Bremer Herzolympiade

Sie krabbeln, balancieren und reanimieren

Rund 30 Teams von Firmen haben sich an der Bremer Herzolympiade beteiligt und verschiedene Stationen bewältlgt. Dabei lernten sie auch, wie man eine Herz-Rhythmus-Massage korrekt durchführt.
15.06.2018, 20:41
Lesedauer: 4 Min
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Von Emma Gasster
Sie krabbeln, balancieren und reanimieren

Thomas Kavermann, Christiane Haase, Martin Flathmann und Wiebke Holling von der Geno reichen einander einen Medizinball.

Fotos: Kuhaupt

Sandra Meyer steht breitbeinig auf der grauen Tribüne. Ihr Pferdeschwanz wippt leicht mit jeder Bewegung, in der einen Hand hält sie ein knallrotes Megafon, in der anderen ein Mikro. „Das Wort der Schiris ist Gesetz. Ich möchte nicht, dass ihr viel diskutiert", ruft sie und grinst. „Machen wir uns noch ein bisschen warm, und dann können wir loslegen.“

Mehr als 210 Menschen sind in der großen Fußballhalle von Werder Sports in der Überseestadt versammelt. Ihre Trikots leuchten in unterschiedlichen Farben: Die SWB AG trägt das klassische Rot, Eventim ist dunkelblau, BLC Logistics ist in Grau und Weiß unterwegs. Sandra Meyer macht auf der Tribüne gekonnt den Hampelmann vor, und über 400 Füße in neonfarbenen Sportschuhen hüpfen auf dem Kunstrasen auf und ab. Noch ein paar Kniebeugen, dann die Arme kreisen lassen und schließlich das Strecken. Jetzt kann’s losgehen.

Bereits zum fünften Mal in Folge findet an der Konsul-Smidt-Straße die Bremer Herzolympiade statt. Über 30 sechsköpfige Teams, bestehend aus Mitarbeitern von Bremer Firmen, sind dabei. Sie müssen verschiedene Stationen meistern – und das für einen guten Zweck: „Wir sprechen Bremer Firmen an und zeigen ihnen, dass es sich lohnt, in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu investieren“, sagt Maurice Scharmer von der Stiftung Bremer Herzen.

Die Stiftung fördert seit acht Jahren wissenschaftliche Studien rund um die Gesundheit des Herzens und stellt Aufklärungsaktionen wie die Olympiade auf die Beine. „Es ist ein Spaßturnier. Das Gewinnerteam kriegt zwar einen Pokal, aber es geht uns nicht darum, dass Firmen ihre fittesten Mitarbeiter schicken“, erläutert Scharmer. Die Aufgaben seien auch etwas für Freizeitsportler und vielleicht sogar für Sportmuffel. Für mehr als zwei Frauen und Mitarbeiter über 50 im Team gibt es Extrapunkte bei der Auswertung. Man wolle schön durchmischte Teams haben, sagt Scharmer.

Dieses Jahr ist die Olympiade gleichzeitig der Auftakt für eine Festwoche: Das Klinikum Links der Weser feiert 50-jähriges Bestehen. Bis zum 23. Juni werden im Krankenhaus täglich Veranstaltungen stattfinden – für Fachleute, aber auch für Interessierte (siehe nebenstehenden Artikel).

Gesundheit Nord hat gleich zwei Gruppen ins Rennen um den Herzpokal geschickt. Eine davon hat die Buchstaben ITS hinten auf den Trikots stehen. „Wir sind von der Intensivstation, die von der Front", stellt Ramona Samland ihr in Orange gekleidetes Team vor. Nächste Station ist die „Wanderball-Staffel“. Die Mitarbeiter stellen sich hintereinander in einer Reihe auf. Die Hupe ertönt, los! Das Team muss einen großen Medizinball weitergeben, ohne ihn fallen zu lassen. Aber nicht einfach so, erst muss er über den Kopf nach hinten gereicht werden, dann beim nächsten durch die Beine, dann wieder oben rum. „Weiter, weiter, weiter!“, ruft Samland energisch.

Auf dem Feld hinter ihnen tapst das Eventim-Team vorsichtig barfuß durch den Sand. Alle machen Eierlauf, aber mit Tennisbällen. Daneben balancieren Mitarbeiter des Escape Rooms The Key auf wackeligen Therapiekreiseln, und Männer in hkk-T-Shirts krabbeln bei der Station „Hindernislauf“ so schnell es geht unter einer Stange durch. „Unsere Aufgaben erfordern nicht immer nur Geschicklichkeit und Ausdauer, auch Teamarbeit ist gefragt“, erklärt Maurice Scharmer.

Die sechs Mitarbeiter vom Bremer Flughafen sind an einer besonderen Station angekommen: „Reanimation.“ Hier lernen sie, wie man eine Herz-Rhythmus-Massage richtig durchführt. „Etwas zum Mitnehmen“, sagt Scharmer. Vor den Teilnehmern liegt eine Attrappe, mit Wucht müssen sie den Brustkörper massieren. „Macht es zum Rhythmus von Stayin‘ Alive!“ ruft die Schiedsrichterin.

Dieses Jahr holte das Team der Firma Christophe Lenderoth den Sieg, dann war das Buffet für alle Teilnehmer eröffnet.

Info

Zur Sache

Die Festwoche zum Jubiläum

Das Klinikum Links der Weser in Kattenturm, Senator-Weßling-Straße 1, begeht sein 50-jähriges Bestehen mit einer Festwoche, die bis zum 23. Juni läuft. Für Sonntag, 17. Juni, wird von 11 bis 17 Uhr zum „Tag der Sicherheit“ mit einem umfangreichen Schau- und Informationsprogramm eingeladen. Die Hubschrauber des ADAC und der DRF-Luftrettung können besichtigt werden. Und es besteht die Möglichkeit, sich mit einem historischen Polizeiwagen, einer Borgward Isabella, und einem Polizisten in traditioneller Uniform fotografieren zu lassen.

Für Montag, 18. Juni, 15 Uhr, ist im Visit-Hotel Links der Weser der offizielle Festakt vorgesehen. Am 19. Juni geht es von 11 bis 17 Uhr am Infostand der Inneren Medizin unter dem Titel „Zu fett, zu süß, zu salzig“ um ernährungsbedingte Erkrankungen. Zeitgleich informieren die Chirurgen über die Arbeit im OP. Von 17 bis 19 Uhr folgt der Workshop „Dem Krebs keine Chance bieten – bewusstes und aktives Leben nach der Diagnose“. Ab 18 Uhr spielt die Jugendsinfonietta der Musikschule Bremen im Innenhof der LDW-Kinderklinik.

Am Mittwoch, 20. Juni, veranstaltet das Herzzentrum von 17 bis 19 Uhr einen Patientennachmittag unter dem Motto „Herzgesundheit aus einer Hand – von der Prävention bis zur Hochleistungsmedizin am Herzzentrum Bremen“. Der 21. Juni steht im Zeichen der Klinik für Schmerztherapie und Palliativmedizin. Ab 15 Uhr sind Publikumsvorträge vorgesehen, und ab 16.30 Uhr wird eine Führung über die Palliativstation angeboten. Von 17 bis 18.30 Uhr bietet das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum einen Patientennachmittag an unter dem Titel „Wenn der Beckenboden schlapp macht“. Den Abschluss der Festwoche bildet am Sonnabend, 23. Juni, 15 bis 17 Uhr, ein „Frühchenfest“.

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