Klinikneubau Schwere Vorwürfe gegen Generalplaner

Im Zeugenstand des Untersuchungsausschusses Klinikneubau erhebt der Magdeburger Unternehmer schwere Vorwürfe gegen Generalplaner Ludes.
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Schwere Vorwürfe gegen Generalplaner
Von Christian Weth

Wird der Neubau am Klinikum Mitte zum Sanierungsfall, noch bevor auf den Stationen die ersten Patienten behandelt werden? Für Andreas Männig steht das fest. Der Chef der gekündigten Trockenbaufirma prophezeit dies, wenn auf der Baustelle nach den Plänen weitergearbeitet wird, die er erhalten hatte. Im Zeugenstand des Untersuchungsausschusses Klinikneubau erhebt der Magdeburger Unternehmer schwere Vorwürfe gegen Generalplaner Ludes.

Der Mann will reden. Das merkt man gleich. Kaum sitzt Andreas Männig auf dem Zeugenstuhl, fordert er die Parlamentarier auf: „Fragen Sie mich.“ Immer wieder sagt er das im Laufe der mehrstündigen Vernehmung. Im Untersuchungsausschuss Klinikneubau macht der Chef der gleichnamigen Trockenbaufirma den Eindruck, es gar nicht erwarten zu können, über sich und sein Unternehmen zu sprechen. Und darüber, wie mit ihm umgesprungen worden ist. Manchmal klingt Männig – groß, breit, glatzköpfig – , als würde er abrechnen. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen Generalplaner Ludes, der seinerseits Vorwürfe gegen Männig erhebt und ihm gekündigt hat.

Was sie ihm vorgehalten, haben die Planer erst in dieser Woche noch einmal bei einem Presse-Rundgang auf der Baustelle aufgelistet. Männig soll falsch abgerechnet, sich verweigert und einen Bauleiter eingesetzt haben, der anderen Handwerkern Gewalt angedroht hätte. Und er soll keinen Mindestlohn gezahlt haben. Ein Punkt, zu dem Männigs Anwalt, der an seiner rechten Seite sitzt, Stellung nimmt: „Die Sozialkasse Bau hat das überprüft und nichts zu beanstanden gehabt.“ Die übrigen Vorwürfe weist Männig als haltlos zurück. Genauso wie Ludes dessen Kritik für unbegründet hält.

Männig sagt, was ein Gutachter geschrieben hat. Dass es an den sogenannten Ausführungsplänen von Ludes gehapert habe. Dass sie nicht vollständig und deshalb nicht umsetzbar gewesen sein sollen. Dass Nachbesserungen zwar immer wieder angemahnt worden, aber nie erfolgt seien und darum gar nicht erst so richtig mit der Arbeit begonnen werden konnte.

Dass es an Bauleitern und an Sachverstand gefehlt habe. Auch der Bauherr, der Klinikverbund, sei keine Hilfe gewesen. Männig: „Er war schlichtweg ohnmächtig. Den Projektverantwortlichen fehlte das Know-how, um die Probleme beim Trockenbau überhaupt zu erkennen.“

Dabei gab es so viele, dass er in einer sogenannten Kollisionsliste, die auf Schwierigkeiten hinweist, mehr als 1000 Punkte aufgelistet habe. Sogar eine zehn Meter lange Musterwand hätten seine Leute gebaut, um zu zeigen, wie es gehen könnte. Denn so, wie Ludes bauen wollte, ging es nach Männigs Worten nicht. Darum steht für ihn fest: „Wenn weiterhin die Pläne gelten, die wir vom Generalplaner erhalten hatten, wird der Neubau zum Sanierungsfall, ehe die ersten Patienten behandelt werden können.“ Ludes habe beispielsweise Bestimmungen des Brandschutzes völlig außer Acht gelassen. Jeder Gutachter werde beim Testlauf für die Stationen fordern, dass die Trockenbau-Wände wieder aufgemacht werden müssten.

Die Beweisaufnahme wird am 4. Dezember fortgesetzt. Der Anwalt, der Männigs Kündigung durchsetzte, sagt ab 10 Uhr im Börsenhof aus.

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