Braker BBS plant Azubi-Austauschprogramm Schwedische Seehundpflege

Die Berufsbildenden Schulen in Brake möchten Azubi-Austausche mit Unternehmen in Schweden, Frankreich und Wales auf die Beine stellen. Die Englischlehrerin Friederike Sattler hat das jetzt beantragt.
01.02.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Schwedische Seehundpflege
Von Barbara Wenke

Die Berufsbildenden Schulen in Brake möchten Azubi-Austausche mit Unternehmen in Schweden, Frankreich und Wales auf die Beine stellen. Die Englischlehrerin Friederike Sattler hat das jetzt beantragt.

Friederike Sattler ist an den Berufsbildenden Schulen (BBS) für den Landkreis Wesermarsch in Brake für Internationalisierung und Schulpartnerschaften zuständig. Im Rahmen des europäischen Förderprogramms Erasmus plus möchte die Schule Auszubildenden-Austausche mit Unternehmen in Schweden, Frankreich und Wales realisieren. Teilnehmen können angehende Tierpfleger und Kaufleute.

Erste Kontakte sind geknüpft. Im vergangenen August haben vier Tierpflegerschüler aus der Region Göteborg Praktika bei Kooperationsbetrieben der BBS Wesermarsch absolviert. Friederike Sattler ist dankbar, dass sich die Seehundstation in Norddeich, das Tierheim Oldenburg sowie das Klimahaus in Bremerhaven bereit erklärt hatten, die Nachwuchskräfte drei Wochen lang zu betreuen. „Die Jugendlichen waren so begeistert, dass sie in jedem Fall wiederkommen wollen.“

Der Arbeitsaufenthalt in Deutschland habe den Schweden ganz neue Einsichten ermöglicht. Die Zusammenarbeit mit schulfremden Ausbildern statt mit Lehrern sei für sie neu gewesen. „In Schweden gibt es kein duales System mit Ausbildungsbetrieben und Berufsschule. Da findet die gesamte Ausbildung an der Schule statt.“ Nach einem achtstündigen Arbeitstag seien die vier „stehend k. o.“, aber glücklich und zufrieden gewesen, berichtet Friederike Sattler. Auch die zu pflegenden Tiere waren den Schweden teils fremd. Um Heuler hatten sich die Auszubildenden Iida Martensson und Samuel de Witt, die ihr Praktikum bei der Seehundstation Norddeich absolvierten, bis dato nicht gekümmert.

Im Gegenzug könne es sein, dass Schüler der BBS Wesermarsch, die in ihrem Lehralltag die Reptilien im Klimahaus in Bremerhaven oder Meerestiere im Zoo am Meer pflegen, plötzlich Elche versorgen müssen. „Lerninhalte, die die hiesigen Betriebe nicht abbilden können, können während der Auslandsphase komplettiert werden“, preist Friederike Sattler die Aufenthalte. Die Koordinatorin weiß beispielsweise von einem speziellen Katzenhaus in Göteborg. „In dem kann sicherlich viel über Katzenverhalten und den Umgang mit Katzen gelernt werden. Ich fände es toll, wenn jemand dorthin ginge.“

Die deutschen Auszubildenden absolvierten ihre Auslandspraktika nicht unbedingt zeitgleich, blickt die Koordinatorin voraus. Jeder Aufenthalt werde individuell mit den Ausbildungsbetrieben abgestimmt. „Die Seehundstation beispielsweise braucht im Sommer jede Hand.“

Friederike Sattler hofft, Ausbilder wie Jugendliche gleichermaßen von der Praktikumsmöglichkeit überzeugen zu können. Für die Teilnehmer böten sich einmalige Erfahrungen. Auch die Betriebe profitierten. „Erfahrungsgemäß kommen die Auszubildenden sehr motiviert wieder. Sie durchlaufen eine Persönlichkeitsentwicklung. Und die Erfahrungen, die sie im Ausland sammeln, können den Azubis und ihren Ausbildungsbetrieben Anregungen bieten. Ferner verbessern sich ihre Fremdsprachenkenntnisse.“

Deshalb hofft die Braker Lehrerin auf reges Interesse aus den eigenen Reihen. Für den Anfang schwebt Friederike Sattler eine Anzahl von zehn Auszubildenden vor. „Geld spielt dabei eine untergeordnete Rolle“, verspricht die Organisatorin. Das Erasmus-Programm decke Reise- und Unterhaltskosten.

Neben den angehenden Tierpflegern, für die Friederike Sattler Betriebe in der Region rund um Göteborg sucht, sollen auch die angehenden Kaufleute in den Genuss eines Auslandsaufenthalts kommen können. Auszubildenden, die ein Zusatzmodul zum Europakaufmann beziehungsweise zur Europakauffrau absolvieren, sollen Austauschmöglichkeiten in Frankreich und Wales geboten werden. „Sie müssen sich in ihren Fremdsprachen verständigen“, sagt Friederike Sattler, „das ist für die Ausbildungsbetriebe ein Pluspunkt.“

Interessierte Azubis können sich bei Friederike Sattler nach den genauen Modalitäten erkundigen. Während die Reisezeiten individuell zu vereinbaren sind, steht bereits fest, dass teilnehmende BBS-Schüler vor Reiseantritt einen Sprachtest absolvieren müssen. „Bei dem fällt aber keiner durch“, beschwichtigt die Organisatorin.

„Nach dem Austausch wird der Test wiederholt, um zu sehen, wie viel die Teilnehmer dazugelernt haben.“ Ferner werden ein Lebenslauf und ein sogenanntes Motivationsschreiben gefordert. Die Interessenten müssen darlegen, warum sie an dem Programm teilnehmen wollen.

Friederike Sattler hofft auf Interesse der Unternehmer. Gern würde die Berufsschullehrerin einen Pool aufbauen, auf den sie im Fall eines Austausches zurückgreifen kann. Betriebe, die für die Dauer von drei Wochen einen ausländischen Auszubildenden aufnehmen, werden bei der Vergabe der Auslandsplätze für die eigenen Auszubildenden bevorzugt. Interessierte Ausbildungsleiter können unter schule@bbs-wesermarsch.de Kontakt zu Friederike Sattler aufnehmen.

Weitere Erfahrungen auf dem internationalen Sektor haben die Berufsbildenden Schulen für den Landkreis Wesermarsch in den vergangenen Jahren im Bereich ihres beruflichen Gymnasiums gesammelt. Das pflegt eine Partnerschaft mit einer Einrichtung im argentinischen Deheza.

Am Sonnabend, 4. Februar, öffnen die BBS an ihren vier Standorten in Brake, Nordenham und Elsfleth ihre Türen für interessierte Besucher. Von 10 bis 14 Uhr stehen Lehrkräfte den Interessierten zur Verfügung. Friederike Sattler wird in Brake unter anderem Fragen zu möglichen Auslandsaufenthalten beantworten.

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