Bremer Labskaus-Essen

Seemannsmission zieht in den Industriehafen

Beim traditionellen Labskaus-Essen der Bremer Seemannsmission wurde offiziell bekannt gegeben, dass die Mission 2018 in den Industriehafen zieht.
10.11.2017, 19:35
Lesedauer: 2 Min
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Von Sigrid Schuer

Die Nachricht des Abends vorweg: Bürgermeister Carsten Sieling sagte beim traditionellen Labskaus-Essen in der Seemannsmission, es werde keinen Wohnungsbau im Neustädter Hafen geben. Sieling erlebte als Ehrengast seine Premiere bei dem Benefizabend, der am Freitag zum letzten Mal in dem Gebäude Jippen 1 in der westlichen Altstadt veranstaltet wurde.

„Dies ist ein historischer Abend“, betonte Arendt Hindriksen, 1. Vorsitzender des Vereins. „Wenn wir überleben wollen, müssen wir uns notgedrungen verkleinern.“ Geschuldet sei das vor allem dem enorm schnellen Umschlag in den bremischen Häfen. Seit den 1950er-Jahren ist die Seemannsmission Eigentümerin der großzügigen Räumlichkeiten, die nun zum Verkauf stehen. Nächstes Jahr ist ein Umzug in den Industriehafen geplant.

Seemannsmission bedeutet gelebte Solidarität

Im Zuge des Umstrukturierungsprozesses werden sieben der neun Mitarbeiter der Seemannsmission entlassen. Sie sollen laut Hindriksen eine großzügige Abfindung erhalten. Auch Seemannspastorin Jutta Bartling wird von Bord gehen und die Gestaltung des Neuanfangs der Mission einem neuen Diakon überlassen.

Bürgermeister Sieling unterstrich in seiner Ansprache die Bedeutung der Hafenstadt Bremen generell und die herausragende Sozialarbeit, die von der Seemannsmission geleistet wird, im Besonderen. Die Mission setze sich seit über 160 Jahren für das Wohl der Seeleute ein. „Sie sorgen dafür, dass sie nicht zu 'Gefangenen' ihres eigenen Schiffes werden“, betonte Sieling und monierte die oft unsicheren Arbeitsverhältnisse an Bord. „Seemannsmission – das bedeutet gelebte Solidarität“, fügte der Bürgermeister hinzu.

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Ralf Knapp, Leiter des Bremer Kriminal Theaters, war ein weiterer Gast des Abends, der auftrat. Plastisch schilderte er in seiner szenischen Lesung aus Alfred Lansings Roman „635 Tage im Eis – Die Shackleton-Expedition“, wie das Forschungsschiff „Endurance“ 1915 in der Antarktis unter dem immensen Druck von zehn Millionen Tonnen Eis förmlich zermalmt wurde.

Unter den Gästen des Benefizabends befand sich auch Dieter Gerdes, der als Wissenschaftler an Bord des Forschungsschiffes „Polarstern“ sozusagen auf den Spuren von Sir Ernest Shackleton 13 Antarktis-Expeditionen unternommen hatte. Mit dem Spendenergebnis von 4500 Euro, das der Benefizabend erbrachte, können nun Weihnachtsgeschenke für die Seeleute gekauft werden. Seemannspastorin Jutta Bartling wird die Präsente kurz vor Weihnachten an Bord bringen.

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