Nach Hygieneskandal im Klinikum Bremen-Mitte Senatorin stellt Aktionsprogramm vor

Bremen. Gesundheitssenatorin Renate Renate-Jürgens-Pieper will am Dienstag in der Gesundheitsdeputation das "Landesaktionsprogramm Krankenhaushygiene" vorstellen. Ein ganzes Bündel von Maßnahmen soll künftig die Hygiene in Bremens Kliniken verbessern.
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Senatorin stellt Aktionsprogramm vor
Von Matthias Lüdecke

Bremen. Gesundheitssenatorin Renate Renate-Jürgens-Pieper (SPD) will am heutigen Dienstag in der Gesundheitsdeputation das "Landesaktionsprogramm Krankenhaushygiene" vorstellen. Ein ganzes Bündel von Maßnahmen soll künftig die Hygiene in Bremens Kliniken verbessern. Dass es dafür durchaus Ansatzpunkte gibt, findet auch Ulrike Manthau, Mitglied der Hygienekommission im Klinikum Mitte.

7500 bis 15.000 Patienten sterben Schätzungen zufolge bundesweit jedes Jahr an einer Infektion, die sie sich in einem Krankenhaus zuziehen. Eine erschreckend hohe Zahl, über die unter normalen Umständen selten gesprochen wird. In Bremen aber ist sie erst kürzlich wieder ins allgemeine Bewusstsein zurückgekehrt, durch die Vorfälle auf der Frühgeborenen-Intensivstation im Klinikum Mitte. Dort waren seit April 25 Frühchen mit einem multiresistenten Klebsiella-Keim in Kontakt gekommen, mindestens neun erkrankten daran, drei Frühchen starben.

Um diese Zahl einzudämmen, hat das Bundesgesundheitsministerium eine Neufassung des Infektionsschutzgesetzes auf den Weg gebracht. Und das wiederum hat auch Auswirkungen auf Bremen. Hier gibt es zwar schon seit 1990 eine Krankenhaushygieneverordnung, doch sieht das neue Infektionsschutzgesetz in einigen Bereichen strengere Regelungen, neue Personalschlüssel und eine Präzisierung organisatorischer Strukturen vor. Bis zum 31. März muss das in einer Verordnung auf Landesebene geregelt sein.

Auch die Meldewege überprüfen

Das "Landesaktionsprogramm Krankenhaushygiene", das Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) heute der Deputation präsentieren will, soll aber nicht bloß die bisher bestehende Verordnung neu regeln, sondern darüber hinaus gehen. Michael Huesmann, Sprecher in der Gesundheitsbehörde, sagt: "Das Programm soll ein ganzes Bündel von Maßnahmen umfassen." So wolle man auch prüfen, ob ein bestehendes Netzwerk auf andere, multiresistente Keime ausgeweitet werden könne. Und die Meldewege wolle man sich noch einmal genau ansehen, auch die zum Gesundheitsamt.

Ulrike Manthau sieht genau in diesem Verfahren durchaus den einen oder anderen Ansatzpunkt. Sie ist in der Hygienekommission des Klinikums Mitte die Vertreterin des Betriebsrats und kennt die Strukturen, die bei einem Vorfall wie etwa dem Keimausbruch auf der Frühchenstation greifen. Und Manthau sieht vor allem Verbesserungsbedarf in dem System, mit dem Keimbefunde gesammelt und weitergeleitet werden. Bisher geschieht das im Klinikum Mitte auf Papier, das in speziellen Ordnern gesammelt wird. Der Klinikverbund Gesundheit Nord hat kürzlich angekündigt, dass künftig ein Computersystem solche Befunde erfassen soll. Ein richtiger Schritt, wie Manthau findet, genauso wie die vorgesehene Neuerung, dass der Posten des Krankenhaushygienikers künftig mit einem Mediziner besetzt werden muss.

"Wenn man es schafft, ein System einzurichten, das solche Fälle automatisch meldet und einen Arzt hat, der dann sozusagen von außerhalb draufschaut, ist das sicher ein richtiger Weg. Das verringert die Gefahr, dass solche Fälle untergehen können", sagt sie. Und dennoch: Die Automatisierung hat für sie Grenzen. Nicht alles ist mit einer Software zu handhaben. Es bleibt stets auch ein Mensch, der eine Entscheidung trifft. "Das wird man immer haben", sagt Manthau, "ich glaube, dass man viele Dinge unternehmen kann, um das besser zu strukturieren und die Gefahr geringer zu gestalten. Man kann einen sehr hohen Standard erreichen - aber 100 Prozent Hygiene bekommt man einfach nicht hin."

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