Senatsweine Jahrgang 2020 vorgestellt

"Jo, kann man machen!"

Der Bremer Ratskeller und der Martinshof präsentieren die neuen Senatsweine: Einen trockenen und feinherben Riesling. Bei der Weinlese an der Mosel helfen Senatsmitglieder und Menschen mit Behinderung.
29.07.2021, 18:13
Lesedauer: 2 Min
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Von Hannah Krug
"Jo, kann man machen!"

Ratskellermeister Karl-Josef Krötz stellt den neuen Bremer Senatswein vor. Er heißt "Erdener Treppchen 2020“ und wurde in klassisch-schlanke Schlegel-Flaschen gefüllt.

Koch Frank Thomas

"Arbeit und Soziales verschmilzt mit Kunst und Hochgenuss". Unter diesem Motto stellten der Bremer Ratskeller und der Martinshof die Senatsweine aus dem Jahrgang 2020 vor: einen trockenen und einen feinherben Riesling aus der Spitzensteillage "Erdener Treppchen" an der Mosel.

Wer bei so einer Vorführung nicht fehlen darf, ist der Bremer Ratskellermeister Karl-Josef Krötz. Der 64-Jährige nimmt selbst den ersten Schluck, bevor er freudig die Qualitätsmerkmale der Weine formuliert: filigran und leicht sei der Tropfen, mit einem feinen Ausbau des Fruchtaromas. "Das beste Lob an der Mosel lautet: 'Jo, kann man machen!' Mehr geht nicht", sagt Krötz. "Wir versuchen immer das Optimum aus dem, was Gott uns schenkt, aus der begnadeten Lage herauszukitzeln." Der Ratskellermeister verweist auch auf die vorzügliche Lage des von Bremen gepachteten Steilhangs. "Wir haben 100 Prozent Südlage und einen fein-weichen Boden. Die Mineralität durch den Schiefer ist typisch für die Region."

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Soziale Zusammenarbeit

Das Besondere an diesem Spitzenwein sei zudem die Zusammenarbeit mit Beschäftigten des Martinhofes. Die Menschen mit Beeinträchtigung helfen nicht nur bei der Etikettierung, sondern legen auch direkt Hand an die Weinreben. Jedes Jahr im Oktober fährt eine Delegation aus Bremen nach Erden, um dort unter fachkundiger Anleitung bei der Weinlese und der Rebstockpflege mitzuhelfen. Mit dabei sind Beschäftigte des Martinshofes sowie mindestens ein Senatsmitglied. "Wir wollen den Vorwurf überwinden, dass die Beschäftigten hinter Mauern geschützt werden. Sie sind Teil unseres Lebens", sagt Werkstattleiter Johann Horn.

Dennis Arndt und Stephanie Dekarski vom Martinshof wollten eigentlich schon im vergangenen Jahr in den 500 Kilometer entfernten Ort reisen und mit anpacken. Coronabedingt musste die Aktion jedoch ausfallen. Umso mehr freuen sie sich auf diesen Oktober. "Es wird toll, etwas anderes zu sehen", sagt Arndt. Dekarski hat auch ein wenig Respekt vor der anstrengenden Arbeit.

Wein und Kunst

Im Jahr 2018 wurde die gemeinsame Weinernte um ein Kunstprojekt ergänzt. Erntehelfer, dazu gehörten Laien und Menschen mit einer Behinderung, setzten sich in die Weinberge und gestalteten Bilder zum Thema Mosellandschaft und Bremen. "Wir müssen die Menschen mehr in den Vordergrund stellen", sagt der Initiator des Projekts, Stefan Justen, Winzer und Vorsitzender des Fördervereins Römerkelter Erden. Im darauffolgenden Jahr entwarfen Beschäftigte der Werkstatt Bremen und des DRK-Sozialwerks Bernkastel-Wittlich Skulpturen, die entlang eines Wanderweges im Erdener Treppchen ausgestellt wurden. Eine anschließende Versteigerung der Kunstobjekte ergab eine Summe von 6000 Euro. Der Erlös beider Projekte wurde zwischen dem DRK-Sozialwerk und der Stiftung Martinshof aufgeteilt.

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Der 1500 Quadratmeter große Weinberg erbrachte im vergangenen Jahr eine limitierte Auflage von 1300 Flaschen „feinherb“ und 1000 Flaschen „trocken“. Eine Flasche kostet 12,50 Euro und ist in den Verkaufsstellen des Martinshofes sowie im Ratskeller zu erwerben. "Ein paar Flaschen muss ich direkt auf Seite stellen, so schnell werden die mir aus den Händen gerissen", glaubt Krötz.

Info

Der Bremer Ratskeller ist seit mehr als 600 Jahren ein wichtiger Bestandteil der Weinkultur in Deutschland. Der Bremer Martinshof steht mit individueller beruflicher Bildung und Beschäftigung für die Integration zahlreicher Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft und das Arbeitsleben.

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