Verlegung der Chirurgie abgesagt

Signal für Neustart am Bremer Klinikum Ost

Das Klinikum Bremen-Ost erhält eine neue Chance, seine Wirtschaftlichkeit zu beweisen. Statt wichtige Behandlungskapazitäten abzugeben, soll das Spektrum jetzt erweitert werden.
21.02.2020, 20:31
Lesedauer: 3 Min
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Signal für Neustart am Bremer Klinikum Ost
Von Jürgen Theiner
Signal für Neustart am Bremer Klinikum Ost

Auch in Zukunft sollen am Klinikum Bremen-Ost chirurgische Behandlungen stattfinden.

Uwe Anspach

180-Grad-Wende bei der Neuausrichtung des Klinikums Bremen-Ost: Anders als noch im Dezember angekündigt, soll es am KBO nicht zu einem Abzug wichtiger medizinischer Behandlungsfelder kommen. Die Allgemeinchirurgie des Osterholzer Krankenhauses bleibt im Grundsatz erhalten, einige therapeutische Angebote sollen sogar ausgebaut werden. Das ist das Ergebnis eines sogenannten Beteiligungsprozesses, an dem seit Anfang Januar Klinikleitungen, Chefärzte und Arbeitnehmervertreter des KBO und des Klinikums Mitte (KBM) mitgewirkt haben. Das neue Konzept ist noch inoffiziell, nach Informationen des WESER-KURIER aber im Grundsatz mit der Leitung des städtischen Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno) und dem Gesundheitsressort abgestimmt.

Noch Mitte Dezember hatte sich eine ganz andere Entwicklung abgezeichnet. In einem Strategiepapier für den Aufsichtsrat wurde empfohlen, große Teile der Akutmedizin, darunter die Allgemeinchirurgie, komplett aus Osterholz abzuziehen und am KBM mit den dort vorhandenen Kapazitäten zu verschmelzen. Das KBO sollte sich fortan auf andere therapeutische Schwerpunkte konzentrieren, darunter Altersmedizin, Frührehabilitation und Psychiatrie.

Unterschiedliche Schwerpunktsetzungen

Von einem Verlust der Allgemeinchirurgie ist nun keine Rede mehr. Geplant ist vielmehr ein „chirurgischer Verbund“ mit dem Standort Mitte, der unterschiedliche Schwerpunktsetzungen vorsieht. In Osterholz sollen vorwiegend fest terminierte Operationen stattfinden, an der St.-Jürgen-Straße liegt der Akzent künftig eher auf dem Notfallgeschehen. Hintergrund: In der Chirurgie des Klinikums Mitte kommt es immer wieder zur Absage längerfristig angesetzter Operationen, weil Notfälle vorgezogen werden müssen. Durch eine Entzerrung von Notfall- und Wahl-OPs könnten nach Einschätzung von Fachleuten Vorhaltekosten für Personal und sonstige Operationskapazitäten reduziert werden. Dies ist ein wichtiger Punkt. Schließlich war das Heben von Einsparpotenzialen der Hauptgrund für das ursprüngliche Konzept einer weitgehenden akutmedizinischen Entkernung des KBO.

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Die neuen Pläne sehen weitere Zugewinne für das Osterholzer Krankenhaus vor. So soll etwa die Dermatologie des Klinikums Mitte dorthin verlegt werden. Vorgesehen ist der Aufbau einer Station mit 47 Betten, 20 tagesklinischen Plätzen und einer dermatologischen Ambulanz. Auch deshalb sei der Verbleib der Allgemeinchirurgie am KBO sinnvoll. „Da gibt es Schnittstellen zwischen beiden Bereichen“, sagt der Betriebsratsvorsitzende des Klinikums Ost, Markus Rohdenburg. Er ist zudem froh darüber, dass die Innere Medizin ebenfalls ausgebaut wird. Deren Kapazitäten sollten eigentlich eingedampft werden, nun folgt auch an diesem Punkt die Kehrtwende. Zu tun hat das offenbar mit einer Aufwärtsentwicklung, die der internistische Bereich am KBO seit Mitte vergangenen Jahres unter dem neuen Chefarzt Oliver Müssig genommen hat. Mittelfristig angepeilt wird eine Auslastung mit rund 3300 Fällen pro Jahr. Dazu beitragen sollen unter anderem eine gemeinsame „Bauchstation“ mit der Chirurgie, eine Zusammenarbeit mit Lungenheilkunde und Dermatologie bei der Behandlung von Krebserkrankungen sowie die interdisziplinäre Versorgung von Schlaganfallpatienten. Für Letztere ist der Aufbau einer sogenannten Stroke-Unit mit sechs Betten vorgesehen. Sie ist für die Erstbehandlung von Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall gedacht.

Hoffen auf Konitnuität

Für Betriebsratschef Rohdenburg sind all das gute Nachrichten. Er hofft, dass die jetzt verabredeten Strukturveränderungen von Dauer sind, denn gerade bei der Chirurgie waren die vergangenen Jahre ein einziges Bäumchen-wechsle-dich. 2015 hatte die Geno die Unfallchirurgie am KBO geschlossen und 2016 nach Protesten wiedereröffnet. Die Allgemeinchirurgie wurde Mitte 2018 geschlossen und fünf Monate später schon wieder in Betrieb genommen. Im Dezember 2019 schien ihr Aus abermals besiegelt, jetzt ist dieses Szenario am Tisch. „Wir begrüßen diese Entscheidung, weil sie eine langfristige Perspektive für den Standort Bremen-Ost eröffnet“, sagt Rohdenburg und ergänzt: „Wir freuen uns auf die Kooperation mit dem Klinikum Mitte.“

Geno-Sprecherin Karen Matiszick unterstreicht den inoffiziellen Charakter der jetzt gefundenen Lösung, formale Gremienbeschlüsse stünden noch aus. Gleichwohl zeigten die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses, „dass es sinnvoll ist, den Sachverstand von Fachleuten zu nutzen, die vor Ort sind“. Die Schließungsempfehlung für die Chirurgie am Klinikum Ost war im Dezember von einer externen Unternehmensberatung ausgesprochen worden.

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