Nach tödlichem Unfall in Bremerhaven Sieben Containerbrücken gesperrt

Der Schock über den tödlichen Unfall eines Kranführers auf dem Containerterminal sitzt noch tief beim Terminalbetreiber NTB. Dennoch hat das Unternehmen am Freitag den Betrieb wieder aufgenommen.
15.05.2015, 20:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Frank Miener

Der Schock über den tödlichen Unfall eines Kranführers auf dem Containerterminal sitzt noch tief beim Terminalbetreiber NTB. Ein Teil einer Containerbrücke war am Donnerstag in das darunter liegende Schiff gestürzt. Dennoch hat das Unternehmen am Freitag den Betrieb wieder aufgenommen, wenn auch mit Einschränkungen. Sieben weitere Containerbrücken der gleichen Bauart werden derzeit technisch überprüft; insgesamt hat NTB 18 Brücken. Erst nach der Untersuchung sollen die gesperrten Brücken ihre Arbeit wieder aufnehmen, so NTB.

Nebenan bei Eurogate und der BLG ist dagegen der Löschbetrieb voll angefahren. Auch große Schiffe legen inzwischen wieder an. Das war am Donnerstag noch nicht möglich: Die „Maersk Karachi“, in die der Ausleger einer Containerbrücke stürzte, war durch Tidehub und Strömung so stark bewegt worden, dass die Weser zunächst komplett gesperrt wurde. Auch jetzt ist sie in Teilen noch nicht befahrbar.

„Stellen Sie sich das vor wie bei einem Unfall auf der Autobahn“, sagt der Sprecher der Seestadt-Polizei, Uwe Mikloweit. Dort werde zunächst auch alles gesperrt und der Verkehr dann einspurig an der Unfallstelle vorbeigeführt. „So ist es im Moment auch auf dem Fluss. Die Schiffe dürfen mit langsamer Geschwindigkeit passieren, sich aber nicht überholen.“ Das wirkt sich auf den Betrieb des Containerterminals aus, die Abarbeitung der Aufträge verzögert sich etwas. Finanzielle Folgen wollte am Freitag noch niemand beziffern.

Die Wasserschutzpolizei hat inzwischen die Einsatzleitung übernommen, Bremerhavener Beamte sichern derzeit Spuren und Beweise. Dazu gehört auch, dass der Datenschreiber der in China produzierten Containerbrücke ausgewertet wird, die sogenannte Blackbox. Die Ermittler erhoffen sich Hinweise auf die Last und andere Einstellungen der Anlage. Daraus wollen sie Schlüsse über eine mögliche Unfallursache ziehen. Das kann laut Polizei allerdings noch Wochen dauern.

NTB-Geschäftsführer Jan Gelderland glaubt nicht, dass eine Überlast die Ursache gewesen ist: „Jede Brücke hat einen automatischen Überlastungsschutz, damit sie nicht zu schwere Lasten hebt. Es ist unmöglich, diese Automatik außer Funktion zu setzen“, sagt er. Die Nummer fünf stammt aus dem Jahr 2001 und ist damit eine der ältesten der etwa 50 Brücken auf dem gesamten Containerterminal. Sie sei aber regelmäßig gewartet worden, betont die Polizei ebenso wie Jan Gelderland. Der Geschäftsführer sagt, dass nach den Vorgaben mehrere Inspektionen im Jahr vorgesehen seien. Diese Brücke sei zuletzt vor etwa acht Monaten überprüft worden.

Ausgeschlossen wird auch, dass ein Unfall im Februar 2014 eine Mitschuld hat. Damals hatte ein Schiff mehrere Containerbrücken gerammt. „Dabei wurde nur die Stromversorgung der jetzt betroffenen Brücke Nummer fünf gekappt, aber sonst ist nichts passiert“, sagt Einsatzleiter Gerhard Schulze. Auch hätten NTB-Mitarbeiter angegeben, dass in der Vergangenheit an der Brücke keine Probleme aufgefallen seien.

Während die Ermittlungen zur Unfallursache jetzt angelaufen sind, plant NTB auch die Absicherung und Räumung der Unfallstelle. Die Brücke Nummer fünf steht nicht mehr sicher auf den Schienen. Und der Ausleger wiederum hat sich im Laderaum der „Maersk Karachi“ derart verkeilt, dass er nicht ohne weiteres gelöst werden kann. Das derzeitige ruhige Wetter sorge aber dafür, dass erst einmal keine weitere Gefährdung bestehe, heißt es von der Wasserschutzpolizei. Zurzeit wird überlegt, die Bergung mit einem Schwimmkran zu unterstützen. Eventuell müsse man aber auch einen Autokran verwenden, sagt Mikloweit. Das könne länger dauern.

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