Schulstandort Bremen-Nord

Schulzentrum in Blumenthal könnte verlegt werden

Die Bildungsbehörde überlegt, das Blumenthaler Schulzentrum an einem Ort zu konzentrieren und später vielleicht alle Berufsschulen zu vereinen. Als Standort wird das Woll-Kämmerei-Gelände geprüft.
12.05.2018, 00:15
Lesedauer: 3 Min
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Schulzentrum in Blumenthal könnte verlegt werden
Von Christian Weth
Schulzentrum in Blumenthal könnte verlegt werden

Das frühere Gelände der Woll-Kämmerei: Nach Ansicht der Bildungsbehörde bietet es eine interessante Perspektive für einen Standort der Berufsschulen.

Volker Kölling

Lehrer, die an einer Schule mit zwei Standorten arbeiten, kennen das: Statt mal eben über den Flur zu gehen, um die nächste Klasse zu unterrichten, wird die Pause zur Autofahrt. Das Blumenthaler Schulzentrum ist so eine Schule. Und weil an ihren beiden Standorten große Raumnot herrscht, überlegt die Behörde jetzt, die berufliche Ausbildung des Schulzentrums an einem neuen Ort zu konzentrieren – und später vielleicht alle vier Nordbremer Berufsschulen auf einem Gelände zu vereinen.

Auch wenn das Projekt nur eine Idee und deshalb vage ist, taucht es bereits in einem ersten Papier auf: im Bremen-Nord-Konzept des Senatsbeauftragten Martin Prange. Er spricht von einem Campus der Berufsschulen. Und davon, dass der Norden damit etwas bekommen könnte, was es noch nirgendwo in Bremen gibt. Prange ist nicht der einzige, der gut fände, wenn das Vorhaben käme. Auch Blumenthals Ortsamtsleiter Peter Nowack gefällt die Idee. Der Campus könnte nämlich in seinem Stadtteil entstehen: auf dem früheren Firmengrundstück der Bremer Woll-Kämmerei.

Dass das Gelände als Standort aller Nordbremer Berufsschulen infrage kommen könnte, leitet Nowack nicht nur an dem vielen Platz ab, den es dort gibt. Sondern auch daran, dass es auch als neue Adresse für das Blumenthaler Schulzentrum, sozusagen als Vorbote für einen späteren Campus, geprüft wird. Die Bildungsbehörde hat eine Studie in Auftrag gegeben, die klären soll, wo sich die beiden Standorte des Schulzentrums besser vereinen lassen: auf einem brachliegenden Grundstück an der Ermlandstraße Ecke Kreinsloger oder eben auf dem ehemaligen Woll-Kämmerei-Areal.

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In dieser Woche hat Daniel de Olano den Blumenthaler Fraktionen des Schulausschusses skizziert, wie es für das Schulzentrum weitergehen könnte. Nach Angaben des Mitarbeiters der Bildungsbehörde soll eine schnelle Lösung her. Zum einen wegen des drängenden Platzproblems der Berufsschule. Zum anderen, weil Bremen mehr Fachkräfte braucht, die am Schulzentrum ausgebildet werden, unter anderem Erzieherinnen und Erzieher. Um keine Zeit zu verlieren, denkt das Ressort zunächst an einen Modulbau. Laut de Olano könnte er 2020 fertig sein, um später durch ein herkömmliches Gebäude ersetzt zu werden.

Nach den Worten von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) ist das frühere Gelände der Bremer Woll-Kämmerei eine Option für das Schulzentrum – und bietet eine "sehr interessante Perspektive" für die Campus-Idee. Ob und wie sie sich umsetzen lässt, soll aber erst erörtert werden, wenn die Standortplanung für die allgemeinbildenden Schulen abgeschlossen ist. Im September soll es so weit sein. Danach kommen die gymnasialen Oberstufen und Berufsschulen an die Reihe. Wann deren Standortplanung beendet und von der Bildungsdeputation beraten wird, steht noch nicht fest.

Ortsamtsleiter Nowack hofft im November – und darauf, dass bis dahin die Ergebnisse der Gutachter vorliegen. Ginge es nach ihm, würden die Gespräche über das Blumenthaler Schulzentrum und einen Campus noch in diesem Jahr beginnen, damit im nächsten erste Entscheidungen getroffen werden können. Am liebsten wäre Nowack, wenn mit der Zusammenlegung aller Nordbremer Berufsschulen begonnen wird, sobald das Modul-Gebäude für das Schulzentrum steht. Nach Angaben von Bildungsreferent Daniel de Olano hat solch ein Bau eine Haltbarkeit von zehn bis 15 Jahren.

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Dass die Bildungsbehörde das Gelände der Woll-Kämmerei als Schulstandort interessant und Nowack die Campus-Idee gut findet, kommt nicht von ungefähr. Würden nämlich alle Nordbremer Berufsschulen in einem neuen Komplex untergebracht, gäbe es automatisch mehr Platz für die Oberschulen und gymnasialen Oberstufen, bei denen ebenfalls Raumnot herrscht. Blumenthals Ortsamtsleiter meint, noch ein weiteres Argument für eine schulische Berufsausbildung an einem Ort zu haben: "Es müsste nur eine einzige Turnhalle für alle Berufsschüler gebaut werden." Und das könne helfen, Kosten zu sparen.

Nowack rechnet damit, dass die Campus-Idee nicht bei allen so gut ankommen wird wie bei ihm. Vor allem nicht bei allen Politikern der anderen Nordbremer Stadtteile. Den Gewinn für Blumenthal könnten sie schließlich als ihren Verlust ansehen. Doch für Nowack kommen weder Vegesack noch Burglesum für einen zentralen Standort der Berufsschulen infrage, weil sie nicht haben, was Blumenthal hat: weitgehend ungenutzte Bauten mit Brachflächen drumherum – Bauten wie das frühere Sortiergebäude auf dem Woll-Kämmerei-Gelände.

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