Bürgerschaftswahl 2019

Sieling gegen Meyer-Heder: Ein Duell auf Augenhöhe

Das erste Duell zwischen SPD-Bürgermeister Carsten Sieling und CDU-Herausforderer Carsten Meyer-Heder. Die beiden Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl am 26. Mai begegneten sich auf Augenhöhe.
07.03.2019, 22:42
Lesedauer: 3 Min
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Sieling gegen Meyer-Heder: Ein Duell auf Augenhöhe
Von Norbert Holst
Sieling gegen Meyer-Heder: Ein Duell auf Augenhöhe

Warten auf den Beginn der Diskussion: Carsten Meyer-Heder (links, CDU) und Bürgermeister Carsten Sieling (SPD).

Frank Thomas Koch

Es war eine der typischen Szenen im ersten direkten Duell zwischen SPD-Bürgermeister Carsten Sieling und CDU-Herausforderer Carsten Meyer-Heder. Es geht um den Autobahnringschluss A 281 und das gemeinsame Gewerbegebiet von Bremen und Achim. „Es wird nichts gemacht, es wird nichts umgesetzt“, kritisiert der Christdemokrat die Senatspolitik. „Ich habe das Ding soweit gebracht, dass es anfangen wird“, kontert Sieling mit Hinweis auf die Autobahn. Und landet dann einen Treffer: Er erinnert daran, dass in den Zeiten der Großen Koalition die CDU den Bausenator gestellt hat. Schon damals wurde die A 281 geplant. Und Sieling legt nach. „Wir sind erfolgreich, das sollten Sie nicht zerstören“, greift der Bürgermeister seinen Kontrahenten an. Doch der bleibt dabei: „Es wird nichts gemacht, es wird nichts umgesetzt.“

Das ist die Karte, die Meyer-Heder am Donnerstagabend immer wieder ausspielt. In Bremen gehe gar nichts. Und wenn doch, dann viel zu langsam. Dem CDU-Mann fehlt der Tatendrang im Rathaus: „Jetzt spucken wir in die Hände, jetzt legen wir los.“ Meyer-Heder erwähnt Sieling in diesem Zusammenhang nicht direkt, doch jeder der rund 500 Zuhörer im voll besetzten Saal weiß, wer gemeint ist. Und Meyer-Heder spielt die nächste Karte aus. Mit ihm als Unternehmer werde das alles ganz anders werden. Noch mehrmals wird Sieling diesen Satz hören.

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Klar, der Herausforderer muss attackieren. Doch Sieling weiß oft zu parieren. Er erinnert etwa an den Kraftakt beim Kitabau, neue Jobs in Bremen und die rund 500 Millionen Euro, die das hoch verschuldete Bundesland künftig jährlich an Hilfe bekommt. Der Bürgermeister, das wird schnell klar, geht gut präpariert und kämpferisch ins Rennen.

Bildungspolitik ein mögliches Problem für die SPD

Als Moderator Axel Brüggemann zum Beispiel nach dem fehlenden Sicherheitsgefühl der Menschen am Bahnhof fragt, rattert Sieling den Katalog beschlossener Maßnahmen nur so herunter. Viel schwerer hat es der Bürgermeister beim Thema Bildung. Er spricht von Erfolgen in den vergangenen Jahren, versucht, das mit Zahlen zu belegen. Doch die ungläubige Reaktion der meisten Zuhörer deutet etwas an, was für die SPD noch ein Problem werden könnte: die Differenz zwischen Selbstwahrnehmung und der gespürten Lebenswirklichkeit mancher Menschen.

Sieling versucht den Amtsbonus auszuspielen. Er wird nicht müde, auf seine langjährige Erfahrung im Politikbetrieb hinzuweisen. Meyer-Heder ist schließlich „nur“ Quereinsteiger. Ob Zufall oder Absicht: Der Sozialdemokrat würdigt seinen Kontrahenten nur selten eines Blickes. Meyer-Heder wiederum fällt dem Bürgermeister dann und wann kräftig ins Wort.

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Auch der Herausforderer legt einen überzeugenden Auftritt hin – wovon manche Beobachter des Bremer Politikbetriebs im Vorfeld nicht unbedingt überzeugt waren. Doch ließ sich schon in den vergangenen Wochen beobachten, wie Meyer-Heder vor Publikum immer sicherer wirkt. Und auch an Kampfgeist ließ er es nicht fehlen. Als Sieling etwa die Wirtschaftspolitik des rot-grünen Senats lobt, hält Meyer-Heder dagegen: „Uns geht es gut trotz der Politik in Bremen“, höre er immer wieder aus Wirtschaftskreisen. Gejohle im Publikum. Vorteil Meyer-Heder.

Podiumsdiskussion - Endspurt - mit Carsten Sieling SPD und Carsten Meyer-Heder CDU

Kein Platz mehr frei: Die Podiumsdiskussion im Maritim war schon seit langem ausgebucht.

Foto: Frank Thomas Koch

Sieling spricht vor vielen CDU-Anhängern

Für Sieling ist es ein Auswärtsspiel. Veranstalter ist die Konrad-Adenauer-Stiftung. Und zu deren Veranstaltungen kommen natürlich überwiegend CDU-nahe Bürger. Und so wurde Sieling auch nur mit mäßigem Beifall empfangen. Doch der Regierungschef nimmt in seinem Kurzreferat zu Beginn den Ball auf: Er freue sich, einmal vor so vielen CDU-Anhängern reden zu dürfen. Das kommt beim Publikum gut an. Und Sieling erinnert an Konrad Adenauers Bremen im Jahr 1954. Was der wohl zur Bürgerschaftswahl gesagt hätte? Ganz klar, meint Sieling, und zitiert ein Adenauer-Wort: „Keine Experimente.“

Am Ende der Veranstaltung gibt es keinen Sieger. Es war ein Duell auf Augenhöhe. Was man zu Beginn nicht unbedingt erwartet hatte. Die Kurzreferate von Sieling und Meyer-Heder plätscherten so dahin. Der Eindruck: Zwei ältere Männer reden über ihr Leben und die Bremer Politik. Daraus wurde eine spannende Debatte, die Spaß auf mehr macht.

Info

Zur Sache

WESER-KURIER lädt Kontrahenten ein

Der WESER-KURIER hat die Spitzenkandidaten Carsten Sieling (SPD) und Carsten Meyer-Heder (CDU) zu zwei sogenannten „Elefanten-Runden“ eingeladen. Beim WESER-Strand sprechen sie am Freitag, 5. April, ab 19.30 Uhr mit Moderatorin Bärbel Schäfer. Einlass im Café Sand ist bei dieser Veranstaltung um 18.30 Uhr. Ein zweites Mal treffen die Kontrahenten am Sonntag, 12. Mai, beim Bürgerschaftswahl-Talk des WESER-KURIER aufeinander. Zwischen 11 und 12.30 Uhr diskutieren die Beiden in der Bremischen Bürgerschaft. Der Einlass ist ab 10 Uhr, rechtzeitiges Erscheinen ist wegen der freien Sitzplatzwahl ratsam. Der Eintritt beim Bürgerschaftswahl-Talk ist frei.

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