Ehemaliges Freizeitheim Hemelingen

Schwierige Spurensuche in baufälliger Ruine

Das ehemalige Freizeitheim Hemelingen steht seit Jahren leer. Mit den Jahren verkommt es immer mehr und Anwohner ärgern sich über den Zustand und den Müll vor Ort.
03.03.2019, 21:49
Lesedauer: 4 Min
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Schwierige Spurensuche in baufälliger Ruine
Von Christian Hasemann

Es ist gut sichtbar und deutet an, dass es früher einmal ein Schmuckstück gewesen sein könnte. Heute allerdings ist es nicht mehr als eine baufällige, schlecht ge­sicherte Ruine: das ehemalige Jugendfrei­zeitheim „Freiraum“ in der Westerholzstraße.

Anwohner wundern und ärgern sich schon seit Jahren über den Anblick der Ruine. „Ich gehe hier jeden Morgen dran vorbei und ich finde es schade, dass es einfach verfällt“, sagt Anwohner Heiko Trüün. Seit zwei Jahren ­stehen im hinteren Bereich neue Reihen­häuser, „aber hier vorne wird der Müll reingeworfen und nichts ist abgesichert.“ Tatsächlich liegen im Inneren des Gebäudes Bauschutt, Baumaterial und viel Müll herum. Ein Bauzaun grenzt das Gebäude zu einem Stichweg ab, der zur hinteren Reihenhauszeile führt, aber ansonsten ist das Gebäude voll zugänglich.

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Abriss oder Sanierung

Andreas Bogner wohnt vis-à-vis zum ehemaligen Jugendfreizeitheim. „Sanieren wird sich wohl nicht mehr lohnen“, meint er mit Blick auf die bröckelnde Fassade. „Das kann man nur noch abreißen.“ Manche nutzten das Gebäude als Müllplatz und auch Obdachlose hätten das Gebäude schon als Quartier entdeckt. Sorgen machen sich die Anwohner vor allem wegen Baufälligkeit des Gebäudes, aber auch wegen Ungeziefer.

Die weitere Spurensuche gestaltet sich schwierig. Keine Auskunft möchte das Bauressort geben. Das Amt sei nicht zuständig für bestehende Gebäude, teilt der Pressesprecher mit. Tatsächlich lassen sich Informationen zu Eigentümer und der Historie im Grundbuchamt finden.

Allerdings begrüßt schon die Internetseite des Amtes, das organisatorisch dem Amtsgericht zugeordnet ist, mit dem Hinweis: „Aufgrund von Krankheitsausfällen liegen die Bearbeitungszeiten im Grundbuchamt Bremen derzeit leider bei mehreren Wochen“. Ohnehin sind Auszüge aus den Grundbüchern nur bei „berechtigtem Interesse“ zu bekommen.

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Das könnten zum Beispiel Kaufinteressenten sein, die mit dem Eigentümer schon in Verhandlungen stehen. Möglich ist aber auch das öffentliche Interesse, ob dieses in diesem Fall das Interesse des Eigentümers seine Daten zu schützen überwiegt, ist allerdings fraglich.

Auf Anhieb lässt sich auch dem Staatsarchiv keine weitere Information entlocken. Immerhin: Aus einem Adressbuch von 1957 geht hervor, dass das Gebäude schon zu der Zeit als Jugendheim genutzt wurde. Ein Blick ins Zeitungsarchiv fördert die Information hervor, dass offenbar schon damals das Gebäude in keinem guten Zustand war.

Licht im Dunkel

1961 wurde die gesamte Einrichtung für 15 000 Mark erneuert. Damals sprach Senatorin Annemarie Mevissen die Hoffnung aus, dass bald in allen Heimen der Stadt das Provisorium beseitigt werden könne.

Etwas Licht ins Dunkel bringen Deputationsvorlagen des Bremer Senats. Ein Planaufstellungsbeschluss zum Bau der Reihenhäuser im hinteren Bereich des Grundstückes wurde von der Baudeputation am 6. Februar 2014 mit dem Bebauungsplan 92 beschlossen. Aus der Begründung zum „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ lassen sich einige Informationen ableiten.

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So wurde das Grundstück, 1900 Quadratmeter, mit der Flurnummer 411 als ganzes verkauft, also inklusive des Jugendfreizeitheimes. Ein neuer Bebauungsplan musste aufgestellt werden, weil der alte im hinteren Bereich nur Nebenanlagen vorsah.

Reihenhäuser hätten also nach dem alten Bebauungsplan nicht gebaut werden dürfen. In den neuen Bebauungsplan schrieb das Bauressort die Auflage, dass das bestehende Gebäude des Freizeitheimes nicht mit den neuen Häusern verbunden werden dürfte. Damit sollte eine zu dichte Bebauung verhindert werden.

Der damaligen Begründung ist außerdem zu entnehmen, dass das Freizeitheim erhalten und „derzeit zu einem Wohnhaus umgebaut“ werde. Festgehalten ist außerdem eine gestalterische Einfriedung des Grundstücks zur Westerholzstraße. Damit sind eine Hecke oder einheimische Sträucher gemeint. Beides ist offensichtlich nicht geschehen.

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Schon immer baufällig gewesen

Ullrich Höft, ehemaliger Ortsamtsleiter Hemelingen, kann sich noch an den Verkauf erinnern, allerdings fehlen auch ihm die Details. „Da war schon sehr lange die Frage, was mit dem Gebäude passieren soll.“ Die Grundstücksvermarktung habe bestimmt zehn Jahre gedauert.

Der Grund, so meint sich Ullrich Höft zu erinnern, sei eben das sehr baufällige Gebäude des Jugendfreizeitheims gewesen. Noch im Betrieb habe es wohl reingeregnet. „Und es gab Probleme mit lauter Musik und Konzerten“, erinnert sich Ullrich Höft. Die ehemaligen Mitarbeiter seien nach der Schließung zum Teil in das Wehrschloss und in das neue Jugendhaus gewechselt. „Aber die müssten jetzt auch schon im Ruhestand sein“, sagt Ullrich Höft. Auch sein Nachfolger Jörn Hermening tappt im Dunkeln. „Es gab wohl einen Eigentümerwechsel, deswegen hat sich da wohl nichts getan.“

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Weiterverkauf an privat

Immobilien Bremen, das die Liegenschaften der Stadtgemeinde betreut und auch für den Verkauf von Gebäude und Grundstücken zuständig ist, bestätigt den Verkauf des Gebäudes 2013. Damals seien das Grundstück und das Gebäude gemeinsam an einen privaten Käufer verkauft worden, teilt Pressesprecher Peter Schulz auf Nachfrage mit. „Unseres Wissens nach wurde dann das Flurstück mit dem Jugendfreizeitheim weiterverkauft.“ Mit dem Verkauf in private Hand,endete die Zuständigkeit von Immobilien Bremen.

Immerhin, es scheint sich nun wieder etwas zu regen in der Westerholzstraße. „Vor zwei Wochen waren einige Leute hier und haben sich das angeguckt“, ist Andreas Bogner aufgefallen. Vielleicht findet sich ja doch noch jemand, der sich erbarmt und das Gebäude abreißt.

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