Für Privatparkplätze

Abschlepp-App gegen Falschparker in Bremen

Mit der App „Parknotruf“ geht ein Kieler Start-up-Unternehmen in Bremen gegen Falschparker vor. Mit wenigen Klicks sollen Besitzer von blockierten privaten Stellplätzen Autos abschleppen lassen können.
18.02.2021, 20:27
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Abschlepp-App gegen Falschparker in Bremen
Von Pascal Faltermann
Abschlepp-App gegen Falschparker in Bremen

Seit ein paar Tagen kann man per App gegen Falschparker auf dem eigenen Privatgrundstück vorgehen.

Frank Thomas Koch

Eine Smartphone-App soll in Bremen Falschparker zur Rechenschaft ziehen. Mit wenigen Klicks können damit Parkplatzbesitzer Fahrzeuge abschleppen lassen, die auf Privatgrundstücken Stellplätze blockieren. Die Betreiber der App „Parknotruf“ versprechen, dass die Abschleppwagen kostenlos benachrichtigt und die Kosten dafür eingetrieben werden. Mit der Anwendung soll eine Lücke geschlossen werden, weil Ordnungsamt und Polizei auf privaten Flächen keine Handhabe besitzen. Hinter der Idee stecken drei Gründer aus Kiel: Paul Struck, Nicole Frömming und Rechtsanwalt Lutz Schroeder haben das Start-up-Unternehmen „Parknotruf.de“ aus eigener Not gegründet, berichten sie. Struck und Frömming arbeiten in der Kieler Innenstadt, ihr privater Parkplatz in einem Innenhof sei trotz Parkverbot-Schildern häufig blockiert worden.

„Diese Situation lässt sich Tag für Tag auf Kundenparkplätze, Tiefgaragenstellplätze oder Privateinfahrten adaptieren“, sagt Struck. Derjenige, der einen Falschparker abschleppen lassen möchte, müsse finanziell selbst in Vorleistung gehen. Mit viel Aufwand seien sie wieder an das Geld gekommen. Ein Anruf bei der Polizei helfe gegen Falschparker und Zuparker nicht weiter, denn die Beamten seien nicht zum Schutz privater Ansprüche tätig, so Struck.

Lesen Sie auch

Aus diesem Grund haben die Geschäftspartner die Software von Programmierern entwickeln lassen und mit einer Browser-Version in Kiel eingeführt. Mittlerweile ist die App nach eigenen Angaben in den Städten Kiel, Lübeck, Rostock, Hamburg, Hannover, Köln, Aachen, Mönchengladbach, Bonn, Bielefeld, Frankfurt und seit ein paar Tagen auch in Bremen verfügbar.

Seit 2019 verzeichnet „Parknotruf“ etwa 3000 Aufträge. Wer einen Falschparker über die App meldet, wird mit zehn Euro belohnt. Die App sei nicht als Business-Modell mit finanziellem Interesse entstanden, sondern weil sich das Parkverhalten ändern soll, so Struck.

Einen fremden Parkplatz rechtswidrig blockieren

Das Prinzip der App: Parkplatzbesitzer registrieren kostenlos ihre Parkplätze und können mit zwei Fotos – frontal und seitlich – einen Abschleppauftrag auslösen. Parknotruf lässt innerhalb von etwa einer Stunde den Falschparker abschleppen, übernimmt das Risiko und zunächst die anfallenden Kosten, die von den Verkehrssündern wieder eingetrieben werden. Erst wenn der Falschparker gezahlt hat, wird ihm mitgeteilt, wo sein Auto steht. „Wer einen fremden Parkplatz rechtswidrig blockiert, stört das Besitzrecht des berechtigten Parkplatzinhabers. Dagegen darf man sich wehren“, sagt Anwalt Schroeder.

„In Bremen und im Umland arbeiten wir mit zwei, drei großen Abschleppdiensten zusammen“, sagt Struck. Entfernt werden die Autos zu ortsüblichen Preisen – 200 bis 300 Euro. Die Anwendung finanziert sich über die Firmen, die wegen regelmäßiger Aufträge einen Teil der Einnahmen abgeben. Falschparker würden über die Webseite ihr Auto wiederbekommen. In einigen Städten arbeitet die Firma nach eigenen Angaben auch mit der Polizei zusammen.

Lesen Sie auch

Die Bremer Polizei und die Innenbehörde haben keinen Kontakt zu dem Start-up. „Da uns die App und das Prozedere, das sich dahinter verbirgt, nicht bekannt sind, ist eine Bewertung nicht möglich“, sagt Innenressort-Sprecherin Karen Stroink. Eine behördliche Verpflichtung zum Handeln könne daraus keinesfalls hergeleitet werden, weil es um widerrechtliches Parken auf Privatgrund gehe. Auf den ersten Blick sei die App konform mit geltendem Gesetz, sagt Nicole Mertgen-Sauer, Juristin bei der Verbraucherzentrale Bremen. „Aber bei jeder App sollte man genau den Datenschutz prüfen. Das kann immer ein Problem sein.“

Kein Bedarf beim Weserpark

In Bremen und Lilienthal kontrollieren mehr und mehr Supermärkte ihre Parkplätze. Einige Märkte besitzen beispielsweise Sensoren, die die Parkzeit erfassen und Abschleppdienste informieren. Beim Weserpark sieht man keinen Bedarf für einen solchen App-Dienst. „Wir würden das nicht nutzen“, sagt Center-Managerin Monika Mehrtens. Auf den 4700 kostenlosen Parkplätzen hätte das Einkaufszentrum bislang keine Wagen abschleppen müssen. Komme es zu Problemen, würden Autohalter per Kennzeichen ausgerufen.

In Hannover, wo es die App seit 2019 gibt, liegen bislang keine Beschwerden über Start-up „Parknotruf.de“ vor, sagt Polizeisprecher Michael Bertram. Auch Udo Möller, Pressesprecher der Stadt Hannover, ist nichts dergleichen bekannt. „Wir haben auch keine Erkenntnisse, ob und in welcher Intensität die App in Hannover eingesetzt wird.“

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+