Großprojekt soll 2017 starten Schuppen 3 bringt Wohnungen und Jobs

In der Überseestadt startet das städtebauliche Großprojekt Schuppen 3. Für gut 100 Millionen Euro errichtet ein Investor rund 450 Wohnungen. Der größte Teil der vorhandenen Bauten wird dafür abgerissen.
07.04.2016, 00:00
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Schuppen 3 bringt Wohnungen und Jobs
Von Jürgen Theiner

In der Überseestadt startet voraussichtlich im vierten Quartal 2017 das städtebauliche Großprojekt Schuppen 3. Für gut 100 Millionen Euro errichtet der Bremer Investor Ingo Damaschke auf der Grundfläche des 400 Meter langen Lagerhauskomplexes rund 450 Wohnungen, davon bis zu 150 öffentlich geförderte für Mieter mit kleinem Geldbeutel. Der größte Teil der vorhandenen Bausubstanz wird dafür abgerissen.

Prägendes Element der künftigen Bebauung sind acht längs zum Hafenbecken ausgerichtete Wohngebäude mit jeweils fünf bis sechs Stockwerken. Hinter diesen Gebäuden in direkter Wasserlage wird es zur Konsul-Smidt-Straße hin eine zweite Baureihe mit Sozialwohnungen geben. Auch diese mit – wenngleich eingeschränktem – Blick aufs Wasser. In südöstlicher Richtung, also auf den Schuppen 1 zu, setzt ein sogenannter Hochpunkt die neue Bebauung fort. So bezeichnen die Macher des Projektes ein Wohngebäude mit 13 Stockwerken. Zum Vergleich: Der Landmark-Tower ein paar hundert Meter weserabwärts hat 20 Etagen. Den Abschluss in Richtung Schuppen 1 soll ein Gebäude mit gewerblicher Nutzung bilden. Hierfür wird die Bausubstanz des vorhandenen Schuppens auf rund 110 Metern Länge weitgehend erhalten. Als Hauptnutzer ist ein Dienstleister vorgesehen, dessen Branche bei der Vorstellung des Projektes am Donnerstag allerdings noch nicht genannt wurde. Es soll sich um die Deutschland-Zentrale des Unternehmens handeln. Investor Damaschke rechnet damit, dass bis zu 600 Arbeitsplätze entstehen könnten. Neben dem Ankermieter ist für den gewerblichen Teil auch von Einzelhandel, Gastronomie und Start-up-Unternehmen aus der Gründerszene die Rede.

Das städtebauliche Grobraster für die Neugestaltung der Immobilie stammt vom renommierten Bremer Architekten Manfred Schomers. „Es ging darum, prägende Punkte wie die lange Hafenkante, das Wasser und die vorhandenen Schuppen auf der gegenüberliegenden Seite des Hafenbeckens aufzunehmen. Man soll die Atmosphäre des Ortes spüren können“, sagt Schomers.

Der Zeitplan für das Projekt sieht vor, zunächst bis zum Sommer den Verkauf der Immobilie von der Stadt an Damaschkes Projektgesellschaft abzuwickeln. Anschließend soll der Bebauungsplan für diesen Teil der Überseestadt den Anforderungen des Vorhabens angepasst werden. Parallel werden für alle wichtigen Elemente des Gebäude-Ensembles Architektenwettbewerbe stattfinden – also anders als zuletzt beim Kühne-Neubau an der Wilhelm-Kaisen-Brücke. Wie lange es dauern wird, bis alle Wohn- und Gewerbegebäude fertig sind, ist für Ingo Damaschke noch nicht ausgemacht. Das hänge vom Zuspruch der Interessenten ab. „Wir werden nicht auf Halde bauen“, betont Damaschke.

Bei seinem Vermarktungspartner Robert C. Spies Immobilien geht man von einem Realisierungszeitraum von etwa vier Jahren aus. Geschäftsführender Gesellschafter Jens Lütjen hatte im vergangenen Jahr einen entscheidenden Impuls für das Projekt gegeben, indem er Damaschke und die kommunale Wirtschaftsförderungsgesellschaft WFB zusammenbrachte. 2013/14 hatte die WFB die Lagerimmobilie zum Kauf ausgeschrieben, allerdings ohne Erfolg. Von den zehn Firmen, die zunächst Interesse zeigten, gab letztlich keines ein verbindliches Gebot ab, was auch an einer ziemlich langen Latte an Auflagen lag, an die mögliche Erwerber gebunden werden sollten.

Zu den Eckpunkten der Ausschreibung gehörten ein mindestens 25-prozentiger Anteil an sozial gefördertem Wohnungsbau, der Erhalt der historischen Kranbahn und die Bereitstellung von etwa 1000 Quadratmetern preisgünstiger Mietflächen für Kleingewerbler aus der Kreativwirtschaft. Derzeit ist eine Handvoll solcher Betriebe im alten Verwaltungstrakt des Schuppens ansässig. Ingo Damaschke hält sich zugute, die Anforderungen nicht nur einzuhalten, sondern teilweise überzuerfüllen. So werde die Quote geförderter Wohnungen wohl nahe 30 Prozent liegen. Außerdem kündigt Damaschke an, in das Projekt voraussichtlich auch eine Kindertagesstätte zu integrieren.

Hoher Sozialwohnungsanteil plus Kita – das hört sich so gar nicht nach jener Exklusivität an, die in der jüngeren Vergangenheit einige andere Wohnungsbauprojekte in der Überseestadt ausgezeichnet hat. Stimmt, sagt Jens Lütjen. Zielgruppe des Wohnungsbauprojektes sei keine elitäre Schicht. Das erkenne man schon am Zuschnitt der Wohnungen. Auch in der ersten Reihe am Hafenbecken seien keine 200-Quadratmeter-Luxusappartements oder opulente Penthouses geplant, sondern überwiegend Einheiten in einer Größe zwischen 50 und 100 Quadratmetern. „Die Zielgruppe, die wir anpeilen, sind ganz normale Paare, Singles und Familien“, sagt Jens Lütjen.

Ob das Großprojekt tatsächlich in der jetzt vorgestellten Form realisiert wird, hängt auch davon ab, ob sich die Politik damit anfreunden kann. Sie ist bei der notwendigen Anpassung des geltenden Planungsrechts mit im Boot. Das gilt sowohl für die Ortspolitiker des Waller Beirats, denen das Vorhaben am Donnerstagabend vorgestellt wurde, als auch für die Baudeputation. Die Linken hatten bereits im Februar nach einer ersten Berichterstattung über das Vorhaben im WESER-KURIER Kritik geübt. Eine Immobilie „mit großem Potenzial“ werde „ dem Wunsch nach profitfreundlicher Quader-Architektur geopfert“, kritisierte ihre Baupolitikerin Claudia Bernhard.

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