Seniorenresidenz Kirchhuchting

Schwerwiegende Mängel: Bremer Altenheim geschlossen

Die Seniorenresidenz Kirchhuchting muss geschlossen werden. Wegen schwerwiegender Mängel hat die Bremische Wohn- und Betreuungsaufsicht dem Betreiber des Bremer Altenheims die Erlaubnis entzogen.
23.11.2015, 15:05
Lesedauer: 3 Min
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Schwerwiegende Mängel: Bremer Altenheim geschlossen
Von Wigbert Gerling
Schwerwiegende Mängel: Bremer Altenheim geschlossen

Die Seniorenresidenz Kirchhuchting.

Felix Frank

Die staatliche Heimaufsicht hat verfügt, dass die Seniorenresidenz Kirchhuchting spätestens am Donnerstag geschlossen wird. Die 63 Bewohnerinnen und Bewohner, so erklärte am Montag das Sozialressort, müssten in andere Einrichtungen verlegt werden.

Die Schließung wird mit „schwerwiegenden Mängeln“ unter anderem in der Hygiene und in der medizinischen Versorgung begründet: Die Unzulänglichkeiten, so habe sich bei unangemeldeten Kontrollen gezeigt, seien „so erheblich, dass in mehreren Fällen von einer schwerwiegenden Gefahr für Leib und Leben von Bewohnerinnen und Bewohnern auszugehen ist“, heißt es in einer Stellungnahme der Sozialbehörde.

Die Mediko-Gruppe, die das Haus an der Kirchhuchtinger Landstraße betreibt, legte postwendend Widerspruch gegen die behördliche Anordnung ein und rief das Verwaltungsgericht an, um mit einem Eilantrag die Schließung noch abzuwenden. „Die Heimaufsicht hat eine anderen Einschätzung als wir, der Richter muss entscheiden – ansonsten möchte ich den Vorgang jetzt nicht kommentieren, weil es sich um ein schwebendes Verfahren handelt“, erklärte Christian Cohausz, Mitglied der Mediko-Geschäftsführung.

Hygienemängel festgestellt

Die Mediko, die ihren Sitz in Winsen an der Aller hat, wirbt für ihre Seniorenunterkunft in Kirchhuchting unter anderem mit guter stationärer Pflege, mit regelmäßiger Reinigung der Räume und Austausch von Bettwäsche und Handtüchern. Alle 78 Einzelzimmer und die fünf Doppelzimmer seien mit einem seniorengerechten Bad ausgestattet, eigene Möbel und persönliche Erinnerungsstücke könnten mitgeführt werden: „Denn wir wollen“, so heißt es in einer Eigenwerbung der Mediko-Gruppe, „dass Sie sich bei uns nicht nur wohl, sondern richtig Zuhause fühlen.“

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Neben den Hinweisen auf Probleme in der pflegerischen und medizinischen Versorgung spielten für die Heimaufsicht, die heute Wohn- und Betreuungsaufsicht (WBA) heißt, unter anderem hygienische Mängel eine Rolle, als die Schließung der Seniorenresidenz im Bremer Süden für Donnerstag angeordnet wurde. Bei Überprüfungen sei in den vergangenen Monaten beispielsweise darauf hingewiesen worden, dass unter anderem die Übertragung von Keimen, die unempfindlich gegen Antibiotika seien und schwere Erkrankungen auslösen könnten, nicht ausgeschlossen sei. Trotz solcher Ermahnungen habe eine spätere Kontrolle gezeigt, dass den Anforderungen an eine ordnungsgemäße Betreuung unverändert nicht entsprochen werde.

Es seien zudem etliche Beschwerden von Bewohnerinnen und Bewohnern, von Angehörigen und Ärzten dokumentiert. Unter anderem wurde demnach beklagt, dass in der Frühschicht nicht genug Personal zur Betreuung eingesetzt worden sei, dass die Reaktionszeit auf Notrufe zu lang und die Dokumentation der Patientenbetreuung unzureichend gewesen sei. „Es ist deutlich geworden, dass trotz einer lang andauernden Beratung und mehrerer Anordnungen durch die Wohn- und Betreuungsaufsicht auch einfache und grundlegende Maßnahmen der Qualitätssicherung in der Pflege unterblieben sind“, sagte WBA-Leiterin Martina Timmer. Der Träger habe die Anforderung an die Versorgung von Pflegebedürftigen „nicht ernst genug genommen“.

WBA bietet Beratung an

Laut Sozialressort hat die Mediko-Gruppe nun bis Donnerstag Zeit, für alle 63 Bewohnerinnen und Bewohner der Seniorenresidenz Kirchhuchting eine neue Bleibe zu finden. Die WBA biete bis einschließlich Mittwoch im Tivoli-Hochhaus am Bahnhof eine tägliche Beratung von 9 bis 20 Uhr an. Die Bewohnerinnen und Bewohner, die Angehörigen und Betreuer seien über die „Schließungsverfügung“ informiert worden.

Reinhard Leopold von der „Unabhängigen Selbsthilfe-Initiative für Pflegebetroffene“ verwies darauf, dass die behördliche Aufsicht über 400 Einrichtungen in Bremen kontrollieren müsse. Dies sei mit neun Beschäftigten kaum zu bewältigen: „Nach meinem Eindruck kann bei Mängeln in der Pflege manchmal nicht schnell genug gehandelt werden.“

Der Sprecher der Sozialbehörde, Bernd Schneider, erklärte auf Nachfrage, es gebe die gesetzliche Pflicht, dass alle Einrichtungen im Normalfall einmal pro Jahr kontrolliert würden. Dazu reiche die personelle Ausstattung der WBA aus. Zudem sei er zuversichtlich, dass für alle 63 Bewohnerinnen und Bewohner der Seniorenresidenz Kirchhuchting ein Platz gefunden werde.

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