Tanklager Farge: Schadstoffe im Grundwasser lassen sich nicht komplett beseitigen / Debatte auf Burg Blomendal Senator prüft Sonderkontrolle

Hat vergiftetes Grundwasser vom Tanklager Farge aus auch schon Erde an der Oberfläche vergiftet? Zwar ist sich Umweltsenator Joachim Lohse sicher, dass das eigentlich nicht passiert sein kann, trotzdem will er durch Messungen bis zur zweiten Aprilwoche Klarheit für die Menschen schaffen, die direkt auf der sogenannten Fahne des belasteten Grundwassers wohnen.
14.02.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Kölling

Hat vergiftetes Grundwasser vom Tanklager Farge aus auch schon Erde an der Oberfläche vergiftet? Zwar ist sich Umweltsenator Joachim Lohse sicher, dass das eigentlich nicht passiert sein kann, trotzdem will er durch Messungen bis zur zweiten Aprilwoche Klarheit für die Menschen schaffen, die direkt auf der sogenannten Fahne des belasteten Grundwassers wohnen.

Blumenthal. Podiumsdiskussion: Experten und Verantwortliche vorne geben Antworten auf die Fragen aus dem Saal, wo diejenigen sitzen, denen aus ihren Brunnen mitunter Benzingeruch in die Gärten strömt. Rund einhundert Zuhörer erleben im Haus Blomendal einen Umweltsenator und grüne Politiker in dem sichtlichen Bemühen, sich als Regierende auf die Seite der aufgebrachten Bürger zu stellen. Mehrfach weist Senator Joachim Lohse darauf hin, wie oft er früher als Jurist selbst solchen Bürgerinitiativen zur Seite gestanden habe.

Tatsächlich ist er als verantwortlicher Senator in einer Zwickmühle, die sich an dem Abend wie folgt darstellt: Er kann eine geforderte Schließung des Tanklagers nicht erzwingen, weil dort seit 1941 immer korrekte Betriebsgenehmigungen existierten und in jüngerer Zeit sogar noch Millionensummen investiert worden sind. Außerdem hat seine Aufsicht in den vergangenen Jahren nie Zweifel an der Zuverlässigkeit des Betreibers erhoben. Die massiven Bodenverunreinigungen scheinen demnach noch vor Ende der 80-er Jahre passiert sein.

Umweltjurist Malte Kohls vom Unternehmen "BBG und Partner" schlägt Lohse eine Argumentation vor, die vielleicht auch vor Gericht die Betriebsgenehmigung des Farger Tanklagers zu Fall bringen könnte: Ein Widerrufsgrund der Genehmigung könne sein, wenn sich die tatsächliche Situation vor Ort geändert habe. Davon könne man angesichts der Größe des Schadens ja wohl durchaus sprechen, so Kohls. Komme man damit nicht durch, bleibt Kohls zufolge noch eine sehr genaue Sonderkontrolle der gesamten Tanklageranlage. Kohls wörtlich: "Man kann wohl davon ausgehen, dass im Kriegsjahr 1941 ein recht schlankes Genehmigungsverfahren durchgezogen worden ist."

Der grüne Senator hört dem Juristen genau zu und will diesen Weg nun prüfen lassen. Es gehe um die Verhältnismäßigkeit einer Schließung als Reaktion auf die Verseuchung des Grundwassers. Als Glück im Unglück stellt Lohse dar, dass der Bund als Eigentümer des Tanklagers für die Sanierung aufkommt – und für diese Sanierung stellt Bremen die Spielregeln auf. Senator Lohse: "Finden wir effektivere Wege bei der Bekämpfung der Schäden, werden wir umgehend durchsetzen, dass das so passiert." Wobei die Gartenbrunnen zugeschüttet werden müssen: Ganz auf Null werde man den Schadstoffgehalt im Grundwasser nie wieder bringen.

Der Altlastensanierer Georg Karfusehr hat sich die Messwerte der Schadstoffe, die Bodenbeschaffenheit und die Fließgeschwindigkeiten des Grundwasser angesehen: "Im kommenden Jahr brennt noch nichts an. Zehn bis maximal 30 Meter haben wir hier als maximale Fließgeschwindigkeit des Grundwassers pro Jahr. Aber die Fahne muss umgehend gestoppt werden." Passiere nichts, auch das wird deutlich, erreicht die Giftbrühe in einigen Jahren auch die Brunnen, aus denen Bremen trinkt – im Herzen des Trinkwasserschutzgebietes.

Für Heidrun Pörtner als Sprecherin der Bürgerinitiative ist nach wie vor unklar, wie so etwas jahrzehntelang unentdeckt bleiben konnte. Das Wort "Vertuschung" macht im Saal die Runde. Doch das Murren währt nicht lang. Die Bürgerinitiative fordert von Joachim Lohse den Erhalt des Trinkwasserschutzgebietes, der erklärt das zur Selbstverständlichkeit.

Und dann liest der Hamburger den Bremern am Ende noch gehörig die Leviten: "Ich kenne keine vergleichbare Stadt in Deutschland mit so vielen Altlastverdachtsflächen wie Bremen, keine Stadt, in der ähnlich achtlos mit dem Gut Grundwasser – also Trinkwasser – umgegangen worden ist. Dabei ist das unser wichtigstes Grundnahrungsmittel."

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