Freimarktsumzug: Bremer Begegnungen der humorvollen Art Sengstakes grüßen wieder

Bremen. Viel besser kann ein Comeback nach einjähriger Abstinenz nicht laufen: Die Huchtinger Löschknechte sind beim Freimarktsumzug am Sonnabend zur besten Laufgruppe gekürt worden. 'Sie haben das Publikum ganz toll mit einbezogen und für richtig Stimmung gesorgt', findet Freimarktchef Carl-Hans Röhrßen, der sich alle 146 Fahrzeuge und Fußtruppen angesehen hat.
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Von Christian meyer unD MONIKA FELSING

Bremen. Viel besser kann ein Comeback nach einjähriger Abstinenz nicht laufen: Die Huchtinger Löschknechte sind beim Freimarktsumzug am Sonnabend zur besten Laufgruppe gekürt worden. 'Sie haben das Publikum ganz toll mit einbezogen und für richtig Stimmung gesorgt', findet Freimarktchef Carl-Hans Röhrßen, der sich alle 146 Fahrzeuge und Fußtruppen angesehen hat.

Der Karnevalsverein Rot-Weiß gehört zu denen, die beim Freimarktsumzug nicht fehlen dürfen. 'Wir sind schon seit 1974 ununterbrochen dabei', sagt Präsidentin Hella Keller.

Und zwei andere alte Bekannte lächeln huldvoll von einem der Wagen herunter: Hannelore und Karl-Heinz Sengstake aus Hastedt, 'die Sengstakes". Vom 950. Bremer Freimarkt (1985) an waren die beiden acht Jahre lang die Symbolfiguren des Festes, gekleidet wie auf dem Poster von Volker Ernsting. 'Die Leute dachten immer, wir wären die Vorbilder für das Plakat gewesen. Aber es war umgekehrt", verriet Hannelore Sengstake schon vor Jahren unserer Zeitung.

Fast am Schluss des Zuges hat sich der Schwimmverein von 1910 eingereiht. Neele Sander läuft vor dem Wagen her. Als ob ihre Badekappe nicht Erkennungszeichen genug wäre, hält die 20-Jährige aus der Östlichen Vorstadt einen Hinweis auf die Internetseite ihres Vereins in die Kamera. 'Ich glaube, so viel wird da oben nicht getrunken', sagt sie und deutet mit dem Kopf auf den Lastwagen, von dem ihre Vereinskameraden Bonbons in die Menge werfen. 'Aber nachher wird bestimmt noch kräftig auf dem Freimarkt gefeiert.' Die Tanzschule Renz will mit dem Motto '246 Länderpunkte und 16 Tore' an Lenas Erfolg beim Eurovision Song Contest und die Tore der deutschen Nationalelf bei der Fußballweltmeisterschaft erinnern. Und so tanzen schwarz-rot-gold gekleidete junge Frauen und Männer zu Lenas Siegerlied 'Satellite' und Shakiras WM-Hymne 'Waka Waka'.

Tanzschule Stegmann hat sich ein orientalisches Motto ausgesucht: '1001 Tanz'. Ein halber Harem fährt auf einem der Festwagen durch die Stadt. Auch das Teatro Magico und das Geschichtenhaus aus dem Schnoor und die Musical Company nutzen den Umzug zur Eigenwerbung. 'Wir wollen hier natürlich auf unser Programm aufmerksam machen', sagt Thomas Blaeschke von der Musical Company aus Walle. Kim Bärly vom Teatro Magico sieht das ähnlich. Aber man sei natürlich auch zum Spaß hier. 'Wir wollen Farbe reinbringen.'

Rad sichergestellt

Die 'Overnigelander Fahrradfahrer' kennen vor dem Rathaus kein Halten mehr und bringen den sonst so geordneten Umzug immer wieder durcheinander. Ein echter Polizist stellt eines der Räder kurzfristig sicher - indem er aus Jux ein paar Meter fährt. Musikalisch wird das Treiben von den schottischen Klängen der Dudelsackspieler von 'Crest of Gordon' begleitet.

Vor der Jury ist eindeutig der beste Platz, um Bonschen einzusammeln, findet Chawitt aus Arbergen. 'Die mit den Bonbons sind die Coolsten', sagt er und hält seine kleine Mütze auf, weil der Wagen der SG Findorff naht. Schon prasselt ein wahrer Bonschenregen auf den Achtjährigen nieder. 'Boah, das war viel', ruft Chawitt.

Auch Vera und Yvonne von der Wilhelm-Focke-Oberschule aus Horn-Lehe sind beim Umzug dabei, um einen guten Eindruck zu hinterlassen - bei ihrer Lehrerin. 'Ich schätze, es kommt schon gut an, wenn wir hier helfen', so die 15-jährige Vera. Schließlich habe sie sich freiwillig dafür gemeldet, Bonschen in die Mengen zu werfen. Dafür hofft sie auf Pluspunkte bei ihrer Erdkunde-Lehrerin.

Wer keine Bonbons mag, kommt bei 'Slow Food' zum Zug. Der Genießerverein verteilt selbstgemachtes Sauerkraut mit Bismarckhering. Kraut statt Kamelle, das gibt?s auch auf dem Domshof - ischa Wochenmarkt. Der Käsehändler brüllt seine Kundschaft an, weil ihn sonst niemand verstünde. Der Ansager und die Musik übertönen alles. Die Kundin zuckt die Achseln, grinst und bestellt ohne Worte.

Zu den Jüngsten im Freimarktsumzug gehören die F-Jugend-Kicker des TuS Schwachhausen, die sich als Fußbälle verkleidet haben, aber auch Franjo und Chiara, beide neun Jahre alt, vom Spielmannszug des TV Mahndorf. 'So schwer ist das nicht', versichert Franjo tapfer, während er sich mit beiden Händen an das Vereinswappen klammert und weiter marschiert. Das Boot des Wasser- und Schifffahrtsamtes rollt gleich hinterher. Noahs Arche auf Rädern.

Mehr als 200 000 Menschen haben den Umzug aus der Nähe gesehen und viel Erstaunliches beobachtet. Es marschierten sogar Geschenke und Torten mit - denn der Freimarkt feiert zwar 975. Geburtstag, aber die Lebenshilfe ist fünfzig geworden.

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