Carl-Schurz-Straße in Bremen-Schwachhausen

Schulweg mit Hindernissen

Enge Straßen, rücksichtslose Radfahrer und zahlreiche Elterntaxis – auf der Carl-Schurz-Straße in Schwachhausen geht es kurz vor Schulbeginn chaotisch zu.
15.08.2019, 19:25
Lesedauer: 5 Min
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Schulweg mit Hindernissen
Von Elena Matera
Schulweg mit Hindernissen

Der Fahrradweg auf der Carl-Schurz-Straße ist zugeparkt. Eine Schülerin muss auf die Straße ausweichen.

Christina Kuhaupt

„Vorsicht! Schulbeginn! Rücksicht!“ steht in großen Buchstaben auf dem gelben Banner, das über der Carl-Schurz-Straße auf Höhe der gleichnamigen Grundschule hängt. Es ist 7.30 Uhr am Donnerstag, der erste Schultag nach den Sommerferien. Noch wirkt die Gegend in Schwachhausen verschlafen. Nur ab und zu sieht man Kinder auf den Gehwegen laufen. Mit bunten Ranzen auf dem Rücken schlendern sie in Richtung Grundschule. Nach und nach tauchen immer mehr Schüler auf, um 8 Uhr beginnt die erste Unterrichtsstunde. Das Ziel der Kinder und Jugendlichen ist nicht nur die Grundschule. Auch Schüler des Kippenberg-Gymnasiums an der Schwachhauser Heerstraße und der Waldorfschule an der Touler Straße nutzen die Carl-Schurz-Straße als Schulweg. Und dieser hat es in sich. Täglich spielen sich dort kurz vor Schulbeginn chaotische Ausweichmanöver ab.

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Die Strecke zwischen Wachmannstraße und Georg-Gröning-Straße ist für die Schüler besonders heikel. Die Fahrradwege sind komplett zugeparkt. Daher nutzen viele der jungen Radfahrer den Gehweg. Im Slalom umfahren sie die Fußgänger, fahren im Schritttempo hinter ihnen her oder klingeln sie zur Seite. Immer wieder bilden sich dadurch kleine Staus auf der Strecke. Der Gehweg ist sehr uneben. Einige Pflastersteine ragen hervor – Stolpergefahr ist garantiert. Die Carl-Schurz-Straße wirkt außerdem sehr dunkel. Die zahlreichen Bäume, die die Straße säumen, lassen kaum Licht durch ihre Kronen. Schulkinder sind deshalb oft nur schwer zu erkennen. Autofahrer können gerade die kleineren Radfahrer leicht übersehen.

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Einige Eltern begleiten ihre Kinder zur Schule, so auch Axel Wentzell. Er geht mit seiner siebenjährigen Tochter Ella und deren Schulfreundin die Carl-Schurz-Straße entlang. „Es ist schon sehr chaotisch hier“, sagt der Vater. Deswegen begleite er Ella jeden Tag zu Fuß zur Grundschule. „Die Kinder machen das eigentlich super. Aber sie verlassen sich leider zu sehr darauf, dass die Autos auch halten. Und das tun sie eben nicht immer. Das kann schon sehr gefährlich werden.“

"Der schlimmste Schulweg Bremens" - Carl-Schurz-Straße, Ecke Georg-Gröning-Straße

Radfahrer und Fußgänger teilen sich den Gehweg. Die Strecke zwischen der Wachmannstraße und der Georg-Gröning-Straße ist für die Schulkinder besonders heikel. Der Gehweg ist dort sehr uneben – eine Stolpergefahr für die Schüler.

Foto: Christina Kuhaupt

Autofahrer sollten mehr aufpassen

Wentzell zeigt auf die Stelle, an der sich die Carl-Schurz-Straße mit der Georg-Gröning-Straße kreuzt. Zwei Autos fahren langsam heran. Eine Traube von Kindern möchte die Straße überqueren. Doch das eine Auto fährt weiter. Die Kinder müssen abrupt anhalten. „Genau so eine Situation meine ich“, sagt Wentzell. „Für die Kinder ist das eine knifflige Kreuzung. Die Autofahrer sollten da schon mehr aufpassen.“ Er schüttelt den Kopf. „Und die Kippenberg-Schüler fahren immer so schnell“, erzählt Ella. „Auf ihren Fahrrädern.“ Sie zeigt auf eine Gruppe von Gymnasiasten. Sie radeln Richtung Schwachhauser Heerstraße, teilweise fahren sie nebeneinander auf der Straße.

Mittlerweile ist es 7.50 Uhr. Die Straße hat sich deutlich gefüllt. Von allen Richtungen laufen, gehen, radeln und rollern Kinder und Jugendliche zu den verschiedenen Schulen. Einige gehen in Grüppchen, andere sind alleine oder in Begleitung der Eltern. Viele Kinder werden mit dem Auto zur Schule gebracht. Die Mütter und Väter halten dann mitten auf der Straße auf Höhe der Schuleinfahrt. Dort lassen sie ihre Kinder aussteigen und fahren weiter.

„Diese Elterntaxis sind hier ein großes Problem“, sagt Stefan Stipps. Er steht vor der Grundschule, hat gerade sein Kind in die Schule gebracht. Das mache er jeden Tag und „immer zu Fuß.“ Stipps sagt, er verstehe nicht, warum so viele Eltern mit dem Auto bis zum Schultor fahren. „Die Straße ist eh schon unübersichtlich. Dazu kommen dann die vielen Autos. Die parken hier, bleiben einfach stehen“, sagt der Vater, „das muss doch nicht sein. Für die Kinder ist das gefährlich.“

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Auch der Auto Club Europa (ACE) appelliert zum Schulbeginn an die Eltern, das Auto stehen zu lassen. „Auf dem Rücksitz haben Kinder keine Möglichkeit, lehrreiche Erfahrungen im Straßenverkehr zu sammeln“, erklärt der Kreisverbandsvorsitzende Peter Lampe. Kinder sollten lieber gemeinsam mit den Eltern zu Fuß oder mit dem Fahrrad einen sicheren Schulweg heraussuchen und üben. „Das Auto sollte auf dem Schulweg nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen“, findet Lampe. Der Hol-und Bringverkehr belaste die Straßensituation vor Schulbeginn. Außerdem könnten Kinder leicht zwischen den Autos übersehen werden.

"Der schlimmste Schulweg Bremens" - Carl-Schurz-Straße, Ecke Georg-Gröning-Straße

Gelbe Markierungen zeigen den Kindern, wo sie sich entlanggehen können.

Foto: Christina Kuhaupt

Die Schulwegsituation einschätzen können

Es ist Punkt 8 Uhr, die erste Schulstunde beginnt. Corinna Doege hat ihre Kinder noch schnell zu Fuß zur Schule gebracht. „Wir sind neu hergezogen“, erzählt die Mutter. Noch könne sie die Schulwegsituation nicht so gut einschätzen. „Es ist schon nicht ganz so einfach hier“, sagt sie. In den kommenden Tagen werden ihre Kinder den Schulweg allein gehen müssen. „Ich denke, dass meine Kinder das hinkriegen. Die passen schon auf.“ Sie verabschiedet sich, jetzt gehe es für sie zur Arbeit.

Vor dem Schultor steht noch eine Gruppe Eltern. Sie wollen nicht mit Namen genannt werden. Die Mütter und Väter halten die Verkehrssituation in der Straße für ein sehr großes Problem. „Es sind heute 80 Schüler weniger, die Erstklässler kommen ja erst noch“, berichtet eine Mutter. „Dann wird es noch chaotischer.“ Sie habe eine Idee, wie man das Verkehrschaos entschärfen könne, sagt sie. „Wenn die Grundschule eine Viertelstunde später anfängt, würde sich der Unterrichtsbeginn nicht mehr mit den anderen Schulen in der Umgebung überschneiden. Dann wäre wenigstens etwas weniger los“, sagt sie. Diese Idee war schon einmal umgesetzt worden; allerdings wurde die Regelung wieder abgeschafft.

Um 8.15 Uhr haben auch die letzten Eltern das Schulgelände verlassen. In der Carl-Schurz-Straße ist es ruhiger geworden. Keine Fußgänger sind mehr zu sehen. Es scheint so, als hätte es gar kein Verkehrschaos gegeben. Dann kommt ein rotes Auto schnell angefahren, bremst direkt vor der Grundschule. Die Autotür öffnet sich, und ein Mädchen mit voll gepacktem Rucksack springt heraus. Schnell läuft es Richtung Eingangstor, ein kurzes Winken, schon ist das Mädchen in der Schule verschwunden. Das rote Auto fährt weiter.

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Neues Schuljahr in Bremen

53 980 Schüler sind am 15. August in den 140 allgemeinbildenden Schulen der Stadt Bremen in das Schuljahr 2019/20 gestartet. Im vergangenen Schuljahr waren es noch 53 670 Schüler, so die Bildungsbehörde. Demnach gehen 5470 Kinder und Jugendliche auf eine Privatschule. Für die 4600 Erstklässler war es am Donnerstag noch nicht so weit. Für sie heißt es erst am Sonnabend: ab auf die Schulbank. 4755 Schüler gehen im neuen Schuljahr in die 5. Klassen, und 2430 Jugendliche besuchen die Eingangsphase in einer Gymnasialen Oberstufe. Bei den 19 berufsbildenden Schulen starten gut 20 390 junge Erwachsene. Insgesamt unterrichten zum Schuljahresanfang 5187 Lehrerinnen und Lehrer an den öffentlichen Schulen Bremens.

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