Hemelinger fordern Kunstrasenplatz an der Bezirkssportanlage

Senator Mäurer nimmt Bürgerwünsche mit

Hemelingen. 'Relativ zwanglos' wollte Ulrich Mäurer, Senator für Inneres und Sport, mit den Hemelingern ins Gespräch kommen. Zwei konkrete Anliegen haben die Hemelinger: Sie wollen einen Kunstrasenplatz an der Bezirkssportanlage und ein Bleiberecht für drei geduldete Familien.
02.06.2010, 18:21
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Melanie Öhlenbach

Hemelingen. 'Relativ zwanglos' wollte Ulrich Mäurer, Senator für Inneres und Sport, mit den Hemelingern beim Bürgerdialog ins Gespräch kommen und von ihnen wissen, was ihnen unter den Nägel brennt. Und er wurde nicht enttäuscht. Zwei konkrete Anliegen haben ihm die Hemelinger mit auf dem Weg gegeben: Sie wollen einen Kunstrasenplatz an der Bezirkssportanlage und ein Bleiberecht für drei geduldete Familien.

'Der Kunstrasenplatz am Weserwehr wird der Letzte sein', verkündete Senator Mäurer den rund 70 Hemelingern im Bürgerhaus. Zwar wisse er, dass es auch in Hemelingen den Wunsch nach einem ganzjährig bespielbaren Platz gebe, aber 'wir können nicht unbegrenzt neue errichten'.

Selbst die Entscheidung für den Kunstrasenplatz auf dem Gelände des Hastedter Turn- und Sportvereins bereitet dem Sportsenator Bauchschmerzen: 'Natürlich ist es ganz toll, wenn der Rasen neu ist. Aber ich bezweifle, dass das Geld da ist, wenn man ihn in zehn Jahren sanieren muss.'

Diese Nachricht hörten die Anwesenden gar nicht gerne. Der Kunstrasenplatz auf der Bezirkssportanlage sei eine sinnvolle Investition, sagte Quartiersmanager Jörn Hermening. 'Dort findet Integration statt. Wo sonst spiegelt sich das im Freizeitbereich wider?' Faro Tuncel vom Jugendhaus bezeichnete den Platz als einen 'sehr großen Wunsch des Sportvereins und der sozialen Einrichtungen'. 'Wir haben einen enormen Bedarf an Spielräumen', sagte er.

Bolzplatz an erster Stelle

Dies bestätigte auch Beiratsmitglied Karl-Heinz Otten (SPD): Beim ersten Hemelinger Jugendforum habe ein Bolzplatz an oberster Stelle der Wunschliste gestanden (siehe Bericht Seite 3). 'Wenn jetzt nichts passiert, fühlen sich die Jugendlichen nicht für voll genommen.' Er verurteilte daher die Vorgehensweise des Senators: 'Sie können sich nicht einfach hier hinstellen und sagen: Das war?s.' Er plädierte dafür, mit anderen Ressorts eine Lösung zu suchen.

Diese Anregung nahm Mäurer ebenso mit wie die Bitte, für drei Familien den Duldungsstatus aufzuheben, die bereits mehr als ein Jahrzehnt im Stadtteil leben. 'Die Familien sind bei den Einrichtungen als integrationswillig bekannt', sagte Cemal Kocas von Ein Haus für unsere Freundschaft. 'Die Kinder fühlen sich als Hemelinger und als Deutsche.' Es sei inhuman, so Kocas weiter, wenn 'diese Kinder, die hier aufgewachsen sind und den Stadtteil mit Leben füllen, abgeschoben werden'.

Mäurer zeigte Verständnis für die Situation. 'Wir haben kein zeitgemäßes Aufenthaltsrecht, sondern sind in den 60er-Jahren stehen geblieben.' Er ließ sich nach der Veranstaltung die Namen der betroffenen Familien geben und versprach, 'konkret den einzelnen Fällen nachzugehen.'

Keinen Diskussionsstoff bot hingegen die Sicherheit in Hemelingen - und das obwohl 2009 im Vergleich zum Vorjahr die die Zahl der Einbrüche um fast 70 Prozent von 146 auf 247 gestiegen ist. 'Es ist ein Problem, das nicht leicht zu bekämpfen ist', sagte Jörg Meier, Leiter der Polizeiinspektion Ost. Die einzelnen Straftaten konzentrierten sich nicht auf ein bestimmtes Quartier und eine bestimmte Uhrzeit, sondern seien 'relativ gleichmäßig verteilt'.

Generell gebe ihm der Stadtteil aber wenig Anlass zur Sorge: 'Aus meiner Sicht ist Hemelingen kein Kriminalitätsschwerpunkt.' Die Zahl der Straftaten sei teilweise nur leicht gestiegen und läge damit noch immer im Landesdurchschnitt. Eine gute Nachricht: Die Einbrüche in Fahrzeuge sind laut Meier um die Hälfte zurückgegangen. 'Das ist eher in Schwachhausen oder Horn-Lehe ein Problem.'

Werbetrommel für künstliche DNA

Trotz dieser Zahlen ermahnte Senator Mäurer die Bewohner, 'nicht ganz sorglos durch die Welt zu gehen'. 'Wir haben in Hemelingen zwar keine massiven Probleme, aber wir dürfen nicht leugnen, dass in Bremen jede zweite Tat ein Eigentumsdelikt ist.' Daher rührte er noch einmal die Werbetrommel für die künstliche DNA, mit der Wertsachen markiert werden können. Sie sei ein 'Beitrag zur Vermeidung' solcher Straftaten, so Mäurer.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+