Verkehrserziehungsprogramm "RoadSense" will Jugendliche für Risiken beim Autofahren sensibilisieren Sicher mitfahren und ans Ziel kommen

Sebaldsbrück. Die Musik dröhnt aus den Boxen, das Handy klingelt, die Cocktails zeigen ihre Wirkung. Ursachen für unkonzentriertes Autofahren gibt es viele. Was Beifahrer tun können, um Risiken beim Fahren zu mindern, trainierten in den vergangenen zwei Wochen 600 Schüler und Schülerinnen aus dem Großraum Bremen bei dem Verkehrserziehungsprogramm RoadSense der Mercedes-Benz Driving Academy.
21.04.2011, 05:00
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Von Silja Weisser

Sebaldsbrück. Die Musik dröhnt aus den Boxen, das Handy klingelt, die Cocktails zeigen ihre Wirkung. Ursachen für unkonzentriertes Autofahren gibt es viele. Was Beifahrer tun können, um Risiken beim Fahren zu mindern, trainierten in den vergangenen zwei Wochen 600 Schüler und Schülerinnen aus dem Großraum Bremen bei dem Verkehrserziehungsprogramm RoadSense der Mercedes-Benz Driving Academy.

Dieses will Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren für ein verantwortungsvolles Verhalten im Straßenverkehr sensibilisieren und ihnen Tipps und Hilfestellungen für die Praxis geben. Das Programm wurde zusammen mit der Jacobs University Bremen entwickelt und wird vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) und dem Fahrlehrerverband Bremen begleitet.

Am Donnerstag brannten 41 Schüler und Schülerinnen der Johann-Heinrich-Pestalozzi-Schule vor allem auf den praktischen Teil der vierstündigen Übung: einem Fahr-

training auf einem extra abgesperrtem Gelände des Mercedes-Benz-Werks in Sebaldsbrück. Sieben Fahrlehrer standen den Achtklässlern zur Verfügung. Insgesamt wurden 14 extra für das Programm geschult. "Die müssen verstehen, wie die Zielgruppe tickt", begründet Patrick Poerschke, zuständig für RoadSense Event, den Aufwand.

"Wer fährt?", fragt ein Fahrlehrer in eine Vierergruppe und wedelt mit dem Autoschlüssel. "Ich! Ich bin schon 18", behauptet Nisrin und grinst verschmitzt. Die 14-Jährige hat bereits vor einer Viertelstunde vor ihren Klassenkameraden betont: "Ich will ans Steuer." Niemand widerspricht. "Eine ganz typische Situation", sagt Poerschke. Der Schlüssel sei reizvoll, die Konsequenzen beim Fahren ohne Führerschein würden nicht bedacht. Genau das diskutiert der Fahrlehrer mit den Jugendlichen.

Die Schlüssel-Übung ist Teil des Praxis-Programms, bei dem die Schülerinnen und Schüler dann schließlich doch ans Steuer dürfen. "Aber hier wird keinem das Fahren beigebracht", betont Poerschke. Vielmehr geht es darum zu erkennen, wie viel Konzentration hinter dem Steuer erforderlich ist. Das Thema Ablenkung spielt dabei eine große Rolle: Während ein Schüler sich im Pylonen-Parcours abmüht, bimmelt das Handy. Lässt er sich ablenken oder zeigt er sich souverän und lässt es klingeln?

Und wie sieht es mit der Sicherheit im Auto aus? Ist alles richtig verstaut? Zur Demonstration hat Poerschke auf der Ablage des Kofferraums Schaumstoffbälle gelegt. Nach einer Vollbremsung aus 30 Stundenkilometern heraus fliegen sie den Insassen um die Ohren. "In dem Alter interessiert einen Sicherheit nicht", begründet Poerschke die Notwendigkeit des Trainings und untermauert diese mit Statistiken: Alle 22 Minuten kämen in Deutschland Mitfahrer zwischen 15 und 17 Jahren zu Schaden. Alle zwei Tage sogar mit tödlichem Ausgang.

"RoadSense" basiere vor allem auf Coaching, weniger auf dem Erzählen, führt Poerschke aus. In Diskussionsrunden lernen die Teilnehmenden, ihre Gefühle beim Fahren zu äußern. Fragen wie: Wie verhalte ich mich, wenn ich kein Vertrauen zum Fahrer habe? Wie kann ich präventiv ansetzen, wenn die Stimmung im Auto zu kippen droht? stehen dabei im Mittelpunkt.

Nisrim und Jana sind beeindruckt von den praktischen Übungen, die immer wieder den theoretischen Teil auflockern. "Anschnallen ist wichtig", ist für die beiden schon bald ganz klar. Das habe nicht nur ein Überschlag im Rettungssimulator bewiesen. "Ich hätte nicht gedacht, dass der Gurt das halten kann", wundert sich Funda. Zudem zeigt eine spezielle Waage, dass sich das Aufprallgewicht ohne Sicherung schnell verdoppeln kann.

"Die Brille war heftig", sind sich die Schüler einer anderen Gruppe einig. Gemeint ist die Alkoholbrille, bei der die Sicht mit 0,8 und mit 1,3 Promille simuliert wird. In diesem Zustand auf einem Klebestreifen am Boden zu balancieren und anschließend einen Gegenstand aus einem kleinen Feld aufzuheben, wird auch für geübte Sportler zu einer Herausforderung.

Das Programm RoadSense ist im Juni vergangenen Jahres in Stuttgart an den Start gegangen und wurde bereits in München und Berlin erprobt. Ende September, Anfang Oktober soll es in Bremen wiederholt werden, erklärt Poerschke. "Wir hoffen, dass die Resonanz gut bleibt", wünscht sich Annette Abram, Eventmanagerin bei Mercedes-Benz.

Jetzt heiße es erst einmal: Ergebnisse evaluieren. Die Jacobs University werte Fragebögen aus und hole sich Feedback von den Lehrern. "Und wir suchen Sponsoren, die das Programm fördern", sagt Abram. Noch kostet die Teilnahme an RoadSense pro Person 18 Euro.

Mehr Informationen gibt es im Internet auf www.roadsense.de

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