"Pidder Lüng" Seenotrettungskreuzer auf Landgang

Der Seenotkreuzer ist für drei Monate in der Hauswerft der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Bremen und wird dort instandgesetzt.
09.06.2018, 19:38
Lesedauer: 3 Min
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Seenotrettungskreuzer auf Landgang
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Viel zu tun gibt es in der Werfthalle der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in der Bremer Neustadt. Alle drei Jahre werden die Schiffe der Seenotretter dort turnusmäßig generalüberholt. Aktuell ist der Seenotrettungskreuzer „Pidder Lüng“ in der Hansestadt, um hier wieder auf Vordermann gebracht zu werden.

Normalerweise liegt das Schiff im Einsatzhafen von List auf Sylt, der nördlichsten Station der DGzRS. Durch die Rettungs- und Übungsfahrten sind Bestandteile wie die Schleppleine oder die Dienstflaggen im Laufe der Zeit verschlissen und müssen deshalb ausgetauscht werden. Um der Crew die tägliche Arbeit zu erleichtern, wird unter anderem auch ein neues System installiert, um das Beiboot auf hoher See einfacher einzuholen. Bis all diese Handgriffe erledigt sind, dauert es etwa drei Monate.

Aus der Weser hinaus

Auch wenn die „Pidder Lüng“ zurzeit nicht im Einsatz ist, sind ein bis zwei Besatzungsmitglieder immer bei dem Schiff. Sie begleiten die Arbeiten in der Werft und legen auch selber Hand an. In der hauseigenen Werkstatt fertigt Maschinist Christopher Kölln eine Halterung für einen Feuerlöscher, die später in dem Seenotkreuzer angebracht wird.

„Egal ob schweißen, bohren oder sägen, als Maschinist braucht man auch handwerkliche Fertigkeiten“, sagt Kölln. Daneben ist er auch im ständigen Austausch mit dem Stationsleiter auf Sylt und hält seine Kollegen so über die Arbeiten in Bremen auf dem Laufenden.

„Ich kann es gar nicht abwarten, bis das Schiff endlich wieder auf dem Wasser ist“, berichtet Kölln. Für 14 Tage ist er nun in der Hansestadt. „Wir sind immer zwei Wochen im Dienst und zwei Wochen zu Hause, egal, ob der Seenotkreuzer im Einsatz ist oder in der Werft liegt“, berichtet Kölln.

Doch bevor die Arbeiten beginnen konnten, musste die „Pidder Lüng“ aus der Weser hinaus an Land gebracht werden. Dafür kommt das Schiff auf einen Schwimmwagen, der über eine sogenannte Slipanlage an Land gezogen und anschließend auf Schienen in die Werft gebracht wird. Ohne den Schwimmwagen könnte der Seenotkreuzer nicht in der Halle stehen.

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Obwohl das Schiff nicht mehr im Wasser ist, bekommen die Werftarbeiter trotzdem immer wieder das Gefühl, als seien sie auf hoher See. Wenn mehrere Menschen an Deck laufen oder schwere Ersatzteile auf den Rettungskreuzer gehievt werden, schaukelt das Schiff ein wenig. Dafür verantwortlich sind die Seile, mit denen das Boot befestigt ist.

Auf der Hauswerft der DGzRS arbeiten 15 festangestellte Mitarbeiter, wie Schlosser, Tischler oder Funkelektroniker. Bei speziellen Arbeiten werden sie von Handwerkern anderer Betriebe unterstützt, wie beispielsweise bei der Folierung der „Pidder Lüng“. Doch bevor die Schilder- und Lichtreklamehersteller Sven Bode und Niklas Häwecker damit beginnen können, müssen sie erst einmal die Flächen reinigen, damit die Folie auch haften kann. Anschließend beginnt die eigentliche Tätigkeit, eine schweißtreibende Arbeit.

Mit Seilen gesichert

Die ersten roten Streifen befestigen sie rund um die Schiffsbrücke von der Rehling aus. Mit viel Fingerspitzengefühl bringen sie die roten Bahnen, die den Rettungskreuzer auch als solchen erkennbar machen sollen, auf die weiß gestrichene Fläche. Später müssen die Schilder- und Lichtreklamehersteller noch Teile des Daches bekleben und sich dafür in schwindelerregende Höhen begeben.

Damit sie nicht herunterfallen, werden sie mit Seilen gesichert, die an einem gelben Lastenkran befestigt sind. Die „Pidder Lüng“ ist der erste Rettungskreuzer, der mit dieser Folie beklebt wird. „Wir wollen testen, wie lange die Folie hält. Wenn sie überzeugt, werden auch andere Schiffe damit ausgestattet“, sagt Christian Stipeldey, Sprecher der DGzRS.

Je länger sich der satte Rot-Ton hält und nicht von der Sonne verblichen oder vom Salzwasser angegriffen wird, desto besser. Die „Pidder Lüng“ wurde im Dezember 2013 in Dienst gestellt. Seitdem ist der Seenotkreuzer zum zweiten Mal in der Werft. In der Hansestadt ist sie zum ersten Mal zu Besuch. „Der erste Check findet immer in der Werft statt, in dem der Seenotkreuzer gebaut wurde.

Danach kommen die Schiffe in der Regel in unsere hauseigene Werft nach Bremen“, erzählt Stipeldey. Wenn die Arbeiten im Zeitplan bleiben, wird die „Pidder Lüng“ Bremen Ende des Monats verlassen und zurück nach List schippern. Dann kommt sie wieder zum Einsatz, um Menschen vor der Insel Sylt vor dem Ertrinken zu retten.

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