Sommersemester

Die Hörsäle in Bremen bleiben leer

Am 20. April soll das Sommersemester wieder losgehen - doch die Hörsäle werden leer bleiben. Unis und Hochschulen in Bremen bereiten sich auf ein digitales Semester vor.
09.04.2020, 08:12
Lesedauer: 4 Min
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Von Chantal Moll
Die Hörsäle in Bremen bleiben leer

Am 20. April soll das Sommersemester wieder losgehen, die Hörsäle werden aber leer bleiben. Stattdessen gibt es Online-Veranstaltungen. (Symbolbild)

Patrick Pleul

An der Universität Bremen soll wie an allen anderen Lehrstätten Deutschlands das Semester für die Studierenden am 20. April wieder losgehen. Präsenzveranstaltungen sind ausgeschlossen, das Sommersemester wird zunächst rein digital für die Studierenden verlaufen. Darauf haben sich die Staatsräte der Wissenschaftsressorts der Länder in einer Telefonkonferenz am vergangenen Freitag geeinigt.

Die Hochschule Bremen versorgt ihre Studierenden bereits seit knapp vier Wochen mit digitalen Veranstaltungen. Auch Prüfungen sollen online erfolgen oder wenn dies nicht möglich ist verschoben werden, sagt Ulrich Berlin, Pressesprecher der Hochschule. Berlin: „Die Verantwortung und der Umgang mit den Einzelfällen liegt in den Fakultäten. Die Prüfungsformen können ganz unterschiedlich sein.“ In den Fachbereichen mit praktischen Prüfungen könne hier eine Alternative in digitaler Form erfolgen oder eine Fristverlängerung der Prüfungsabgabe. „Es wirkt sich ganzheitlich aus, es betrifft jeden einzelnen Studenten und jede Studentin“, betont Berlin. Die Hochschule setze alles daran, dass sich diese Situation mit ihren Sonderregeln nicht zum Nachteil der Studierenden auswirkt. Es gelte vor allem, dass die Studentinnen und Studenten von Studienverlängerungen durch die Corona-Krise verschont bleiben.

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Webkonferenzen

„Seit Beginn der Pandemie planen wir Online-Veranstaltungen“, berichtet Thomas Hoffmeister, Konrektor der Uni Bremen. Für die Online-Veranstaltungen gebe es mehrere Szenarien. „Eines davon ist, dass die Vorlesungen mitsamt Power-Point-Präsentationen gestreamt werden“, erklärt Hoffmeister. Bei dieser Variante sei jedoch keine Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden möglich außer per Chat, wenn der Stream live erfolgt. Wenn das nicht so ist, können die Lehrenden mit ihren Studierenden einen Termin für den Chat vereinbaren, um Fragen zu klären.

Eine weitere Alternative ist die Webkonferenz. „Das ist für Seminare, in denen diskutiert wird, eine gute Möglichkeit. Hier kommen dann rund 30 Studierende in einem virtuellen Raum zusammen“, sagt der Konrektor. Die Lehrkräfte laden zuerst die Materialien hoch und vereinbaren dann mit ihren Studierenden Termine für die Webkonferenzen. Die Universität kauft in diesen Zeiten nicht nur diverse Lizenzen für die Web-Konferenz-Software Zoom, sondern auch für die Bücher in der Bibliothek, denn nicht jedes Buch darf online zur Verfügung stehen. „Die Bibliothek hat in dieser kurzen Zeit schon sehr gute Arbeit geleistet. Sie hat sich um die Lizenzen gekümmert, und die Mitarbeiter sind dabei, die PDF-Dateien hochzuladen“, berichtet Hoffmeister.

Für Studierende, die derzeit ihre Bachelor- oder Master-Arbeiten schreiben, sei die derzeitige Situation besonders schwierig. Die Studierenden mit einer praktischen Arbeit müssen diese nun abbrechen und sich ein neues, theoretisches Thema suchen. Die Abgabe erfolgt dann elektronisch, da auch alle Buchbindereien geschlossen sind. Die Verteidigung der Arbeit läuft als Web-Konferenz. Laborpraktika seien in diesem Semester auch nicht möglich, erklärt Hoffmeister.

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Für das vergangene Semester, also das Wintersemester 2019/20, sind alle Studierenden automatisch von dem Prüfungssystem „Pabo“ abgemeldet. Für eine Prüfung haben sie insgesamt fünf Versuche, wobei das System nicht die Versuche, sondern Semester zählt. Der erste Versuch ist das Semester der Anmeldung, darauf folgen weitere vier Semester. Teilweise werden Prüfungen nur alle zwei Semester angeboten, das heißt beispielsweise immer nur im Wintersemester, deswegen kann es bei einem letzten Versuch ausschlaggebend für Studierende sein, um einer Exmatrikulation zu entgehen. Die automatische Abmeldung im Prüfungssystem für die Studierenden hat den Vorteil, keinen Versuch für ihre Prüfungsleistung zu verlieren und diese zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. Außerdem können Studierende mit ihren Prüferinnen und Prüfern eine alternative Prüfungsleistung vereinbaren, wenn der Wunsch danach besteht. Das entscheiden alle Fachbereiche für sich. So kann beispielsweise aus einer mündlichen Prüfung oder Klausur auch eine Hausarbeit werden.

Asta sieht Probleme

Der allgemeine Studierendenausschuss (Asta) sieht eine Reihe von Problemen hinter dem digitalen Semester, wie Annemarie Krebs sagt. „Wir sind gespannt und gehen da mit Vorsicht ran“, so die zweite Vorsitzende des Astas. Im Interesse der Studierenden sei es das Wichtigste, die Qualität der Lehre zu erhalten und dafür zu sorgen, dass die Studierenden keinen Nachteil aus der Situation haben – auch langfristig gesehen. „Das betrifft gerade so etwas wie Langzeitstudiengebühren, Stipendien oder auch den Bafög-Beitrag“, sagt die 24-Jährige. Außerdem könne nicht bei jedem Studenten eine so gute Internetverbindung vorausgesetzt werden, dass das Programm einwandfrei funktioniert.

Bei Vorlesungen sehe der Asta die Situation weniger problematisch, jedoch bei Seminaren mit regen Diskussionen stelle sich eine Reihe von Fragen. „Gibt es dann eine Teilnehmerbegrenzung in den Seminaren?“, fragt sich Krebs. Darüber hinaus stellt sie es sich ziemlich anstrengend vor, wenn Studierende in Wohngemeinschaften alle gleichzeitig auf ein Online-Seminar zugreifen.

An der Universität Bremen sollten die Vorlesungen planungsgemäß am 14. April starten. Die Woche bis zum 20. April sollen Studierende und Lehrende dafür nutzen, um zu klären, in welcher Form der digitalen Möglichkeiten die Seminare stattfinden.

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