Geschichtskreis stellt umfangreiches Werk mit Recherchen von Detlef von Horn vor Sebaldsbrück, das Buch

Sebaldsbrück. Der Geschichtskreis Sebaldsbrück hat im Gemeindehaus Die Brücke jetzt ein umfasswendes Werk über den Ortsteil vorgestellt: „Sebaldsbrück einst und jetzt“. Die Gruppe hatte sich vor 16 Jahren mit dem Vorsatz zusammengetan, alles über den Hemelinger Ortsteil zusammenzutragen.
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Von Edwin Platt

Sebaldsbrück. Der Geschichtskreis Sebaldsbrück hat im Gemeindehaus Die Brücke jetzt ein umfasswendes Werk über den Ortsteil vorgestellt: „Sebaldsbrück einst und jetzt“. Die Gruppe hatte sich vor 16 Jahren mit dem Vorsatz zusammengetan, alles über den Hemelinger Ortsteil zusammenzutragen. Seither recherchiert er zu örtlichen Besonderheiten, zu den Bewohnern und Gegebenheiten.

Mit Spürsinn und Akribie, Ausdauer und dem Sinn für früheres Leben, und durch beharrliches Forschen zeichnete sich besonders Detlef von Horn aus, der an einigen Auflagen des Geschichtskreises beteiligt war, und sich in den vergangenen Jahren intensiv dem Buch über Sebaldsbrück gewidmet hat. Erleben durfte er die Erstauflage nicht mehr, Detlef von Horn starb nach kurzer Krankheit Anfang August.

Sein Erbe für die Geschichtswerkstatt sind tausende Bilder und viele Seiten Texte, teils illustriert, teils in Zusammenhang gebracht, teils als Bruchstücke eines Gesamten erkennbar, teils Rätsel aufgebend. Für die Geschichtswerkstatt, das sind Margret Behrens, Helmut Brockmann, Marie Luise Schwiebert, Falk Möllenhoff, Tilman Gansz-Ehrhorn, Reiner Meissner, Helmut Rohde, Margret Gierling, Heinz Kappner und Georg Schumacher, war klar, das muss zum Buch werden. „Wir haben nur Texte von von Horn genommen, haben seine Unterlagen sortiert und seine Fotos gesichtet und das Buch daraus gemacht“, erklärt Falk Möllenhoff.

Was Pastor Tilman Gansz-Ehrhorn im Gemeindesaal der Versöhnungsgemeinde hoch hält, ist eher ein Wälzer als das Geschichtsheft eines Stadtteils. Feste Deckel halten fast 300 DIN-A-4- Seiten zusammen. Schon der Einband weckt Neugier durch Fotos, denn alte Gastronomie und Bahnhof, Industrie und die Büste Borgwards, der Pferdewagen einer Brauerei voller Fässer vor dem Gasthof – all das ist und war Sebaldsbrück. „Ich kam vor 23 Jahren in diese Gemeinde. Auch als Privatmensch mit Lokalinteresse kam ich zur Geschichtswerkstatt“, erzählt Gansz-Ehrhorn. Heinz Keppner liest vor: „Die Entstehung Sebaldsbrücks. Es war unbewohntes feuchtes Land.“

1720 gibt es drei Ortsnamen: Sebaldsbruck, Sebaldsbrug und Sebaldsbrygen. Erste Karten von 1776 zeigen Sebaldsbrück. Sedelhof wäre ein Sattelhof, der hier gewesen sein könnte. Brück, also eine Brücke zu dem Hof, hat man nie gefunden. Sebaldus ist ein Heiliger, zu dem allerdings auch keine Verbindung gefunden werden konnte. Schon ein paar Seiten weiter und Generationen später, wird es abseits von Jahreszahlen unterhaltsam.

Der Verkehr zwischen Sebaldsbrück und Hemelingen, also zwischen Bremen und Preußen, unterliegt dem Zoll. Tabak und Salz sind Schmuggelgüter der Zeit, und besonders Frauen nutzen die Distanz aus, die Zöllner aus Anstand halten sollten. Tabakblätter binden sie sich beim Grenzübertritt hoch oben, unter langen Röcken, an die Schenkel. Der Cul de Paris, oder auch Nüh, wie der Pariser Hintern in Bremen wohl genannt wurde, eignete sich ideal zum Schmuggeln von Salz. Das Kissen oder Polster band sich die Dame um, um ihrem Hintern Volumen zu geben und höhlten es aus, um Platz für das Salz zu haben. Die Kontrolle dieses Körperteils durch Zöllner galt als höchst unschicklich.

Über einen Mahndorfer Bauern ist zu lesen, dass er seine Pferde umerzog. Sie galoppierten beim „Brrr“ davon. Langsam steuerte der Bauer mit seinem Pferdewagen die Zollstation an. Der Zöllner rief „Brrr“. Fast fiel der Bauer vom Bock, so schien es, und dass die Gäule durchgingen, daran mochte der Zöllner keine Schuld haben. Ein Sebaldsbrücker Butjer, die Wilhelm-Busch-Siedlung, die Galopprennbahn, Mythos Borgward, das Gut Sebaldsbrück – das sind nur einige der Kapitel in dem Buch „Sebaldsbrück einst und jetzt“ vom Geschichtskreis Sebaldsbrück, das für zehn Euro in der Erstauflage von 200 Stück abgegeben wird.

Möglich wurde der Preis durch WiN-Fördermittel. „Sebaldsbrück einst und jetzt“ erhältlich beim Geschichtskreis und in der Brücke, Sebaldsbrücker Heerstraße 52.

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