Sprachkenntnisse für den Alltag

Deutschkurse für Frauen mit Migrationshintergrund

Das Bildungsprojekt „Mama lernt Deutsch“ ist ein niedrigschwelliger Sprachkursus für zugewanderte Mütter. Das Angebot läuft inzwischen seit 20 Jahren erfolgreich.
27.09.2020, 18:09
Lesedauer: 3 Min
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Deutschkurse für Frauen mit Migrationshintergrund
Von Frauke Fischer
Deutschkurse für Frauen mit Migrationshintergrund

Maida Schino, Hana Mohamed und Nourshan Mohamad mit Sohn Mahmod (v.l.) lassen sich von Joanna Hakki die Grundlagen der deutschen Sprache beibringen.

Christina Kuhaupt

Bremen. Für die Teilnehmerinnen in den Kursen „Mama lernt Deutsch“ gibt es gute Gründe mitzumachen. Sie lernen die deutsche Sprache, während ihre Kinder nebenan im Schulunterricht sitzen. Die Frauen mit Migrationshintergrund wollen die Sprache lernen, um den Alltag leichter und vor allem selbstständig bewältigen zu können, sagt Dominika Rohr-Niestradt, die das seit 20 Jahren erfolgreiche Programm beim Paritätischen Bildungswerk leitet. Sie wollen Familie und Beruf alleine managen.

„Mütter bekommen hier die Gelegenheit, genau dort zu lernen, wo auch ihre Kinder lernen. Das gibt Sicherheit“, sagt sie. Außerdem seien die Kitas, Schulen und Betreuungseinrichtungen den Frauen vertraut. Das niederschwellige und alltagsorientierte Angebot gibt es in diesen Einrichtungen in zehn Stadtteilen an zwei Vormittagen pro Woche.

Die Teilnehmerinnen lernen Deutsch sprechen, lesen und schreiben. „Mit unseren ‚Mama lernt Deutsch‘-Kursen gelingt es uns, zugewanderten Müttern ein Lernangebot
zu machen, das sich an ihre Lebenssituation anpasst“, beschreibt Milda Girdzijauskaite, Fachbereichsleiterin Deutsch als Zweitsprache, das bedarfsorientierte Sprachkurs-Konzept.

Denn der Kommunikation im Alltag wird hohes Gewicht beigemessen, in Kita und Schule, beim Arzt und Einkaufen, bei Behörden und Beratungsstellen, mit Nachbarn und unterwegs. Ferner bekommen die Frauen hilfreiche Informationen für den Alltag in Bremen, den Austausch mit anderen Frauen in ähnlichen Lebenssituationen und zur Aus- und Weiterbildung.

„Die Teilnahme ist unkompliziert, unbürokratisch und unabhängig vom Aufenthaltsstatus“, erklärt Dominika Rohr-Niestradt. „Der Einstieg in einen laufenden Kurs ist jederzeit möglich, und die Anmeldung erfolgt zu den Unterrichtszeiten direkt bei der Lehrkraft vor Ort.“ Sie betont: „Kinder, die noch keinen Kitaplatz haben, sind während des Unterrichts in der angeschlossenen Kinderbetreuung direkt nebenan gut aufgehoben.“ Und noch ein wichtiger Aspekt: Die „Mama lernt Deutsch“-Kurse werden von der Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport gefördert und sind für die Teilnehmerinnen kostenlos.

„Ich komme gerne in den Kurs, weil es doch auch langweilig ist, immer nur zu Hause zu sein. Ich möchte Leute kennenlernen“, sagt die 28-jährige Emina Abduli, die aus Mazedonien stammt und seit drei Jahren in Bremen lebt. „Über ‚Mama lernt Deutsch‘ habe ich jetzt neue Freunde. Dafür bin ich sehr dankbar!“

Die gleichaltrige Zaineb Atteier, die seit acht Jahren in Deutschland lebt, will unbedingt weiterkommen. „Ich habe in Libyen einen Kurs und eine Prüfung zur Fotografin gemacht. Das wird hier aber nicht anerkannt. Ich will Deutsch lernen, weil ich arbeiten will. Ich möchte eine Ausbildung als Fotografin machen“, berichtet sie von ihren konkreten Vorstellungen und weiß, wie wichtig es dafür ist, die Sprache gut zu beherrschen.

Selbstbewusst zeigt sich die 31-jährige Marie Sakayanagi aus Japan, die erst vor einem Jahr nach Deutschland gekommen ist: „Das wichtigste für mich ist, dass ich mit anderen Müttern, denen es ähnlich geht wie mir, sprechen kann. Ich konnte kein Wort Deutsch, als ich hier angefangen habe. Jetzt geht es schon viel besser.“

„Mama-lernt-Deutsch“-Kurse seien sehr gefragt, berichtet Joanna Hakki, die seit 2013 beim Paritätischen Bildungswerk als Kursleiterin arbeitet. „Und immer voll.“ Hakki unterrichtet die Frauen in verschiedenen Bremer Grundschulen.

„Das 20-jährige Jubiläum unserer ‚Mama lernt Deutsch‘-Kurse haben wir uns anders vorgestellt“, bemerkt Rosi Leinfelder, Geschäftsführerin des Paritätischen Bildungswerks Bremen. „Aber wir sind schon froh,
dass wir seit dem Ende der Sommerferien den Unterricht an fast allen Kursorten wieder in Präsenzform durchführen können“, sagt Projektleiterin Dominika Rohr-Niestradt.

Oftmals seien es zwar noch kleinere Gruppen. Und teilweise gebe es eine Mischung aus Präsenz- und Online-Unterricht, um die Abstands- und Hygieneregeln immer einhalten zu können. „Aber da wir mit digitalen Angeboten während des Lockdowns sehr gute Erfahrungen gemacht haben“, so Rohr-Niestradt, „nehmen wir gerne etwas davon mit in unseren ‚normalen‘ Alltag.“

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