ruck geht durchs Schiff. „Da ist nix passiert“, beruhigt Crew-Mitglied Georg Blödorn. Der 72-Jährige ist 40 Jahre zur See gefahren und hat 1957 auf dem Schulschiff gelernt. Im Schulschiff-Verein arbeitet er inzwischen ehrenamtlich als Gästeführer.

Im Laufschritt kommt Müller-Fellmett von achtern zurück: „Zum Glück ist nur ein bisschen Farbe ab“, verkündet er, schimpft über das missglückte Manöver. Der Schlepper Grohn ist inzwischen wieder frei und fungiert auf der Fahrt über die Weser als Ruderblatt. Mit fünf bis acht Knoten – je nach Strömungsgeschwindigkeit – reist das Schulschiff nun ohne weitere Vorkommnisse über die Weser gen Bremerhaven. Die Fahrt ist so ruhig, dass unter Deck nicht einmal das Wasser aus den randvoll gefüllten Eimern schwappt. Reiner Schumacher, heute Kapitän an Bord, und Weserlotse Roland Wegner bleiben trotzdem wachsam.

Warten auf gutes Wetter

In der Messe hat Marita Fehring inzwischen für 25 Personen den Tisch gedeckt. Nach und nach trudeln die Crewmitglieder ein und schnacken über das Ablegemanöver. Auf den Tischen stehen Terrinen mit dampfendem Chili con Carne. Marita Fehring geht nicht an Deck, sie zieht es vor, in der Kombüse zu bleiben. „Ich bin nicht so seefest.“

Rainer Schütz, früher Techniker bei Atlas Elektronik, hält sich dagegen sehr gerne an Deck auf. Der 67-Jährige gehört heute zur Crew. „Diese nostalgische Tour ist eine tolle Chance“, findet er. Vor dem Ablegen habe das Team – auch wegen der wetterbedingten Verschiebung der Fahrt – die Handgriffe intensiv geübt. „Wir mussten die Wurfleine rüber schmeißen, damit die nicht im Wasser landet, sondern am Ufer“, erzählt Schütz. „Es gab schon Lachsalven, als ich alles ins Wasser geschmissen habe, aber das passiert einem nur ein Mal.“ Inzwischen wisse er, dass man die Leine in Schlaufen legen und das Ende festmachen muss.

An der Seebäderkaje in Bremerhaven hat das dann auch gut geklappt. In der Dämmerung hat das Schulschiff dort ohne Zwischenfälle festgemacht. Wie lange es dort noch liegen wird, hängt jetzt vom Wetter ab.

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