Verein verleiht Dokumentarfilm Sinti und Roma reden über sich

Altstadt. Der Sinti-Verein hat einen Dokumentarfilm über das Leben junger Sinti und Roma in Bremen drehen lassen: „Wir unter euch – Junge Sinti und Roma in Bremen“. Jugendliche, aber auch eine Lehrerin und ein Sozialarbeiter aus einem Jugendfreizeitheim berichten von ihren Erfahrungen des Zusammenlebens der beiden Volksgruppen mit der übrigen Bevölkerung oder mit Gleichaltrigen.
02.02.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Liane Janz

Der Sinti-Verein hat einen Dokumentarfilm über das Leben junger Sinti und Roma in Bremen drehen lassen: „Wir unter euch – Junge Sinti und Roma in Bremen“. Jugendliche, aber auch eine Lehrerin und ein Sozialarbeiter aus einem Jugendfreizeitheim berichten von ihren Erfahrungen des Zusammenlebens der beiden Volksgruppen mit der übrigen Bevölkerung oder mit Gleichaltrigen. Schulen, Vereine und andere Institutionen können den Film beim Bremer Sinti-Verein in seiner Geschäftsstelle am Herdentorsteinweg 41 ausleihen.

Für die Dokumentation hat der Sinti-Verein unter anderem Passanten in der Fußgängerzone befragt. „Viele wussten mit Sinti und Roma nichts anzufangen. Erst bei Zigeuner wussten sie, wer gemeint ist“, sagt der Vorsitzende Romano Hanstein. In einem Kino in Bremerhaven, in dem der Film „Gypsy“ lief, fragten die Bremer noch mal. „Das war ein ganz anderes Publikum, das schon ein wenig Hintergrundwissen hatte.“ Aber selbst dann wussten nicht alle, was der Unterschied zwischen Roma und Sinti ist.

Die Menschen in der Fußgängerzone gaben freimütig wieder, was sie von Eltern oder Großeltern gehört haben: „Bringt die Kinder ins Haus und nehmt die Wäsche von der Leine. Die Zigeuner kommen!“ Der Satz fiel oft. Im Dokumentarfilm „Wir unter euch“ geht es um die Lebenswirklichkeit von jungen Sinti und Roma, beispielsweise im Freizi oder in der Schule. Die Mädchen und Jungen berichten über Erfahrungen mit Gleichaltrigen. Und die reichen von „Ich hatte noch nie Probleme, weil ich Sinto bin“ bis zu einem Fall von Mobbing. Eine Lehrerin erzählt, dass eine Sintezza in ihrer Klasse von den Mitschülern „Zigeuner“ genannt worden sei und sie daraufhin eine Unterrichtsstunde eingeschoben habe, in der es darum ging, wo Sinti herkommen und dass sie von den Nazis verfolgt worden sind. Als zwei Mitschüler dennoch nicht mit den Beleidigungen aufhörten, gab es eine Klassenkonferenz und eine Suspendierung für zwei Monate. Inzwischen werde das Mädchen nicht mehr beleidigt. Auch ein junger Roma im Freizi im Buntentor hat schon Sätze gehört wie: „Scheiß Zigeuner, geh in dein Land.“

Solchen Erfahrungen ist es geschuldet, dass einige Sinti und Roma noch heute Angst haben. Eine Sintezza berichtet im Film davon. Es sei eine Angst, die auf der Verfolgung von Sinti und Roma im „Dritten Reich“ basiere und von Generation zu Generation weitergegeben werde. Auch heute werde immer wieder gegen die beiden Volksgruppen gehetzt. Vor den Bundestagswahlen war es die NPD, die Plakate mit Schmähparolen gegen Roma aufhängte, und aktuell wettert die CSU gegen Armutsmigranten aus dem Osten – und meint Roma. Auf die politische Situation und die Hetze geht Romano Hanstein zu Ende des Films ein.

Thematisiert wird auch das Familienleben von Sinti und Roma. „Da war es teilweise schwer, die Leute vor die Kamera zu bekommen“, sagt Bernd Hinz aus der Neuen Vahr. Der Filmemacher mit polnischen Wurzeln verarbeitet seit etwa zehn Jahren in Filmen soziale und vor allem Migrationsthemen und weiß, dass die historisch bedingte Angst, sich zu offenbaren, eine Rolle spielt. Bei denen, die sich öffnen, wird deutlich, dass in Sinti-Familien der Zusammenhalt sehr stark ist. Das merkt man im Film beim gemeinsamen Musizieren.

„Die große Bandbreite der Themen soll zeigen, womit es Sinti und Roma im Alltag zu tun haben. Aber wir konnten nicht alles im Detail abdecken“, sagt die Geschäftsführerin des Bremer Sinti-Vereins, Brigitte Kienle. Romano Hanstein, der in Bremen-Nord lebt, würde diese Themen gern in weiteren Filmen vertiefen, das ist momentan aber noch ein Traum. Dieser erste Film soll grundsätzlich aufklären. Verwirklicht wurde er mithilfe des Programms „Toleranz fördern, Kompetenz stärken“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom Lokalen Aktionsplan und der Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen.

Vereine, Schulen und andere Institutionen können den Film und das pädagogische Begleitmaterial beim Bremer Sinti-Verein, Geschäftsstelle am Herdentorsteinweg 41, unter Telefon 54 10 14 oder E-Mail an die Adresse sintiverein@aol.com bestellen und ausleihen.

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