Bremer Senat beschließt Verfahren

Sexistische Werbung soll von Plakatwänden verschwinden

Der Senat hat Leitlinien verabschiedet, die es ermöglichen, dass sexistische Plakate auf öffentlichen Werbeflächen Bremens abgehängt werden müssen. Eine Beschwerdestelle entscheidet darüber.
04.04.2017, 15:43
Lesedauer: 3 Min
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Sexistische Werbung soll von Plakatwänden verschwinden
Von Ralf Michel
Sexistische Werbung soll von Plakatwänden verschwinden

Was ist sexistisch und was nicht? Dieses Plakat jedenfalls sei in Ordnung, da es Unterwäsche bewerbe und die Frauen nicht herabwürdige, sagt Frauenbeauftragte Ulrike Hauffe.

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Der Senat hat Leitlinien verabschiedet, die es ermöglichen, dass sexistische Plakate auf öffentlichen Werbeflächen Bremens abgehängt werden müssen. Eine Beschwerdestelle entscheidet darüber.

Für öffentliche Werbeflächen in Bremen gelten künftig Leitlinien gegen sexistische Werbung. Einen entsprechenden Beschluss der Bürgerschaft hat am Dienstag der Senat umgesetzt. Für die Landesfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe hätte dies sicherlich schneller geschehen können – den Anstoß hierfür gab eine Bürgerpetition aus dem Jahr 2013.

Und er hätte aus ihrer Sicht in seinen Formulierungen an der einen oder anderen Stelle auch schärfer ausfallen dürfen – der Senat orientiert sich an den Kriterien des Deutschen Werberates, den Hauffe in dieser Hinsicht als „eher schlapp“ bezeichnet. Insgesamt aber sei sie sehr froh über die Positionierung Bremens, betonte Hauffe. Denn dadurch könne man jetzt selbst entscheiden, was sexistisch ist und was nicht. Und müsse nicht mehr länger auf den Werberat warten.

Werbung in ihrem Kontext beurteilen

Und noch etwas ist der Landesfrauenbeauftragten in diesem Zusammenhang wichtig: „Wir rennen jetzt nicht wie die Sittenpolizei durch die Gegend.“ Es gehe nicht um „jedes Fitzelchen nackter Haut“, sondern vielmehr darum, Werbung in ihrem Kontext zu beurteilen.

Ein Beispiel dafür, wie es auch laufen kann, ist das Werbeplakat eines Dessousherstellers, über das sich eine Bürgerin unlängst beschwert hatte. Die Reklame zeigt fünf Frauen, die bäuchlings nebeneinander auf einem Sofa liegen. Bekleidet sind sie lediglich mit einem Slip, der Werbeschriftzug besteht allein aus dem englischen Wort „poetry“, hier wohl im Sinne von „Poesie“ gemeint.

Hauffe und ihre Kolleginnen in der „Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau“ (ZGF) kamen jedoch zu dem Schluss, dass diese Werbung nicht sexistisch sei. Es gebe einen eindeutigen Produktbezug, die Slips, für die geworben wurde, hießen tatsächlich „poetry“ und die Frauen würden auch nicht herabgewürdigt. Kurzum: Keine Beanstandung aus Sicht der ZGF, das Plakat musste nicht abgehängt werden.

Leitlinien für öffentliche Werbeflächen

Für öffentliche Werbeflächen in Bremen gelten künftig Leitlinien, die den Grundsätzen des Deutschen Werberats gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen entsprechen. Der Werberat nennt Kriterien, um im Einzelfall ein Werbemotiv als frauen- oder männerfeindlich zu bewerten. Hauffe macht allerdings kein Hehl daraus, dass sie den Grundsätzen des Werberats wenig abgewinnen kann.

Dessen schärfstes Schwert sei ohnehin nur die Rüge und nicht einmal die werde besonders häufig ausgesprochen. Im Gegenteil: Die Sensibilität bei diesem Thema sei gestiegen und es gebe deutlich mehr Beschwerden, doch die Zahl der vom Werberat ausgesprochenen Rügen sei rückläufig.

Doch der Senatsbeschluss schaffe in Bremen jetzt eine neue Grundlage: Bürgerinnen und Bürger können sich ab sofort an eine eigens hierfür bei der ZGF angesiedelten Beschwerdestelle wenden, wenn sie an einer Werbung Anstoß nehmen. Die gibt dann eine Einschätzung ab, die sich vor allem an vier Fragen orientiert: Gibt es in der Werbung sexuelle Anspielungen, die nichts mit dem Produkt zu tun haben? Werden Körperteile als reiner Blickfang eingesetzt? Wird suggeriert, dass eine Person wie ein Konsumartikel käuflich ist? Und: Funktioniert die Werbung nur über die Andeutung von Gewalt?

Keine Sanktionsmöglichkeiten

Ihre Empfehlung leitet die ZGF an das zuständige Ressort weiter. In der Regel ist dies die Baubehörde, die zuständig für die Vermarktung der öffentlichen Werbeflächen ist. Die Behörde entscheidet dann, ob ein beanstandetes Plakat abgehängt werden muss. Auf private Werbeflächen haben Land und Kommune allerdings weiterhin keinen Einfluss. „Da können wir nur appellieren, Sanktionsmöglichkeiten haben wir nicht“, erklärt Hauffe.

„Der Senatsbeschluss ermöglicht nun ein klar geregeltes, transparentes und schnelles Handeln“, begrüßte auch Bausenator Joachim Lohse die neue Regelung. „Das entspricht einer deutlich spürbaren Entwicklung in unserer Gesellschaft: Es gibt ein steigendes Bewusstsein darüber, dass Rollenbilder, die manche Werbung vermittelt, nicht mehr zeitgemäß sind. Deshalb werden wir das abstellen.“

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