Behördengebäude in der Bremer Innenstadt Siemens-Hochhaus zieht die Pannen an

Bremen. Die Handwerker sind zurück: Das sogenannte Siemens-Hochhaus in der Bremer Innenstadt ist seit vergangener Woche Schauplatz eines kapitalen Wasserschadens. Damit setzt sich eine schier unendliche Pannenserie fort. Ein Rückblick.
09.01.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Rose Gerdts-Schiffler

Bremen. Die Handwerker sind zurück: Das sogenannte Siemens-Hochhaus in der Bremer Innenstadt ist seit vergangener Woche Schauplatz eines kapitalen Wasserschadens. Damit setzt sich eine schier unendliche Pannenserie fort, die mit dem Bau des Hauses Anfang der Sechzigerjahre begonnen hat. Ein Rückblick.

Es ist eine unendliche Geschichte: Viele Jahre klagten die öffentlich Beschäftigten im Siemens-Hochhaus über Hitze, Nässe, kalte Büros, Schimmel, feuchte Räume und Fenster, die sich nicht öffnen lassen. Im Winter 2010 endlich hat das Tauziehen zwischen der Stadt als Mieterin und dem Eigentümer ein Ende: Die Mitarbeiter ziehen aus, um den Handwerkern Platz für eine umfangreiche Sanierung zu machen. Nach einem Wasserschaden vor einigen Tagen könnten die Arbeiten innerhalb des Hauses nun weitergehen.

Die Geschichte beginnt im Juli 1960. Die Bremer und Bremerinnen lesen in ihrer Zeitung, dass das große Trümmergelände am Herdentorsteinweg wieder bebaut werden soll. Unter anderem plane die Firma Siemens ein 15-stöckiges Hochhaus mit Fassaden aus Glas und weißem Marmor. Im Sommer 1964, so die Planer, sollten die Möbelpacker anrücken. Doch der Umzug verzögerte sich um ein Dreivierteljahr. Es ist die erste von unzähligen Überraschungen.

1997, das Siemens-Hochhaus war in die Jahre gekommen, kaufte die Stadt dem Unternehmen das Gebäude ab. Im Jahr 2000 ging es dann an das Bauunternehmen Zechbau, das das Hochhaus sanierte und der Stadt bis zum Jahr 2032 vermietete. Ein Handel, den der Rechnungshof später scharf kritisierte. Aber auch Zechbau wollte das Gebäude nicht behalten und verkaufte es an eine Münchner Investment-Gesellschaft. Es ist nun Eigentum des Berliner Unternehmens GVW Avus.

Lange Mängelliste

Im Herbst 2002 rechneten die Behördenmitarbeiter damit, dass ihnen ihre Vorgesetzten zu Weihnachten hitzefrei geben würden. Grund: Der Fachdienst für Arbeitsschutz hatte in 140 Räumen Temperatur und Luftfeuchtigkeit gemessen und Alarm geschlagen. In einigen Zimmern war es 36 Grad heiß - und das im September. Auf der Nordseite dagegen warfen Bedienstete morgens die Heizlüfter an, da sie bei 16 Grad froren. Nach einer Dienstvereinbarung durften damals Mitarbeiter ihre Taschen packen, sobald die Raumtemperatur 26 Grad überstieg. Außerdem zeigten die Messgeräte, dass die Luftfeuchtigkeit in vielen Räumen viel zu niedrig war.

Ein Jahr später war es dann amtlich: Die Klimaanlage galt als "dringend sanierungsbedürftig". Behördenmitarbeiter klagten über trockene Augen, Erkältungen und Schleimhautreizungen. Im Mai 2003 tauchte eine Mängelliste mit über 100 Positionen auf. Erstmals klagten Mitarbeiter aus dem Gesundheitsressort, dem Planungsamt und dem Senator für Bau über Schimmelbefall in ihren Räumen. Drei Zimmer durften nicht mehr betreten werden. Weiteres Ärgernis: Die Tüv-Zulassung für den Fassadenaufzug war abgelaufen, sodass weder die defekten Jalousien, die im Zusammenspiel mit der Klimaanlage von zentraler Bedeutung waren, repariert noch die Fenster geputzt werden konnten.

Im März 2004 waren die Fenster bereits seit zwei Jahren nicht mehr geputzt worden. Der Außenaufzug war weiterhin kaputt. Die Stadt Bremen klagte inzwischen gegen den Eigentümer, einen Münchner Immobilienfonds, der wiederum gegen die Zech-Gruppe als Verkäufer vorging. Das Siemens-Hochhaus galt bei der damals für die städtischen Liegenschaften zuständigen Gesellschaft für Bremer Immobilien als Sorgenkind Nummer Eins.

Im Juli 2005 wurde öffentlich, dass Bausenator Jens Eckhoff mit seiner über die Stadt verstreuten Behörde in den Speicher I umziehen will. Die Pläne scheiterten vor allem an den Angestellten, die nicht im Siemens-Hochhaus arbeiten mussten. Im November 2005 sprach sich der Senat für eine Kündigung des Mietvertrages zum Juni 2007 aus. Grund: ein formaler Fehler im Mietvertrag. Im Frühjahr 2007 wurde bekannt, dass sich die Stadt mit dem Eigentümer auf eine Sanierung geeinigt hatte und daher die Kündigung zurückziehen wollte. Die Fenster sollten zum Ärger der Bediensteten weiter nicht zu öffnen sein.

Im April 2009 verkündete Finanzsenatorin Karoline Linnert, das Bremen aus eigener Tasche 1,4 Millionen Euro zu zahlen bereit ist, damit die Bediensteten endlich die Fenster öffnen können. Der Eigentümer wollte dafür Fassade, Klimaanlage und Heiztechnik erneuern. Im Winter 2010 zogen die 350 Behördenbeschäftigten aus, um den Handwerkern Platz zu machen, ein Jahr später kehrten sie zurück. Die Sanierung kam für Bremen allerdings deutlich teurer als geplant.

Vor einigen Tagen dann das vorerst letzte Kapitel dieser Geschichte: Das Archiv mit den Bauakten muss wegen Feuchtigkeit gesperrt werden, Wasser steht im Treppenhaus. Hinzu kommen zwei Rohrbrüche im Heizungssystem vor dem Jahreswechsel. Die Handwerker kehren zurück.

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