Schwammriffkalk im Haus der Wissenschaft

Altstadt. Wer in der Bremer Innenstadt das ein oder andere Gebäude betritt, könnte über ein Riff schlendern. Jürgen Pätzold hat bei 'Wissen um elf' im Haus der Wissenschaft darüber gesprochen: 'Korallenriffe in Bremen? Fossile Riffkalke als Naturwerksteine'. In einer Führung durch die Altstadt zeigte er am Sonnabend anlässlich des 'Tages der Steine in der Stadt' Beispiele wie Riffgestein beim Innenausbau verschiedener Gebäuden verwendet worden sind.
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Von Solveig Rixmann

Altstadt. Wer in der Bremer Innenstadt das ein oder andere Gebäude betritt, könnte über ein Riff schlendern. Jürgen Pätzold hat bei 'Wissen um elf' im Haus der Wissenschaft darüber gesprochen: 'Korallenriffe in Bremen? Fossile Riffkalke als Naturwerksteine'. In einer Führung durch die Altstadt zeigte er am Sonnabend anlässlich des 'Tages der Steine in der Stadt' Beispiele wie Riffgestein beim Innenausbau verschiedener Gebäuden verwendet worden sind.

Der Geologe lehrt am Fachbereich Geowissenschaften und forscht am Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM). Zudem hat er einen allgemein verständlichen Führer zu den Natursteinen in der Bremer Innenstadt geschrieben. Der 'Tag der Steine in der Stadt' soll deutschlandweit auf Naturwerkstein wie Riffkalk aufmerksam machen.

Jürgen Pätzold rät seinen Zuhörern, mit offenen Augen in Gebäude hineinzugehen. 'Dort finden sich besonders attraktive Steine: Korallenriffe.' Diese stammen aus Riffbildungen früherer Perioden der Erdgeschichte. Im Meer bauten Organismen im Laufe der Zeit aus ihren Kalkskeletten die Riffstruktur auf.

Kalkstein ist eher ein Dekorationsstein für den Innenausbau und kein geeignetes Material zum Bau von ganzen Häusern. Er ist sehr empfindlich, weshalb Kalkstein auch nachträglich mit Acrylharz versiegelt wird. Obwohl häufig dazu genutzt, ist er auf Grund seiner Empfindlichkeit eigentlich auch als Material für den Fußboden eher ungeeignet.

Wenn man diese Steine genauer betrachtet, kann man beispielsweise Querschnitte von Korallen erkennen, wie Jürgen Pätzold während seines Stadtrundgangs im Eingangsbereich der Baumwollbörse zeigte. 'Das sind alles Korallen', sagte der Wissenschaftler und deutete auf den Fußboden. 'Sie sehen wirklich: quer, perfekt geschnitten, die Koralle.'

Geht man in der Erdgeschichte zurück, gibt es Riffgesteine, die nicht nur aus Korallen, sondern auch aus Schwämmen oder Muscheln, gebildet wurden. Das sei einer der Hauptgründe für seinen Vortrag, erläuterte Jürgen Pätzold. Ihm gehe es darum, 'zu sagen, dass Riffe nicht immer aus Korallen gebildet werden'.

Denn in der Erdgeschichte gab es immer wieder unterschiedliche Lebewesen, die Riffe gebildet haben. Der Fußboden der Stadtwaage in der Langenstraße ist beispielsweise mit einem Rudistenkalk ausgelegt. Die in einer früheren erdgeschichtlichen Periode bereits ausgestorbenen Rudisten gehören zu den Muscheln. Derartiger Kalkstein entstammt also einem Muschelriff.

'Als Sie heute Morgen reingekommen sind, wussten Sie wahrscheinlich nicht, dass dies ein Schwammriffkalk ist', sagte Jürgen Pätzold zu seinem Publikum und meinte den Treuchtlinger Marmor, aus dem im Haus der Wissenschaft der Fußboden besteht.

Die Bezeichnung Marmor ist dabei irreführend, denn geologisch handelt es sich auch hier um einen feinkörnigen Kalkstein. Die Riffe der Jurazeit, dem dieser Stein entstammt, sind häufig aus Schwämmen aufgebaut. Der ozeanische Lebensraum von damals ist auch heute noch gut im Stein zu erkennen.

Neben den schon genannten Gebäuden zeigte Jürgen Pätzold den Gästen zusätzlich den Fußbodenbelag im Vorraum des Bankhauses Carl F. Plump und Co. und die Schalterhalle der Sparkasse am Markt.

Korrektur: In unserem Beitrag über den Vortrag von Frank Jansen ('Der Sturm zwischen Himmel und Erde', Ausgabe Mitte vom 25. Oktober) stand eine falsche Zahl. Plasmawolken brauchen nicht etwa 234 Tage von der Sonne bis zur Erde, sondern etwa zwei, drei oder vier Tage.

Wissen um elf am Sonnabend, 30. Oktober, um 11 Uhr im Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5 (Nähe Dom): Elektromobilität und die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen in Bezug auf nachhaltige Energiewirtschaft, Mobilitätsverhalten, CO2-Reduktion, Alltagstauglichkeit und Nutzerakzeptanz. Gerald Rausch, Leiter der Abteilung 'Elektrische Systeme' am Bremer Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung, hält seinen Vortrag 'Elektrofahrzeuge - echte Alternative oder fernes Zukunftsszenario?'. Der Eintritt ist frei.

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