Bremer Freundschaftschor verbindet traditionelle und moderne Lieder beim Konzert in Mahndorf Singen für Frieden und Toleranz

Die Sprache, in der gesungen wird, spielt für den Bremer Freundschaftschor keine Rolle, Hauptsache es geht um Toleranz, Frieden, Freundschaft und Frauenrechte. Beim Konzert in Mahndorf werden vorwiegend Lieder und Texte in türkischer und kurdischer Sprache vorgetragen, die der Großteil des Publikums versteht.
12.03.2012, 05:00
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Von Ina Schulze

Die Sprache, in der gesungen wird, spielt für den Bremer Freundschaftschor keine Rolle, Hauptsache es geht um Toleranz, Frieden, Freundschaft und Frauenrechte. Beim Konzert in Mahndorf werden vorwiegend Lieder und Texte in türkischer und kurdischer Sprache vorgetragen, die der Großteil des Publikums versteht.

Mahndorf. Ausnahmezustand in Mahndorf. Autos mit Kennzeichen aus Delmenhorst, Oldenburg, Hamburg und sogar Berlin parken rund um das Bürgerhaus, die Insassen haben alle das gleiche Ziel: das Konzert des türkisch-deutschen Bremer Freundschaftschors (Bremen Dostluk Korosu). Ein knapp dreistündiges multikulturelles Erlebnis unter der Leitung von Gani Cansever.

Frieden, Liebe, Freundschaft, Toleranz und Frauenrechte sind das Motto, unter dem die 28 Sängerinnen und Sänger aus ganz Bremen verschiedene Volkslieder Anatoliens in türkischer und auch kurdischer Sprache singen. Die Chormitglieder sind immer froh über neue Mitsänger und -sängerinnen und lassen sich gerne zu anderen Liedern inspirieren. Die Sprache spiele dabei keine Rolle, Hauptsache die Thematik stimme, versichert der Organisator, Halil Erdede aus Hemelingen.

Seit zwölf Jahren trifft sich der Chor einmal in der Woche für drei Stunden, um gemeinsam zu singen und zu musizieren. Damals gründete der erfolgreiche Musiker Gani Cansever, der aus Südostanatolien nach Bremen kam, den Chor mit dem Gedanken, traditionelle Musik seiner Heimat international bekannt zu machen und verschiedene Kulturen miteinander zu vereinen. Auch das Zusammenspiel von historischen Instrumenten, wie der Kasik (Löffel), der lautenähnlichen Saz, der Längsflöte Ney und dem in Norden Afrikas verbreiteten Bendir mit neuzeitigen Geigen und Gitarren machen das Konzert des Freundschaftschors so einzigartig.

"Ich möchte was bewegen"

Yasar Kocas ist erst seit drei Monaten ein Teil des Bremer Freundschaftschors, aber schon jetzt hat der Erzieher aus Tenever und leidenschaftliche Musiker eine Vision davon, was die Gruppe verändern könne. "Musik ist mein Leben, und ich möchte was bewegen", erzählt Yasar Kocas, der in den 80er Jahren ein erfolgreicher Volkssänger war. Mit bewegen meint er, etwas beizutragen zum Frieden auf der Welt, zu Toleranz und Akzeptanz für alle.

Das betont auch Halil Erdede, der seit der Gründung des Chors dabei ist, in seiner Eröffnungsrede und vergisst in seiner Vorfreude auf das Konzert ganz seine Gastredner Ruken Aytas und den SPD-Landesvorsitzenden Andreas Bovenschulte. Letzterer ist sehr erfreut über die Einladung und stimmt gleich darauf ein türkisches Lied an. Bovenschulte betont, wie wichtig kulturelle Veranstaltungen in der heutigen Zeit sind, denn im gemeinsamen Kampf für den Frieden sei die Kultur ein Mittel zur Verständigung, und selbst wenn er die Texte nicht verstehen würde, so verstehe er sie doch mit dem Herzen.

Neben der Musik wurden auch lyrische Texte und Geschichten von Kindern und Gastrednern vorgetragen. Auf einen zweisprachigen Vortrag konnte das Ensemble verzichten, da der Großteil des Publikums türkisch spricht und versteht. Während einige Vorträge zum Lachen, Klatschen und Mitsingen animieren, regen andere Darbietungen Künstler wie Publikum zum Nachdenken an, und einige bekommen feuchte Augen dabei.

Während der kurzen Pause wird eine Vielfalt an nationalen Speisen und Getränken angeboten, die von den Chormitgliedern selbst mit Liebe zubereitet wurden. Es gibt Pohca, Börek und Baklava , dazu verschiedene orientalische Salate. Viele Gäste trinken typisch türkischen Cay Tee, "der nicht aus dem Beutel aus dem Supermarkt kommt, sondern der noch aus der Pflanze selbst hergestellt wird", wie das Gastroteam stolz betont. Nur durch das großartige Engagement jedes einzelnen Künstlers kann die Veranstaltung zu einem Highlight werden - und ein kleiner, aber bedeutender Schritt für den Frieden getan werden. Yasar Kocas würde auch gerne mal bei einem Familienfest auftreten, aber das ist nur einer seiner vielen Träume und Vorstellungen.

Nach den jüngsten beiden Konzerten in Bremerhaven und Mahndorf folgt am 5. Mai eine Vorstellung beim Türkischen Elternbund in Lübeck. "Um die Plakate und selbst designten Eintrittskarten werde ich mich wieder kümmern", erklärt Halil Erdede bereits voller Vorfreude.

Kontakt zum Bremer Freundschaftschor über das Bürgerhaus Mahndorf, Mahndorfer Bahnhof 10, Telefon 485815.

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