Demo „Bremen zeigt Gesicht“

Sieling: "Die Demokratie braucht Demokraten"

Laut den Veranstaltern demonstrierten am Mittwoch rund 4500 Menschen in der Bremer Innenstadt für eine offene Gesellschaft. Bürgermeister Sieling forderte auf, Verantwortung für das Miteinander zu übernehmen.
14.11.2018, 15:21
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Sieling:
Von Jonas Mielke

In der Bremer Innenstadt haben mehrere Tausend Menschen für eine offene und vielfältige Gesellschaft demonstriert. „Die Bedrohung der Demokratie kommt nicht allein von Brandstiftern“, sagte Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) in seiner Rede während der Abschlusskundgebung auf dem Bremer Marktplatz. „Die tiefere Bedrohung kommt vom Wegschauen, vom Nichternstnehmen, von der Gleichgültigkeit.“ Nur gemeinsam könne man nachhaltig gegen Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit arbeiten. „Die Demokratie braucht Demokraten“, sagte Sieling.

Zu der Demonstration aufgerufen hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) unter dem Motto „Bremen zeigt Gesicht. Für eine offene, freie und solidarische Gesellschaft.“ Die Demonstranten, unter denen auch zahlreiche Jugendliche und Kinder waren, zogen vom Bremer Hauptbahnhof durch die Innenstadt zu einer Kundgebung auf den Marktplatz. Dort sprachen unter anderem der Präsident von Werder Bremen, Hubertus Hess-Grunewald, und der Werder-Profi Martin Harnik.

Auch Großmütter demonstrieren in der Bremer Innenstadt.

Foto: Jonas Mielke

Hess-Grunewald sagte in seiner Rede, der Fußball habe nur eine Chance in einer offenen, vielfältigen und solidarischen Gesellschaft. „Uns gegen Rassismus und Nationalismus zu artikulieren, dass sind wir allein schon den Familien unserer Spieler schuldig, die hier nach Bremen kommen und eine zweite Heimat finden“, sagte der Werder-Präsident. „Bei unseren Grundwerten dürfen wir keine Kompromisse machen.“

Erst vor wenigen Wochen sorgte Hess-Grunewald mit einem klaren politischen Statement gegen die AfD für bundesweites Aufsehen. „Jeder AfD-Wähler sollte schon wissen, dass es ein Widerspruch ist, Werder gut zu finden und die AfD zu wählen“, sagte Werders Präsident damals dem WESER-KURIER. Man werde keine Ausgrenzung gegenüber der AfD betreiben, sagte Hess-Grunewald nun. Er machte nochmals deutlich: „Der Wertekanon von Werder Bremen und der Parteien am rechten Rand unterscheiden sich sehr.“

Werder-Profi Martin Harnik forderte, dass man rassistischen Fußball-Fans keine Bühne geben dürfe. Besonders die Vorfälle in Chemnitz seien für ihn ein schlimmer Vorfall gewesen. Er betonte jedoch, wie positiv es sei, dass zahlreiche Menschen zu der Kundgebung auf dem Marktplatz gekommen seien. „Man muss klare Kante zeigen“, sagte Harnik.

Neben den Gewerkschaften und Werder beteiligte sich auch die Kirche an dem Protestzug. Die Präsidentin der Bremischen Evangelischen Kirche, Edda Bosse, sprach über die historischen Wurzeln einer offenen Gesellschaft in Bremen. Sie zitierte einen Satz, der 1688 an einem neuen Weserbrückentor angebracht wurde und sinngemäß Glaubensflüchtlinge und Gäste in Bremen willkommen hieß. Das sei vorbildlich, jedoch einfacher gesagt als getan. „Daran müssen wir bis heute täglich und unermüdlich arbeiten, alle miteinander, als Religionsgemeinschaften, als Politik und Stadtgesellschaft“, sagte Bosse. „Aus Gastfreundschaft darf nicht Zerrissenheit werden, sondern Vielfalt und Bereicherung.“

Zum Abschluss der Kundgebung sprach ­Meliksah Senyürek vom Bremer Rat für Integration. „Migration ist die Zukunft Deutschlands und Bestandteil unseres Lebens“ sagte sie. „Dafür stehen wir hier, Hand in Hand.“

Ähnliche Initative vor knapp vier Jahren

Der Bremer IG-Metall Geschäftsführer Volker Stahmann zog ein positives Fazit: „Ich bin froh, dass es ein klares Bekenntnis auch dieser Stadt für eine offene Gesellschaft gibt“, sagte er. „Carsten Sieling hat recht, man darf den Rechtspopulisten nicht die Meinungs-­hoheit überlassen.“ Er sei froh, dass so viele Menschen zu der Demonstration und der abschließenden Kundgebung gekommen seien. Laut den Veranstaltern demonstrierten in Bremen etwa 4500 Menschen, die Polizei geht von 2500 Teilnehmern aus.

Eine ähnliche Initiative wie jetzt die der Gewerkschaften hatte es in Bremen bereits vor knapp vier Jahren gegeben. Damals allerdings auf deutlich breiterer Basis. Der damalige Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) konnte mehr als 50 Organisationen hinter sich versammeln, darunter Gewerkschaften und Arbeitgeber, die Kirchen, andere Religionsgemeinschaften, die Hochschulen, die Beiräte, sämtliche Fraktionen der Bürgerschaft, die Wohlfahrtsverbände und den Sport mit Werder an der Spitze. Höhepunkt war damals eine Kundgebung auf dem Marktplatz, an der rund 7000 Menschen teilnahmen.

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+++Dieser Artikel wurde um 21.47 Uhr aktualisiert+++

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