Neue Läden in den Stadtteilen Mitte und Östliche Vorstadt sprechen unterschiedliche Sinne an

Sehen, tasten, schmecken, fühlen

Mitte.Östliche Vorstadt. Kulinarisch geht es einmal um die Welt, fürs Auge ist etwas dabei, und der Kopf kommt auch nicht zu kurz: In der Geschäftswelt in den Stadtteilen Mitte und Östliche Vorstadt bewegt sich einiges. Vier Beispiele.
12.10.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Liane Janz

Mitte.Östliche Vorstadt. Kulinarisch geht es einmal um die Welt, fürs Auge ist etwas dabei, und der Kopf kommt auch nicht zu kurz: In der Geschäftswelt in den Stadtteilen Mitte und Östliche Vorstadt bewegt sich einiges. Vier Beispiele.

Rossmann ist im Sommer von der Ecke Brunnenstraße in den ehemaligen Supermarkt Vor dem Steintor 146-150 gezogen. Der große Laden an der Straßenbahnhaltestelle blieb nicht lange leer. Der Steintor-Bazar hat Anfang Oktober dort aufgemacht. In den Regalen stehen nun türkische Süßigkeiten, Tee, Reis und Gebäck. Shogufa und Khalil Qaderi betreiben bereits seit zehn Jahren den Mixed Shop ein Stück weiter östlich im Steintor. Allerdings ist der Laden recht klein. „Dadurch konnte ich nicht alle Warengruppen anbieten“, sagt Shogufa Qaderi. Als dann der Laden an der Haltestelle frei wurde, griffen die Geschäftsfrau und ihr Ehemann zu. Derzeit besteht das Sortiment überwiegend aus persischen, afghanischen, türkischen und arabischen Lebensmitteln. „Wir haben vor, indische und afrikanische Lebensmittel noch mit rein zu bringen“, sagt Shogufa Qaderi. Aber erst mal fange sie klein an. „Dann guck ich, was die Kunden wünschen.“ Kundinnen und Kunden haben sie schon jede Menge, aus allen Kulturkreisen. Sie bekommen dort Dinge, die es im klassischen Supermarkt nicht unbedingt gibt, wie Kräutermischungen für persische Gerichte, viele verschiedene Trockenfrüchte, frische Okraschoten oder Halal geschlachtetes Fleisch. Der Renner sei das arabische Brot, sagt Shogufa Qaderi. Die runden, dünnen Scheiben kommen bei einem Großteil der Kundschaft gut an. Geöffnet ist der Steintor-Bazar von montags bis sonnabends von 9 bis 22 Uhr. Werden größere Mengen eines Produktes benötigt, können die unter 34 66 24 77 vorbestellt werden.

Eine Plattform für Aktivitäten und Veranstaltungen hat das Frauen-Kultur-Labor Thealit Vor dem Steintor 133 mit der „Debatterie“ eingerichtet. Wo es im Sommer Erdbeeren und Spargel gibt, dürfen die nächsten sechs Monate diskutiert werden und den Worten Taten folgen. Die Premiere im neuen Raum gestalten am Freitag, 21. Oktober, von 17 bis 20 Uhr Johanna Meyer und Sophie de Beukelaer mit Regisseurin Christina Pfrötschner mit ihrer Theater-Installation „Alles wird gut“. Der Laden wird dann in verschiedene kleine Echoräume unterteilt, die gewisse Situationen reflektieren sollen. Im November gibt es mit „Le Coq est mort“ ein kleines und ein großes Spektakel und die Performance „Don’t lie in bed with shoes on“. Mehr dazu steht online auf www.thealit.de/lab/debatterie.

Wer sich nach so viel geistigem Input gern körperlich stärken möchte, zieht am besten weiter nach Osten. In der Hamburger Straße 220 steht Grappa auf dem Menü – in all seinen, dem gemeinen Nordeuropäer eher unbekannten, Varianten. Das Lokal gebe es schon seit Jahrzehnten, irgendwann sei es eine Werder-Kneipe gewesen, dann hieß es „Buona Vita“, erzählen Sonja Decker und Mui Yücel, die dort nun ihr „La Grappa“ aufgemacht haben. Die mediterrane Küche ist auf saisonale Zutaten abgestimmt, derzeit mit viel Pilzen. Die kleine Speisekarte und die Tafeln an der Wand weisen irisches Rindersteak und iberisches Schweinefleisch aus. Pappardelle und Tagliatelle – beides sind Nudelarten – macht Koch Mui Yücel selbst, während Sonja Decker den Service in der Hand hat. Den Grappa gibt es bislang ausschließlich zum Trinken, doch das soll sich ändern. „Ich werde damit meinen Fisch und mein Fleisch marinieren“, sagt Mui Yücel. Die Auswahl ist groß: Abgesehen vom klassischen, klaren Getränk, haben die beiden auch Oliven-Grappa, Zimt-Grappa, Schokoladen-Grappa und andere Geschmacksrichtungen da. 30 Sorten sollen es mal werden. Ein Grappa-Menü ist derzeit noch nicht geplant, wohl aber ein Weinabend am 6. November, natürlich auch mit Schwerpunkt auf italienische, französische und spanische Zutaten. Zum Vier-Gänge-Menü gibt es die passenden mediterranen Weine. Wer es lieber alkoholfrei mag, kann sich an die selbstgemachten Limonaden, beispielsweise mit Rhabarber, Ingwer oder Lavendel, halten. Geöffnet ist das „La Grappa“ von dienstags bis sonntags ab 18 Uhr. Montags ist Ruhetag. Reservierungen sind unter 4 76 08 52 möglich.

Mit ihrem Geschäft „Stehhübsch“ für Kunsthandwerk und Wohnaccessoires und einem neuen Konzept ist die Unternehmerin und Unternehmensberaterin Maren Bley vom Fedelhören zur Straße Außer der Schleifmühle 13 gezogen. Schalen aus Teakholz und Schönes und Nützliches aus Apfel- und Weinkisten sind eigentlich ihr Markenzeichen. Diese Waren verkaufte Maren Bley zunächst im Internet und seit 2015 in einem kleinen Souterrain-Laden im Fedelhören. Der platzte bald aus allen Nähten, und so musste was Größeres her. Neben ihren eigenen Artikeln hat die Unternehmerin nun auch ganz viel von anderen mit drin. Und das Konzept der Mietregale, das beispielsweise auch schon im Schnoor umgesetzt worden ist, für sich selbst in den Niederlanden entdeckt. Im neuen Laden hat sie etliche Weinkisten an die Wände geschraubt und über die sozialen Medien Aufrufe gestartet. „Innerhalb von vier Wochen waren wir ausgebucht“, sagt Maren Bley. Kunsthandwerkerinnen und ein Kunsthandwerker aus ganz Deutschland schicken ihr seither handgemachte Dekoartikel, Schmuck, Taschen, Kindersachen und Wandgarderoben, die sie in ihrem Laden in der gemieteten Weinkiste anbietet. Zu den Produzentinnen und dem Produzenten habe sie einen so guten Draht, dass sie auch Aufträge für Sonderanfertigungen weiterleiten kann. Ihren Mieterinnen gibt Maren Bley gern auch mal Tipps, beispielsweise zur Preisgestaltung – und so ergänzen sich Unternehmertum und Beratungstätigkeit. „Viele sind noch völlig neu“, sagt sie. „Stehhübsch“ ist montags, dienstags, donnerstags und freitags von 11 bis 18 Uhr und sonnabends von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Mittwochs ist Ruhetag. In den Souterrain-Laden im Fedelhören zieht demnächst ein Hundesalon ein. Darüber beim nächsten Mal mehr, wie über andere Veränderungen in der Geschäftswelt.

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