Trinkwasser und Abkühlung Diese Angebote machen die Kirchen zum Schutz vor Hitze und Kälte

Große Hitze im Sommer, Minusgrade im Winter: Unter extremen Temperaturen leiden Wohnungslose besonders. Was Kirchen in Bremen Bedürftigen anbieten.
11.08.2022, 15:35
Lesedauer: 3 Min
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Diese Angebote machen die Kirchen zum Schutz vor Hitze und Kälte
Von Ulrike Troue

Extremwetterlagen erschweren besonders Obdach- und Wohnungslosen das Überleben. Die steigenden Lebensmittel und Energiekosten dürften die bedrohliche Situation für Bedürftige aus prekären Lebensverhältnissen ebenfalls weiter verschärfen. Welche Angebote machen die Kirchen Bedürftigen und allen anderen, die Schutz vor Hitze oder Kälte suchen? Eine Übersicht.

Das ganze Jahr über hat der Bremer Treff am Altenwall / Ecke Tiefer seine Türen für Menschen in materiellen, körperlichen oder seelischen Notlagen geöffnet: aktuell von Dienstag bis Freitag von 17 bis 20 Uhr und sonnabends von 16 bis 19 Uhr. In der kirchlichen Begegnungsstätte, die von mehreren evangelischen und katholischen Kirchengemeinden gegründet worden ist, können sich Menschen abkühlen oder aufwärmen, sie bekommen Getränke und warme Mahlzeiten angeboten. Zudem können sie dort auch duschen, Wäsche waschen oder ein seelsorgerliches Gespräch oder eine sozialdiakonische Beratung in Anspruch nehmen. 

Anlaufstationen bei Hitze

Zwei der insgesamt fünf kostenlosen städtische Trinkwasserzapfstellen sind neben dem Pfarrbüro der Propsteigemeinde St. Johann im Schnoor und neben der Liebfrauenkirche auf dem Unser Lieben Frauen Kirchhof zwischen Marktplatz, Obernstraße, Sögestraße und Domshof, zu finden. Wer bei hohen Temperaturen Abkühlung im Innenstadtbereich sucht, dem rät Christof Haverkamp, Pressesprecher des Katholischen Gemeindeverbandes Bremen, die Propsteikirche St. Johann aufzusuchen. "Kirchen sind meistens recht kühl und haben eine Temperatur deutlich unter 20 Grad Celsius", sagt er.

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In den kühlen, tagsüber geöffneten Innenstadtkirchen Dom und Unser Lieben Frauen sind nach Auskunft von Sabine Hatscher, Pressesprecherin der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) ebenfalls alle willkommen, die in der aufgeheizten City einmal durchatmen wollen. Die BEK spreche jetzt in den Stadtteilen gezielt Gemeinden an, die über alte Kirchen mit dicken Mauern verfügen, damit sie die Öffnung ermöglichen, führt Hatscher aus. Die Gewährung des Zugangs sei aber auch immer eine Frage der Betreuung, um auf die jeweilige Kirche achtgeben und Besucherinnen und Besuchern dann auch Wasser anbieten zu können.

Aufwärminseln

Die Zahl der Menschen, die in den Wintermonaten Unterstützung benötigen, wird sich sicher nicht nur auf Wohnungs- und Obdachlose beschränken, davon ist Simone Lause überzeugt. Die Preissteigerungen für Lebensmittel und Energie würden auch den unteren Rand der Mittelschicht belasten, also jene, die jeden Cent sparen müssen und bislang so noch zurechtgekommen sind, sagt die Pressesprecherin des Caritasverbandes Bremen. Hinzu kommt die Pandemie, bei der sich die Lage womöglich im Herbst wieder verschärfen wird. "Der Winter ist die totale Blackbox", sagt Simone Lause, es gebe keine Planungssicherheit.

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Prinzipiell hätte der Wohlfahrtsverband der römisch-katholischen Kirche keine Schwierigkeit, seine Dependance zu öffnen. Andererseits fühlten sie sich besonders den Schutzbedürftigen verpflichtet, beschreibt Lause. "Wenn wir sehen, was die Menschen brauchen, werden wir Bedarfe organisieren", sagt sie. Sie kann sich zum Beispiel einen zusätzlichen Öffnungstag für die Johannis-Oase im Schnoor vorstellen. Dort können Obdachlose kostenlos duschen und ihre Wäsche waschen.

Neues Konzept

Da es wohl abzusehen ist, dass es im Winter Menschen geben wird, die in der eigenen Wohnung frieren, denkt die BEK nach Auskunft von Pressesprecherin Sabine Hatscher derzeit darüber nach, wie sie ihnen helfen kann. Außerdem wolle auch die BEK einen Beitrag zu Energieeinsparung und Klimaschutz leisten. Derzeit werde ein Konzept erarbeitet, sagt Sabine Hatscher. "Bei 58 Gemeinden mit rund 75 Standorten sowie sensiblen Bereichen wie den Kitas ist das keine einfache Aufgabe."

Zur Sache

Wohnungslosenhilfe fordert Hitzehilfe

Da Obdachlose der Hitze derzeit regelrecht ausgeliefert sind und durch häufige Vorerkrankungen zu "einer gesundheitlich hochbelasteten Gruppe" zählen, fordert Sabine Bösing Städte und Gemeinden "dringend" zum Handeln auf. „Angesichts der wiederkehrenden heißen Temperaturen im Sommer braucht es nach dem Vorbild der Kältehilfe eine organisierte Hitzehilfe für Obdachlose. Hitze ist genauso lebensgefährlich wie Kälte", sagte die stellvertretende Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) der „Rheinischen Post". Helfen könnten Unterkünfte, die zum Aufenthalt in heißen Stunden geeignet seien und wohnungslosen Menschen rundum die Uhr zur Verfügung stünden. Auch Parks, Bahnhöfe und öffentliche Gebäude böten ihnen Schatten und Abkühlung. Deshalb sollten Obdachlose dort nicht mehr durch Ordnungskräfte vertrieben werden, verlangt Bösing. Außerdem fordert sie einen Zugang zu Hygienemöglichkeiten und eine sichere Wasserversorgung für diese Menschen, wie durch öffentliche Trinkwasserbrunnen. In anderen Städten, zum Beispiel Berlin oder Mannheim, gibt es ihr zufolge solche Unterkünfte oder aufsuchende Angebote, die Wasserflaschen, Sonnencreme oder Kopfschutz verteilen.

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