Historische Bark in Bremerhaven "Seute Deern" bringt Museum in Not

Für den Nachbau der "Seute Deern" und den Museumshafen fallen nach Informationen des WESER-KURIER Instandhaltungskosten von mehr als 2,3 Millionen Euro pro Jahr an. Woher das Geld kommen soll, ist unklar.
12.12.2019, 23:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Jürgen Hinrichs

Der Nachbau der „Seute Deern“ und die weiteren geplanten Investitionen im Museumshafen von Bremerhaven stellen das Deutsche Schifffahrtsmuseum vor große Probleme. Nach einer internen Berechnung, die an diesem Freitag im Stiftungsrat des Museums beraten wird und dem
WESER-KURIER vorliegt, fallen für das gesamte Paket künftig Instandhaltungskosten von jährlich mehr als 2,3 Millionen Euro an. Zur Verfügung stehen dem Museum nach eigenen Angaben zurzeit aber nur rund 200.000 Euro. Völlig unklar, wie diese Lücke geschlossen werden kann.

Im vergangenen Monat hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages für den Museumshafen die Summe von 47,1 Millionen Euro genehmigt. 46 Millionen Euro allein für die „Seute Deern“. Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) sprach von einer „großartigen Nachricht“, er sei positiv überrascht. Angeschoben worden war die Entscheidung von den beiden Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs (Hamburg) und Uwe Schmidt (Bremerhaven). Sie löste allerdings nicht nur Freude aus. Insbesondere die Bremer Grünen machen aus ihrer Skepsis kein Hehl, sie befürchten hohe Folgekosten für Bremen und Bremerhaven.

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Erstmals gibt es dazu jetzt detaillierte Berechnungen. Die Zahlen beruhen auf einem Gutachten vom Oktober dieses Jahres und groben Schätzungen des Museums, wie es in dem Papier heißt. Die Gesamtsumme bei der Instandhaltung setzt sich aus den Kosten für die Schiffe im Wasser, die Objekte an Land, die museale Präsentation und das Personal zusammen. Größter Einzelposten ist mit jährlich 798.000 Euro die nachgebaute „Seute Deern“. Zusammengerechnet ergibt die regelmäßige Belastung einen Betrag von 2,34 Millionen Euro.

In der Aufstellung ist auch enthalten, welche einmaligen Kosten entstehen. Wieder ist die „Seute Deern“ am teuersten, in diesem Fall mit weitem Abstand. Insgesamt fallen für die Bark mehr als 38 Millionen Euro an. Der Neubau wird mit knapp 23 Millionen Euro veranschlagt. Oben drauf kommen die Mittel für Bergung und Rückbau der 100 Jahre alten „Seute Deern“, die wegen massiver Schäden am Rumpf nicht mehr gerettet werden kann. Schließlich noch das Geld für den Bau eines gläsernen Docks, für die Infrastruktur und die Projektsteuerung. Das Dock allein, an dem nach den Vorstellungen der Planer Besucher den Bau des Schiffs verfolgen sollen, schlägt mit knapp acht Millionen Euro zu Buche.

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Kommt es so, wie in den Berechnungen angenommen wird, ist das Geld aus Berlin mit dem Nachbau der „Seute Deern“ und der Instandsetzung der anderen Schiffe und Objekte fast zur Gänze aufgebraucht. Noch ist allerdings offen, wie und für was genau die Mittel ausgegeben werden dürfen. Der Zuwendungsbescheid, in dem diese Einzelheiten enthalten sind, wird nach Mitteilung des Museums frühestens im Januar erwartet.

Der Stiftungsrat hat für seine Entscheidungen also noch keine Grundlage. In der Vorlage für die Sitzung am Freitag wird deshalb vorgeschlagen, den Bericht zum Museumshafen lediglich zur Kenntnis zu nehmen. Außerdem soll eine Lenkungsgruppe eingesetzt werden, geführt von der Senatorin für Wissenschaft und Häfen. Claudia Schilling (SPD) ist auch Vorsitzende des Stiftungsrats.

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Die Regierungsfraktion der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft hat zur „Seute Deern“ und dem Museumshafen eine Anfrage an den Senat gestellt. „So charmant die Idee eines Neubaus der ,Seute Deern‘ ist – sie hat manche Fallstricke“, warnt Solveig Eschen, wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen. Angesichts der bisherigen Erfahrungen mit dem Museumshafen müsse im Vorfeld genau geklärt sein, ob der Bund auch im Falle einer Kostenexplosion die alleinige Verantwortung übernimmt und weitere Mittel bereitstellt, so die Abgeordnete. Eine Beteiligung des Landes durch die Hintertür müsse von vornherein ausgeschlossen sein. Das Geld werde für andere Zwecke im Wissenschaftsbereich benötigt.

Eschens Fraktionskollege Maurice Müller, hafenpolitischer Sprecher der Grünen, bezeichnet den geplanten Nachbau der „Seute Deern“ als „Sahnehäubchen“ für den Museumshafen. Vorher müsse allerdings die Basis stimmen. Für die Instandhaltung der Schiffe sei in den nächsten Jahren viel Geld nötig. „Dafür ist noch kein Konzept erkennbar“, kritisiert Müller.

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